MAK
Seite 32 INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
machen vorläufig einen in der Welt als vollwertig 
gültigen Antiquitätenhandel unmöglich, was 
nicht nur die Händlerschaft zugrunde 
richtet, sondern den Wert Wiens als 
Kunst-Stapelplatz beträchtlichher- 
a b s e t z t und den damit innig verbundenen Frem 
denverkehr schädigt. 
Dazu kam in den allerletzten Jahren eine Über 
schwemmung des Marktes durch mit Unrecht in Ver 
bindung mit Kunst genannten Auktionen, die wahl 
los schlechte und gute Qualitäten gemeinsam auf den 
Markt werfen mußten, da auch sie mangels genü 
gend zahlungskräftiger Käufer um ihre Existenz 
kämpften, Ihr Vorgehen ist deshalb zu verstehen, 
wenn auch jeder ehrliche Antiquitätenfreund es tief 
bedauern muß, daß der reguläre Händler, welcher 
mit Herz und Liebe bei der Sache ist, dadurch bei 
nahe ganz ausgeschaltet wird und, was beinahe noch 
schlimmer ist, der Geschmack des Publikums von 
Grund aus verdorben wird. 
Wir haben es ja momentan mit einer ganz neuen 
Schichte von Käufern zu tun, von denen alle mehr 
oder weniger schüchterne Anfänger sind, ihres Ur 
teils nicht sicher und nicht unterrichtet genug, um 
Echtes vom Falschen zu unterscheiden. Wohl heben 
sie sich vorteilhaft von den Käufern der Inflations 
zeit ab, denn sie kaufen wieder aus Liebe zur Schön 
heit der Form, mit Gefühl für das Edle alter Patina, 
und mit Verständnis für die Geschichte und Tradi 
tion der Dinge, was immerhin ein Versprechen für 
iiHimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiimiinimi« 
Kunstantiquariat 
| Artaria & Co. j 
| Wien, I., Kohlmarkt 9 1 
[ ^ | 
| Sammler-Graphik / Alte Stiche / Radierungen / | 
Holzschnitte / Handzeichnungen 
1 Zeitgemäß reduzierte Preise jjj 
5iniiniunntimiiitHHiinniinmii..miminnnnnumiinmniiininuiimiuniiniii»~ 
ein Neuaufblühen des alten Sammlergeistes ist. Daß 
derselbe gänzlich im Absterben ist, ist eine pessimi 
stische Ansicht, der man keinen Glauben schenken 
darf, denn solange die Welt steht, haben die Men 
schen gesammelt und haben weite Schichten Sinn 
und Verständnis für die Erzeugnisse früherer Epochen 
gehabt. 
Es ist an den Händlern, diese neu aufblühende 
Pflanze zart und liebevoll groß zu ziehen, indem sie 
möglichst geduldig ihr Verständnis und ihre Sammler 
leidenschaft auf die neue Käuferschichte übertragen 
und alles unterlassen, was deren Vertrauen irgend 
wie täuschen könnte. 
1Vierter JCunstauktionen. 
Von Alexandrine Kende. 
Trotz verschärfter wirtschaftlicher Krise ist es 
dem kultivierten Wiener noch immer ein Herzens 
bedürfnis, sich mit den Dingen der Kunst zu be 
schäftigen und aktiv an den Kunstauktionen teilzu 
nehmen, Der Kreis der eigentlichen, passionierten 
Sammler macht wohl unter dem Druck der Verhält 
nisse einen argen Schrumpfungsprozeß durch, aber 
glücklicherweise ist die Species doch nicht ausge 
storben! 
Zum Unterschied von Berlin und anderen gro 
ßen deutschen Kunstzentren gibt es bei uns relativ 
sehr wenige universell und kosmopolitisch einge 
stellte Kunstliebhaber, Man bevorzugt Wiener Mei 
ster und in Wien entstandenes Kunstgewerbe und 
bezahlt selbst mittlere Qualitäten dieser Provenienz 
bei weitem teurer als ausländische Kunstprodukte 
von höherem Niveau. Dieser an sich begreifliche 
Lokalpatriotismus steigert sich manchmal zur Un- 
verSftändlichkeit. Kunstwerke von wirklich interna 
tionaler Bedeutung sind auf unseren Wiener Kunst 
auktionen seltener. Erscheint aber ein solches, so 
erweisen ihm selbst die unter den Kunstfreunden 
vortrefflich kunsthistorisch geschulten Elemente nur 
ihre Reverenz (auch bei genügender Vermögens 
fundierung), um den Schatz bei mäßigem Preise dem 
Auslande zu überlassen, Wie anders, wenn es sich 
um irgend eine Spitzenleistung der österreichischen 
Kunst handelt, was herrscht da für atemlose Span 
nung und stark gesteigerte Kauflust! Ich erinnere 
mich da an eine unserer Auktionen im Frühjahr 
1932, da drei Waldmüller, ein Pettenkofen, zwei 
Isidor Kaufmann, ein Oelbild von Rudolf Alt u, a. 
glänzende Preise erzielten, während ein signierter 
und datierter Adr. van Ostade aus der Sammlung 
Dr. Strauß, ein Galeriebild ersten Ranges, ohne An 
bot blieb. Ebenso wurde erstklassiges französisches 
Silber aus der Empire billiger verkauft, als 
Wiener Silber der gleichen Epoche, Die hohe Wert 
schätzung, die man unseren österreichischen Mei 
stern entgegenbringt, ist gewiß vollauf berechtigt. 
Ihre subtile malerische Kultur, ihr bedeutendes 
Können besteht auch im Vergleich mit den besten 
gleichzeitigen Meistern der anderen Nationen, 
Immerhin ergäbe eine gesteigerte Universalität ein 
schönes Zeugnis für das Verständnis der jetzigen 
Wiener Kunstfreunde. Auch in den Sammlungen 
Dr, Figdor, Miller von Aichholz, Dr. Strauß, Gott 
fried Eißler u. a. nahm die Wiener Kunst den ihr 
gebührenden Ehrenplatz ein. Aber das Sammelge 
biet dieser Kunstanbeter umfaßte mit gleicher An 
dacht alle Höchstleistungen menschlicher Kultur, 
ohne Frage nach Nam‘ und Art, lediglich die künst 
lerische Qualität war beim Ankaufi entscheidend. 
Die ausschließliche Beschränkung auf die heimat 
liche Kunst zeugt gewiß von inniger Liebe zur Hei 
mat, zur bodenständigen Kunst und kann als stolzes 
Auf-sich-selbst-besinnen gedeutet werden, Aber so 
wie es uns beglückt, wenn wir vernehmen, daß un 
sere großen Musiker im Ausland geschätzt und ge 
würdigt werden, daß unsere großen Maler in engli 
schen Sammlungen nicht selten sind, so würde es im 
Ausland gewiß gerne gesehen werden, wenn wir 
unsern Traditionen in dieser Beziehung treu blieben. 
Die früheren Sammlergenerationen waren bestrebt, 
alle Grenzen niederzureißen, um so eine Art künst 
lerisches Pan-Europa aufzurichten, in dem die 
österreichische Kunst ihre geweihten Bezirke ein 
nahm. Befolgen wir ihr schönes Beispiel!
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.