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MAK

Full text : Jahrgang 26 (1934) (12/13)

Internationale
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Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich
26.  Jahrgang  Wien,  August  1934  Nr.  12/13

Jechnik  des  Sammelns.
Von  Waldemar  May  (München],

Sammeln  ist  Seelenkult.  Ist  die  Befriedigung
einer  inneren  Sehnsucht;  ist  nicht  Aufstapeln  von
,,Schätzen“,  sondern  von  nur  im  Seelischen  wirksamen ­
  Werten,
Somit  setzt  das  Sammeln  eine  ganz  bestimmte
seelische  Situation  voraus,  ohne  deren  Vorhandensein ­
  aus  dem  Sammeln  ein  An-Sammeln,  aus  einer
Tätigkeit  mit  der  Absicht  der  Befriedigung  höchstpersönlicher ­
  innerer  Sehnsüchte  eine  lebende  Geschäftigkeit ­
  werden  muß,  die  äußere  Ziele  anstrebt
und  sich  in  nichts  von  anderen  Geschäftigkeiten  unterscheidet. ­

Man  muß  sich  mit  dieser  inneren  Situation  des
Sagimlermenschen  ihrer  Art  nach  näher  befassen,
weil  sie  die  grundlegende  ist,  will  man  den  ganzen
Komplex  des  Sammelns  (und  damit  auch  seiner
»Technik«)  näherkommen.  Wenn  ich  eingangs  den
Satz  aufstellte:  Sammeln  ist  Seelenpflege,  und  die
Sammlung  selbst  als  Befriedigungsversuch  seelischer
Forderungen  darstellte,  so  muß  dem  hier  noch  angefügt ­
  werden,  daß  die  Sammlung  als  Befriedigungsversuch ­
  immer  zugleich  ein  »Widerbild«  der  Seele
des  Sammlers  im  Sichtbaren  und  Realen  ist  und  die
Erfüllungssehnsucht  der  Seele  immer  zugleich  eine
Sehnsucht  nach  einem  Greifbaren  und  Sichtbaren,
einem  sinnlich  Wahrnehmbaren,,  der  »symbolischen
Form«,  Darum  ist  die  Sammlung  auch  immer  zugleich ­
  ein  Bild  des  Sammlermenschen  selbst,  für  den,
der  »Bilder«  zu  deuten  versteht.  Somit  kann  unsere
Untersuchung  der  »inneren  Situation«  von  ihrem
äußeren,  sinnlich  wahrnehmbaren  Sammlungsbild  mit
ausgehen  als  deutlicher  Handhabe,
Der  Sammelgegensland  ist  wahrnehmbar,  sein
innerer  Befriedigungswert  für  die  Sammlerpersönlichkeit ­
  nicht.  Das  Symbolum  ist  sichtbar,  der  Bedeutungsinhalt ­
  ist  esoterisch.
Was  nun  aber  sichtbar  ist,  fühlbar,  wird  auf  sinnlichem ­
  Wege  wahrgenommen  und  wir  erkennen  die
»Sinnlichkeit«,  die  Sinnenfähigkeit,  als  eine  erste
Hilfsform  bei  der  Wahl  aller  Gegenstände,  die  dazu
dienen  sollen,  sammlerische  Innensehnsüchte  zu  befriedigen. ­

Eine  untrügliche,  unverfälschte,  seelisch-sinnliche ­
  Fähigkeit  ist  also  des  Sammelns  erste  Vorbedingung ­
  und  jener  Sammler,  der  seinen  gleichgesinnten

Sohn  davon  abhielt,  Kunstgeschichte  zu  studieren,
bevor  er  seine  eigene  größere  Sammlung  zusammengestellt ­
  habe,  hatte  darum  sehr  recht  mit  seinem  Rat,
weil  er  durch  das  Studium  eine  Beeinträchtigung  oder
Verfälschung  der  natürlichen  Sammler  Sinnlichkeit
wohl  befürchten  konnte.  Ob  nun  der  einzelne  Sammler ­
  mit  diesem  oder  jenem  »Sinne«  die  Auswahl  vornimmt, ­
  ist  nebensächlich.  Aber  sinnlich  geschieht  die
Auswahl  des  Sammlers  immer  und  der  sinnliche  Eindruck, ­
  den  ihm  ein  Kunstwerk  hinterläßt,  ist  für  ihn
fast  immer  das  Entscheidende  auch  dann,  wenn  der
seelische  Befriedigungswert  sich  nicht  im  selben
Augenblicke  schon  dem  Sammler  bewußt  offenbart.
Er  kauft  dann  eben  »nach  Gefühl«,
Im  Sammlerleben  wissen  und  sprechen  wir  vom
»untrüglichen  Blick«,  den  der  eine  oder  der  andere
lür  dieses  oder  jenes  Sammlergut  besitzt,  von  der
»sicheren  Hand«,  mit  der  er  sein  Gut  gleichsam  »erfühlt«; ­
  der  Sammler  von  Porzellanen,  Metallen  oder
Fayencen  usw.  nimmt  das  ,,Gehör‘‘  bei  der  Auswahl
zu  Hille  und  auch  »Geschmack«  und  »Geruch«  spielen, ­
  wie  jedermann  weiß,  bei  der  sammlerischen
Wahl  ihre  Rolle,
Mit  solchen  Handlungen  am  Wahlgegenstande,
die  diesen  in  Verbindung  mit  irgend  einem  unserer
.Sinne  bringen,  sodaß  dieser  sein  Votum  darüber  abzugeben ­
  vermag,  ob  das  in  Wahl  gestellte  Objekt
»entspricht«,  Wert  zu  sein  vermag  seiner  Seele,  haben
wir  bereits  Handlungen  genannt,  die  »technisch«  sind
und  der  Sammlertechnik  zugehören,
Wenn  wir  nun  diese  sammlerische  »Sinnwahl«
ihrer  besonderen  Art  nach  betrachten,  so  stellt  sie
sich  als  eine  ungeheuer  komplizierte,  ungeheuer  feine
(weil  seelen-nahe)  Sinnentätigkeit  dar,  eine  ganz  direkte ­
  und  im  höchsten  Grade  »natürliche«  Sinnentätigkeit, ­
  wie  sie  nur  ganz  unbenommen  von  »Wissen« ­
  sich  als  sicher  in  der  Wahl  darstellt.  Diese  von
überall  her  unbeeinflußte  Sinnentätigkeit  als  wahllei-,
tende  Sammlertechnik  macht  das  Sammeln  als  Fähigkeit ­
  zu  einer  urphänomenalen,  ohne  daß  wir  deswegen ­
  uns  schon  auf  das  Urphänomen  Seele  zurückbesinnen ­
  müßten.
Diese  sammlerische  Sinnenfähigkeit  (ohne  mit
der  philosophischen  Ausdruckswelt  in  Konflikt  kommen ­
  zu  wollen,  können  wir  sie  auch  als  »instinktiv«
            
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