Nr. 14
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Seite 118
Sammlung Seheimrat Ottmar Strauss.
Aus Frankfurt a. M, wird uns geschrieben;
In dreitägiger Auktion (6., 7. und 8. November)
wird Hugo H e 1! b i n g eine der bedeutendsten Kölner
Privatsammlungen auflösen. i
Es handelt sich um die Sammlung des Geheimrats
Ottmar Strauss, die sich bisher im Haus
Bayenthalgürtel Nr, 2 in Köln befand und wohl sehr
vielen Sammlern und’ Kunstfreunden aus eigener Anschauung
bekannt ist. Ein prachtvoller, mit 61 Bildtafeln
ausgestatteter Katalog gibt uns einen Ueberblick
über diese reichhaltige Sammlung.
Beginnen wir mit der Plastik der Sammlung,
so finden wir naturgemäß die rheinische Schu-1
e und vor allem die Kölner Schule besonders gut
vertreten. Männliche und weibliche Reliquienbüsten,
frühe Marienfiguren sind hier besonders hervorzuheben.
Aber auch die anderen deutschen Schulen
sind durch Meisterwerke repräsentiert und wir begegnen
auch spanischen und italienischen Bildhauern
des Mittelalters uüd Renaissance.
Besonders feine Stücke finden wir in der Kleinplastik
: zwei köstliche kleine Engelsköpfchen um
1500, ehemals in der Sigmaringer Sammlung, eine
Silberfigur datiert 1492 und, eine Statuette des Hl.
Andreas vom, Meister von Rimini seien aus
der Fülle herausgegriffen,
Wenden wir uns der Kleinkunst des Mittelalters
zu, so sehen wir ein bedeutendes L i möge
s - V ortragskreuz des 12, Jahrh., zahlreiche
Kruzifixe und Bronzearbeiten rheinischer und französischer
Herkunft, zahlreiche Zellenschmelze,
Emailbilder u, a. m., dann Altärchen in Elfenbein
und romanische Bronzestandleuchter.
Unter den Gemälden nennen wir ein Porträt
von Abraham de B r u y n und das Bildnis des
Earl of Weistmorland von Sir Thomas Lawrence,
das unsere Abbildung (Fig, 1) wiedergibt,
Der Katalog bringt ferner Majoliken und
Fayencen, Porzellane und Textilien in
großer Fülle.
Bei den Möbeln handelt es sich in der Hauptsache
um Arbeiten der i t a Li enischen Renaissance.
Große Bibliothekstische, eine prachtvolle
Cassa banca, .zahlreiche Sessel mit altem Samt oder
Point bezogen, sind vorhanden, aber auch Schränke,
Kommoden der Barockzeit, Sitzgarnituren des 18.
Jahrhunderts bringt der Katalog. Den Beschluß des
ersten Teils bildet eine Anzahl Teppiche und Briikken
des 18. und 19. Jahrhunderts.
Der zweite Teil der Sammlung Ottmar Strauss
umfaßt ostasiatische Kunst, deren Hauptgewicht
auf den Porzellanen der klassischen Epochen
Fig. 1. Sir Thomas Lawrence
liegt. Der Katalog verzeichnet weiters Frühkeramiken,
sodann eine große Reihe von Platten
und Gefäßen der M i n g- undiKanf hi-Zeit
und chinesische Porzellanfiguren des 17. Jahrhunderts
mit köstlichen vielfarbenen Emailglasuren.
Der Katalog ist durch Hugo H e 1 b i ri g, Frankfurt
am Main, zu beziehen.
Ein zweiter Teil der Sammlung, und zwar die
Kunst- und Einriohtungsgegenstände aus dem Schloß
Heisterberg, wird 1 am 10. Dezember folgen und
ebenfalls drei Tage in Anspruch nehmen.
JCupferstieAversteigerungen bei C. S. 33oerner in Ceipzig.
Ziemlich spät im Jahre erschienen, diesmal die
Herbstauktionskataloge der Firma C. G. Boerner
in Lei p ! z äl g. ,
Der eine der beiden Kataloge beschreibt die
große Sammlung deutscher und österreichischer Graphik
aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von
Thomas Graif in'Berlin, eine Zusammenstellung auf
diesem noch im Grunde weniger bekannten Gebiete,
die vielleicht einzig in ihrer Art ist. Im besonderen
sei darauf hingewiesen, daß in dieser Sammlung die
Wiener Schule in einem Umfange vertreten ist,
wiie sie ihrer Bedeutung innerhalb der Graphik des
deutsch-sprachlichen Gebiets zukommt. Es finden
sich Serien von Blättern von Kriehuber, Alt,
S c h w i n d, F ü g e r, F; e n ,d i, iS t e i n 1 e, dabei das
Hauptwerk jener romantischen Graphik überhaupt,
diie ,.Sieben Gegenden von Salzburg und Berchtesgaden“
vom O 1 i v i e r, in einem herrlichen Exemplar.
Gerade die Wiener Künstler zeichnen sich ja
vielfach in der Technik der Lithographie vor den
Reichsdeutschen aus und sind im besonderen Meister
des Porträts. — Aber auch im übrigen ist alles vertreten,
was zu dieser vielfältigen Kunst der Zeit gehört.
Die Romantiker und die Nazarener,
die ausgesprochen s ü d 1 d e u t s c h e n und die charakteristischen
Berliner Künstler. Es finden
sich umfängliche Spezialsammlungen von Wilhelm v.
K o b e 11, von Franz Krüger, von Hose mann