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MAK

Full text : Jahrgang 25 (1933) (17/18)

Seile  162

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Nr.  17/18

ohne  Beziehung  und  Sicherheit  zur  Kunst  waren,
sich  einsteliten,  wollten  sie  sich  papiermäßige
Sicherheiten  erkaufen:  Expertisen.  So  schob  sich
Expertise  und  Zuschreibung  vor  den  Kunstwert  als
Wertmaßstab  idealer  Art  und  die  Folge  war  und  ist,
daß  Kunstgut,  das  nicht  oder  nur  strittig  expertisiert
werden  konnte,  das  anonym  war  oder  sonstwie
„fraglich 1 ’  gemacht  worden  war,  plötzlich,  trotz  aller
ihm  innewohnenden  künstlerischen  Qualität  ohne
Nachfrage  blieb,  daß  dadurch  ganze  Sammlungen
über  Nacht  entwertet  waren  und  Arsenale  des  Handels, ­
  daß  diese  Verengung  des  Marktes  auf  „sichergestellte“ ­
  Werte  hin  eine  Deflation  des  Kunstgutes
zur  Folge  hatte,  mit  allen  Unbilden  einer  Deflation.
Das  handelsfähige  Kunstgut  schmolz  zusammen,  der
kleine  und  mittlere  Handel  vermochte  seiner  kaum

mehr  habhaft  zu  werden  und  riesige  Massen  kleineren ­
  und  mittleren,  gleichwohl  qualitativ  einwandfreien ­
  Kunstgutes  sind  noch  heute  unverkäuflich,
nicht  nur  wegen  der  Geldknappheit,  sondern  mehr
noch  deshalb,  weil  der  bürgerliche  Liebhaber  und
Sammler  durch  diese  Manipulationen  abnormaler
Art  vergrämt  wurde,  selbst  in  Unsicherheit  getrieben
wurde  und  folglich  ausblieb.
Zuletzt  versuchten  und  versucht  gar  noch  die
eine  oder  andere  Machtgruppe  mit  Hilfe  der  Presse
oder  wissenschaftlicher  Literatur  „Moden“  auf  dem
Kunstmarkte  zu  kreieren,  Handelsspekulationen  börsenartiger ­
  Natur  zu  „machen 1 ’.  So  ähnelte  der  Kunstmarkt ­
  zeitweise  verflucht  einem  Börsenspiel,  bei
dem  Expertisen  wie  Aktien  gehandelt  wurden.
(Schluß  folgt.)

Chronik.

BIBLIOPHILIE.
(Bibliothek-Versteigerungen  in  Frankfurt  a.  M.)  (Die  Firma
Joseph  Baer  &  Co.  in  Frankfurt  a.  M,  versteigert  am
27,  und  28.  November  die  Kunstbibliothek  des  verstorbenen
Kommerzienrates  Beit  von  Speyer,  die  moderne  [Bibliothek
eines  Frankfurter  Bibliophilen,  ferner  Inkunabeln,  Manuskripte
und  Americana  aus  dem  Besitze  eines  bekannten  norddeutschen
Sammlers.  Besonders  die  letztere  Sammlung  enthält  eine  Anzahl ­
  wertvoller  und  seltener  Stücke,  darunter  zwei  in  Münster
gedruckte  Inkunabeln,  andere  Bücher  aus  norddeutschen  und
holländischen  IDruckorten  und  Fragmente  aus  der  Gutenberg-Bibel,
  der  36zeiligen  Bibel  und  eines  Coster-Donats,  der  nach
den  neueren  Forschungen  zu  den  frühesten  Erzeugnissen  der
Buchdruckerkunst  gehört  und  um  1442  datiert  wird.
(Vom  englischen  Büchermarkt.)  Unter  den  für  diesen
■Herbst  von  englischen  Verlegern  angekündigten  Werken  sind
verschiedene,  die  auch  auf  dem  Kontinent  regem  Interesse
ibegegnen  dürften.  Chatto  &  Windus  bringen  aus  dem  Nachlaß
von  Lytton  Strachey,  der  sich  als  Historiograph  der  Königin
Victoria  Weltruhm  erworben  hat,  einen  von  seinem  Bruder
James  Strachey  bevorworteten  Band  heraus,  der  den  Titel
„Charaktere  und  Kommentare“  führen  soll.  Darin  befindet  sich
eine  [Reihe  von  Essay®,  die  den  großen  englischen  Brieifschreibern
  gelten,  und  eine  unvollendete  Studie  über  den  „Othello“,
womit  der  Verfasser  bis  zu  seinem  Tode  beschäftigt  war.  —
Harap  zeigt  den  ersten  Band  von  Winston  Churchills
„Marlborough  an,  der  schon  bei  seinem  Abdruck  in  der
Tagespresse  viel  Beachtung  fand,  und  eine  „Geschichte  des
Romans  in  England“  von  Robert  M.  IL  o  v  e  t  t  und  iHelen  S.
Hughes.  —  Unter  den  Neuerscheinungen  der  Cambridge
University  Preß  interessiert  besonders  ein  Buch  über  Nietzsche,
aas  seinen  Zusammenhang  mit  griechischem  Schrifttum  und
Denken  in  den  Brennpunkt  rückt.
William  He  inemann  in  London  kündigt  einen  nachgelassenen ­
  Roman  von  John  Galsworthy  an:  „Over  the
River."  Der  bei  demselben  Verleger  erscheinenden  Gesamtausgabe ­
  von  George  Moores  Werken  wird  der  Roman
,,A  Mummer’s  Wile"  aus  des  Dichters  Frühzeit  einverleibt
mit  einem  aus  seinen  letzten  Tagen  stammenden,  bisher  unveröffentlichten ­
  Vorwort:  „Mitteilung  an  meine  Freunde.“  Dort
werden  unter  dem  Titel  ,,Ah  King“  sechs  lange  Novellen  von
W.  Somerset  Maugham  herauskommen,  deren  Schauplatz
die  malaiischen  Staaten  sind.  Der  Dramatiker  Maugham  bevorzugt ­
  England  als  Ort  der  Handlung,  der  Epiker  die  Tropen.
Von  Lord  Dunsany,  der  sich  vornehmlich  durch  kurze,  teils
symbolische,  teils  mystische  Bühnenwerke  bekannt  gemacht
hat,  wird  ein  irischer  Roman  angekündigt:  „The  Curse  of  the
Wise  Women.“  Nicht  ohne  Pikanterie  ist  es,  daß  der  in  vielen
Sätteln  gerechte  Noel  Co  ward,  der  seit  seinem  Uebergang
zur  Operette  und  zum  Film  der  größte  literarische  Großverdiener ­
  in  England  sein  dürfte,  demnächst  bei  Heinemann  seine
Autobiographie  herausbringen  wird.  So  jung  noch  und  schon
bereit,  einen  Schlußstrich  unter  sein  Schaffen  zu  ziehen?
Von  der  sich  auch  auf  dem  Kontinent  langsam  durchsetzenden ­
  Romanschriftstellerin  Virginia  W  o  o  1  f  zeigt  die

Hogarth-Preß  ein  Buch  an:  „Flush",  die  Biographie  des  Wachtelhundes, ­
  der  im  Leben  der  Dichterin  Elizabeth  Barrett
Browning  eine  so  große  Rolle  spielte.  Schließlich  verdient
noch  Erwähnung,  daß  Maurice  Baring  in  der  Sammlung
„Das  Leben  dar  Großen“  den  Band  über  Sarah  Bernhardt
geschrieben  hat  und  daß  Friedrich  -Sie  bürg®  Buch  über
Deutschland  unter  dem  Titel  „Ger.many:  My  Country“  bei
Jonathan  Cape  im  Laufe  des  Oktobers  erscheinen  soll.

PHILATELIE.
(Neuheiten.)  Belgien.  Aus  der  Zeitungspaketmarke
6  iFr,  dunkellila  hat  man  mit  blauem  Aufdruck  eine  Aushilhmarke
  zu  4  Fr.  hergestellt,  —  Deutschland,  Die  bisher
von  Farbenänderungen  verschonten  Werte  der  Hindenburg-Ausgabe
  15  und  40  Pfg.  kommen  nun  auch  in  abgeänderten
Farjben  heraus,  und  zwar  dunkelweinrot,  bzw.  rotviolelt.  —
Frankreich.  Als  Gebührenfreiheitsmarke  für  Soldatenbriele
erhält  der  Wert  50  Cent.  Friedensmuster  den  bekannten  Aufdruck: ­
  F.  M.  —  Franz.  Post  in  Andorra.  Im  Muster  der
1  Cent.-Marke  mit  der  Kapelle  von  Meritxell  ergänzt  1  Fr,  25,
weinrot,  im  Muster  der  3  Fr.-Marke  mit  der  Schlucht  von
St.  Julia,  sowie  ein  Wert  zu  1  Fr.  75,  violett,  die  postläufige
Serie.  —  Kirchenstaat.  Die  neuen  Bildermarken  des
Vatikanstaates  zeigen  für  18  verschiedene  Werte  sechs  Muster.
Der  kleinste  Wert,  5  Cent.,  zeigt  das  Wappen  des  Papstes  mit
Schlüssel  und  Tiara.  Auf  den  Werten  von  10  bis  25  Cent,
finden  wir  eine  Ansicht  des  Platzes  vor  der  Peterskirche  mit
dem  großen  Obelisken.  Auf  den  Werten  30  bis  89  Cent,  sehen
wir  einen  Ausschnitt  aus  den  vatikanischen  Gärten  mit  der
Kuppel  der  Peterskirche  im  Hintergründe.  Die  Lirawerte  von
1  bis  2,75  bringen  ein  Brustbild  des  Papstes  und  die  von  5
bis  20  Lire  die  Peterskirche.  Schließlich  zeigen  die  beiden
Eilmarken  zu  2  und  2  Lire  50  den  Vaiikansiaai  aus  der  Vogelschau. ­
  Alle  Werte  mit  Ausnahme  der  karminroten  -5  Cent.-Marke
  sind  zweifarbig  gedruckt.  —  Litauen.  Der  Umstand,
daß  1883  die  erste  Zeitung  in  litauischer  Sprache  in  Tilsit
erschien,  bescherte  eine  Extra-Ausgabe  von  acht  Werten  von
5  Centai  bis  3  Litai  mit  Brustbildern  von  Männern,  die  für
Litauens  Einigung  und  Freiheit  gekämpft  haben.  Die  durchwegs
zweifarbige  Serie  erschien  in  zwei  Ausführungen,  gezähnt  und
geschnitten.  —  Luxemburg.  Im  Muster  der  Flugpostmarken:
Doppeldecker  über  dem  Alzettetal  bei  Luxemburg,  zwei  Werte,
50  Cent.,  hellgrün,  und  3  Fr.,  schwarzviolett.  —  Niederlande. ­
  In  der  Art  der  Freimarken  zu  36  und  70  Cent,  vom
Jahre  1931  ein  Wert  zu  80  Cent.,  blaugrün  und  rot.  Die
Photomontage  besteht  aus  Teilen  von  zwei  großen  Ueberseedampfern
  und  einem  Brustbild  der  Königin.  —  Polen.  Die
400-Jahrfeier  des  Nürnberger  Bildhauers  und  Bilderschniizers
Veit  Stoß,  der  den  Hochaltar  der  Marienkirche  in  Krakau
geschaffen  hat,  gibt  Veranlassung  zu  einer  querrechteckigen
Erinnerungsmarke,  die  einen  Teil  des  berühmten  Altars  veranschaulicht. ­
  —  Jugoslawien.  Ein  Brustbild  des  jungen
Thronfolgers  Peter  in  der  Uniform  der  Sokoln  ziert  z.wei
Wohltätigkeitsmarken  zu  75  +  25  Para,  russischgrün,  und
1  X>  +  34  Dinar,  rot,  die  aus  Anlaß  der  Lailbacher  Sokolnspiele
1933  herausgegeben  wurden.  —  Ungarn.  Das  große  Pfadfindertreffen ­
  in  Gödöllö  zeitigte  fünf  Erinnerungsmarken  zu  10,
16,  20,  32  und,  40  Filler,  die  einheitlich  den  sagenhaften  Hirsch
und  das  ungarische,  apostolische  Doppelkreuz  zeigen.
            
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