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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. 5 
Ein Kugelbecher aus Silber trägt die Marke des 
Johann Philipp Holler in Nürnberg, ein anderer des 
Danziger Meisters Hieronymus Holl II, eine Schraub 
flasche aus Silber neben dem Beschauzeichen von 
Ohlau in Schlesien die Marke des Stephan Christian 
Walter (gest. 1721). 
Möbel, alte und moderne, stehen in den Salons: 
da ein prächtiger, großer Bücherschrank, dort eine 
große zweiladige Kommode in schwarzgoldenem 
Japanlack, wahrscheinlich eine Kopie nach einem 
Stück in Garde meuble in Paris, da wieder ein 
Tabernakelkasten mit dreiladigem Unterbau, eine 
österreichische Arbeit aus dem 18. Jahrhundert, 
dort wieder eine große Standuhr in Rokokoformen 
mit einem Werk mit Viertelstundenschlag von Ba- 
rillet in Paris und so fort mit Grazie durch die vielen 
Räume, 
Zu der schönen Tradition der Liebiegs gehörte 
die Freude an guter Musik, waren doch der Herr 
und die Frau des Hauses selbst passionierte Geiger, 
Aus dieser Neigung erwuchs die Sammlung der Frau 
Therese Liebieg an Musiker-Autographen und Mu 
sikerbildnissen. Ein eigener Katalog registriert diese 
Sammlung. Unter den Autographen befinden sich 
Skizzen zum Scherzo des F-Moll Streichquartetts 
op. 95 von Beethoven (8 Seiten), ein Brief Beet 
hovens an Zmeskall, Albumblätter von Brahms, 
Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Offenbach, Ros 
sini, Briefe von Bruckner, Chopin, Kreutzer, Liszt 
Richard und Cosima Wagner, Carl Maria Weber, 
Zeller u. a. Haydn figuriert mit dem Manuskript 
des Liedes »Trachten will ich nicht auf Erde, daß 
ich reich an Gütern werde«, von Mozart ist ein 
interessanter Brief vom 15. Februar 1783 an die 
Baronin Waldstaedten. 
»Hochschätzbarste fr. Baronin,« schreibt der 
Tondichter. »Nun befinde ich mich in einer schönen 
Lage! Hr. v, Tranner und ich besprachen uns letzt- 
hin, daß wir eine Prolongation auf 14 Tage begehren*) 
*) Dort fälschlich „bezahlen” gedruckt. 
wollten; — da dieses doch jeder Kaufmann thut, 
ausgenommen es müsste der indiscreteste Mann von 
der Welt sein, so war ich ganz ruhig und hoffte bis 
dahin, wenn ich es auch nicht selbst zu zahlen im 
Stande wäre, die Summa geborgt zu bekommen! — 
— Nun lässt mir Hr. v. Tranner sagen, dass der 
jenige absolument nicht warten will, und wenn ich 
zwischen heut und morgen nicht zahle, so will er 
klagen; — Nun denken Euer Gnaden, was das 
für ein unangenehmer Streich für mich wäre! — Ich 
kann jetzt nicht zahlen, nicht einmal die Hälfte! — 
hätte ich mir vorstellen können, dass es mit der 
Suscription meiner Concerten so langsam hergehen 
würde, so hätte ich das Geld auf längere Zeit ge 
nommen! — Ich bitte Euer Gnaden um Himmels 
willen, helfen Sie meine Ehre und meinen guten 
Namen nicht zu verlieren! — 
Mein armes Weiberl befindet sich ein wenig 
unpässlich, und folglich kann ich sie nicht verlassen, 
sonst würde ich selbst gekommen sein, um Euer 
Gnaden Mündlich darum zu bitten. Wir küssen Euer 
Gnaden 1000 mal die Hände und sind beyde 
Euer Gnaden 
gehorsamste Kinder. 
W. A. u. C. Mozart, 
Vom Haus den 15t Febr. 1783. 
Ein Konvolut umfaßt 112 Autographen von Mu 
sikern (Komponisten und Virtuosen), ein anderes 
88 Geigerbriefe, darunter von Joachim, Leopold 
Mozart, Sarasate, Spohr, Teresina Tua, Vieuxtemps 
u. a. 
Von den Musikerbildnissen nennen wir 
die Beethovens nach Stieler mit Missa solemnis in 
den Händen, Donizetti, Liszt, Gustav Mahler, Mozart 
(Brustbild in ornamentaler Umrahmung nach der 
Wachsbcssierung von Posch, gest. von Mansfeld), 
Anten Rubinstein, Leo Slezak (in Violanta), Josef, 
Johann und Richard Strauß, Suppe, Weingartner. 
Hugo Wolf etc. 
Seltene deutsche J3ibeln. 
A.us Leipzig wird uns geschrieben: 
Das 450 jährige Luther-Jubiläum hat eine Reihe 
von Buchausstellungen hervorgerufen, die der Ge 
genwart das Kulturgut der Reformationszeit wieder 
verlebendigen sollen. Häufig tritt das literarische 
Hauptwerk Luthers, die deutsche Bibelübersetzung, 
in den Vordergrund und beweist damit, daß der 
Wert dieser Verdeutschung bis in unsere Tage un 
vermindert anerkannt wird, Luthers Verdolmetschung 
ist zwar .nicht die erste in deutscher Sprache — zeit 
lich gehen dem Septembertestament von 1522 acht 
zehn Drucke von vollständigen deutschen Bi 
beln voraus — aber keine hat wie sie die Kraft und 
Schönheit des Ausdrucks erreicht, wenn auch in 
buchkünstlerischer Hinsicht die Arbeiten der Inku 
nabelzeit über ihr stehen. 
Ein vortreffliches Anschauungsmaterial vermit 
telte insbesondere das Stadtgeschichtliche 
Museum in Leipzig durch seine Sonderaus 
stellung »Die Luther-Bibel und ihre deutschen Vor 
läufer«. Zahlreiche bedeutende Originaldrucke aus 
dem Besitz Leipziger Bibliotheken bewiesen vor 
allem auch die künstlerischen Leistungen der alten 
Bibeltypographen. Nicht zuletzt ist aus diesem 
Grunde bereits in der Vergangenheit die heilige 
Schrift ein bevorzugter Gegenstand des Sammelns 
gewesen; aber auch unsere Zeit kennt unter den 
Bücherfreunden manchen Liebhaber alter Bibeln. 
Leider tauchen die frühesten Zeugnisse für eine 
Uebersetzungstätigkeit in Deutschland immer selte 
ner im Handel auf und man kann deshalb von einem 
bibliophilen Ereignis sprechen, wenn in der Inku 
nabelausstellung der Antiquariatsbuchhandlung Bern 
hard L i e b i s c h in Leipzig zwei ungewöhnlich sel 
tene Bibelausgaben zum Verkauf angeboten werden. 
Die erste ist ein prachtvolles Exemplar der zwei 
ten deutschen Bibel, ca. 1466 von H. Eggesteyn in 
Straßburg gedruckt, die zweite die elfte deutsche 
Bibel aus der Offizin von H. Schönsperger, Augs 
burg 1487. Interessenten seien auf diese Kostbar 
keiten aufmerksam gemacht. Wir dürfen wohl an 
nehmen, daß die Leipziger Firma zu weiteren Aus 
künften gerne bereit ist. 
In diesem Jahre feiern wir das vierhundert 
jährige Jubiläum der ersten vollständigen Luther- 
Bibei. Es wäre begrüßenswert, wenn auch der Anti- 
auariatsbuchhandel dieses Gedenken zum Anlaß 
nähme, durch Ausstellung von Originaldrucken der 
Reformationszeit zu einer Vertiefung der Kenntnisse 
über eine bewegte Zeit beizutragen.
	        
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