Nr. 3
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
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Jlus den Schlössern des Erzherzogs Friedrich.
Die Wiener Kunstauktionen im neuen Jahre
leitet vielversprechend eine Versteigerung von
Kunstbesitz des Erzherzogs Friedrich ein. Vom
8. bis 10. Februar bringen die Auktionshäuser Al
bert Ken de und Gilhofer & Ranschburg
in den Prachträumen des ehemaligen Wiener Schach
klubs in der Schauflergasse eine Auslese von Kunst
objekten aus dem Wiener Palais und den österrei
chischen Schlössern dgs Erzherzogs, aus der Weil-
burg in Baden bei Wien und dem von Fischer von
Erlach erbauten Schloß Halbthurn im Burgenland,
unter den Hammer.
Biedermeierzeit aufs beste repräsentieren. Natür
lich ist in jedem Saal die Einrichtung durch herrliche
Luster, durch Porzellane der alten Manufakturen
von Wien, Berlin und St. Petersburg, durch echte
französische Bronzen, durch Uhren von berühmten
Pariser Meistern und nicht zuletzt durch kostbare
Teppiche, darunter ein antiker Savonerie-Teppich,
stilvoll vervollständigt.
Von besonderer Bedeutung sind die Ge
mälde, die zur Versteigerung kommen. Da ist ein
Hauptwerk des seltenen Cornelis T r o o s t, den
man nicht mit Unrecht den holländischen Hogarth
Fig. 4. Schnorr von Carolsield,
Rudolf von Habsburg und der Priester.
Der Schwerpunkt der Auktion liegt in den
kunstgewerblichen Erzeugnissen. Gut zwei Drittel
der 404 Nummern, die der Katalog exakt beschreibt,
machen die Kunstgegenstände aus, die uns zeigen,
wie stark die Verbindung Oesterreichs mit franzö
sischer Kunst ehedem war, aber auch, wie in
Oesterreich Stilformen selbständig geschaffen wur
den. Charakteristisch sind in dieser Richtung insbe
sondere die Möbel, die im geschmackvollen Ar
rangement der Kunsthistorikerin, Frau Alexandrine
K e n d e sehr wirkungsvoll zur Geltung kommen.
Es würde zu weit führen, hier all das prächtige Mo
biliar aufzuzählen, das in den 15 Räumen unterge
bracht ist: es genüge der Hinweis, daß die vorhan
denen Stücke die Louis-XVI,-, die Empire- und die
nennt. Es zeigt den „Gerichtshof von Puiterveen“,
ein Sujet, das auch eine in der Albertina in Wien
befindliche Gouache des Meisters behandelt. Denis
van A1 s 1 o o t scheint mit dem „Fischstecher“ auf,
ein Werk, das allem Anschein nach zu der berühm
ten, aus sechs Bildern bestehenden Folge gehört,
von der Nr. 1 und 6 im Prado-Museum in Madrid,
Nr, 2 und 5 im Kensington-Musum in London sich
befinden, während Nr. 3 und 4 bisher als verschol-
1on galten. Die Infantin I sab eil a hat im Jahre
1615 diese Folge ihrem Hofmaler Denis van Alsloot
zur Erinnerung an die von ihr und ihrem Gemahl,
dem Erzherzog Albert in Brüssel veranstalteten
Feste in Auftrag gegeben, der die Aufgabe, wie er
wartet, großartig löste.