Seile 70
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 8
Chronik.
BIBLIOPHILIE
(Von d«r Auktion Comte Suzannet.) 600 Pfund Sterling
für einen Brief — dieser enorme Preis wurde in der von
Sotheby in London veranstalteten Auktion der Bücher
und handschriftlichen Schätze des Comte de Suzannet er
zielt. Es handelte sich um den -längst bekannten Brief
Thackerays, worin er den Roman Jane Eyre" von Char
lotte Bronte dem Verlagshaus Smith, Eider in -London empfiehlt.
Mag Thackerays Brief auch in der englischen Literaturge
schichte bedeutungsvoll sein, weil er einer 'Dichterin den Weg
ebnete — 600 Lstr. sind kein -Pappenstiel. -Ueberhaupt schnitt
Thackeray auf dieser Auktion überraschend gut ab. So wurde
eine Bleistiftzeichnung -von ihm :zu „Vanity Fair" mit 150 Lstr.,
ein handschriftlich verbessertes Exemplar des Romans ,,Es-
mond" mit 125 Lstr. bezahlt. A-uch Rudyard Kipling be
hauptete die hohen Preise, -die Bücherliebihafber Ifür ihn an-
legen: Die ,,Schoolboy Lyr-ics“ aus seinen Anfängen (1881)
stiegen bis zu 195 Lstr. Dagegen ist Oscar Wilde etwas ge
sunken. Zehn -Seiten der ursprünglichen -Niederschrift des
,,Dorin Gray“ waren für '18 Lstr., eine vom- Dichter gezeich
nete Luxusausgabe seines Romans für 11 Lstr. zu haben. Der
allerhöchste Preis, 700 ‘Lstr., wurde im- Heimatlande des Sports
für ein Sportbuch aus dem J-ahre 1807 bezahlt. Dagegen
-konnte eine mäßig erhaltene Vierte - Folio - Ausgabe von
Shakespeare -mit 160 Lstr, nicht auf,kommen.
(Eine Dumas-Sammlung aui Neu-Seeland.) Man wird auf
Ne-u-Seeland wohl keine großen Bücherschätze vermuten, aber
es gibt auch dort allerlei, was den Bücherfreund anziehen
könnte. So ist die öffentliche Bücherei von Auckland reich
an mittelalterlichen Handschriften und an Erstausgaben Shake
speares; die Turnball-Bibliothek in Wellington enthält
außer ihrer unschätzbaren Sammlung von Werken über Neu-
Seeland und den Stillen Ozean eine Fülle seltener und kost
barer Ausgaben, Aber auch bei Privatleuten findet man man
cherlei Bücherschätze, unter denen zweifellos der wichtigste die
A1 e x a n d r e - D u m as - S a m m 1 u n g von Frank Re-ed zu
Whangarei in Nord-Auckland ist. Reed, der Anfang der 80er
Jahre als 12jähriger Junge mit seinem Vater nach Whang-ar-zi
kam, brachte eine große Begeisterung für die Romane des
älteren Dumas mit, Als- er seiner Drogerie einen Bücherladen
angeglied-ert hatte, sammelt er allmählich eine immer wach
sende Anzahl von Ausgaben und Uebertragung der Werke
Dumas', sowie seiner Handschriften und Briefe. Jahrzehnte hin
durch stand er mit dem besten Kenner Dumas in England, R.
S, G a r n e 11, in regem Briefwechsel, und -Garnett hat bei sei
nem Tode 1932 seine Sammlung dem Freunde in Neu-Seeland
vermacht. Reeds-Dumas-Sammlung ist jetzt die weitaus größte,
die es außerhalb von Paris gibt; sie wird mit ihren über 2000
Nummern dereinst ihre dauernde Stätte in der öffentlichen
Bibliothek von Auckland finden.
BILDER,
(Dürcr’s „RoSenkranzieH“.) Aus Prag wird uns gemel
det; -Der Staat wird nun endgültig Dürer's berühmte®
„Rosenkranzfest" vom Stifte Strahow übernehmen.
Dem Kloster werden für -das Bild, dessen W-ert das Schulmini
sterium mit 1 Million Reichsmark beziffert, 2600 Hektar Grund
und Boden im Altvatergebirge -überwiesen, die das Ministe
rium vom Breslauer Erzjbistum übernimmt.
(Der Prozeß um die Gemäldegalerie des Grafen Schönborn.)
Zwischen den Urenkeln des Grafen Karl -Eduard Schön-
born-Buchheim entstand, wie von uns seinerzeit gemeldet
wurde, um dessen Bildergalerie ein Rechtsstreit, der vor dem
Zivillandesgericht in Wien ausgetragen wurde. Wie in der von
Dt. Otto Mayr vertretenen Klage ansgeführt wurde, starb
Graf Karl Eduard Schönborn im Jahre 1854, worauf seine
vier Kinder das Erbe antraten. Die berühmte Bildergalerie über
nahm der Sohn des Verstorbenen Erwin Friedrich, »ach
dessen Tod sie auf dessen ältesten Sohn Friedrich Karl
überging. Dieser starb im März 1932 und nun klagten die Gra
fen Felix und Friedrich Schaaffgotsche, sowie Gräfin
Johanna Schaaffgotsche die Verlassenschaft und be
gehrten die Feststellung des Miteigentums an -der Bildergalerie.
Dem Beklagtenvertreter gelang es durch einen Zufall, das
Testament aus dem Jahre 1854 ausfindig zu machen.
Darin wird Graf Erwin Friedrich als A 11 e i n e r b e bezeich
net, mit dem Beifügen, daß er -die anderen Kinder mit barem
Gelde abzufertigen habe, was auch geschehen ist. Daraufhin
wurde die Klage unter Verzicht ai f den Anspruch zurück
gezogen. .
PHILATELIE
(Novitäten.) Australien hat eine neue Type der ,,OS'-
Dienstdurchlochung eingeführt, vorerst bei den Werten zu 1 d,
grün, 2 d. scharlachrot und der 6 d. Eine weitere neue Durch
lochung trat bei der 1 d. auf, nämlich „GNSW“, welche „Go
vernment of New South Wales" bedeutet. — Belgisch-
Kon-go gab in -der Zähnung 13MU.14 eine in Tiefdruck bei der
belgischen Staatsdruckerei hergestellte Flugpostserie folgender
Werte aus; 50 C. grauschwarz, 1 Fr. rosa, 1 Fr, 50 C. grün,
3 Fr. purpur, 4 Fr. 50 C. blau, 5 Fr. rotbraun, 15 Fr. dunkel-
lila, 30 Fr. braun und 50 Fr, violett, — Bulgarien über
druckte die 3 Lewa oliv mit einem neuen Wert „2“ (Lewa), und
zwar in blauer Farbe, außerdem erschien die 4 L. orange ohne
Linien an -den beiden oberen Enden der Marke. — Kanada
brachte zweisprachige Nachportoma-rken zu 2 Cent purpur,
4 C, purpur und 10 C. purpur heraus, und zwar mit den In
schriften „CANADA“ und „Postage due" sowie ,,A percevoir".
— Hedschas und Nedsch, Die Farben der Kronprinz-
Erinnernngsserie sind folgende: Mi Guerche smaragdgrün, 1 G.
rot, \ l A G. türkisfarben, 3 G. blaugrün, 3A G. ultramarin, 5 G.
orange, 10 G. orangerot, 20 G. violett, 30 G. lila, Vn Sou wein
rot, Vt Sou braun und 1 Sou purpurbraun. — Kuwait über
druckte Nasikdrucke von Britisch-Indien mit „KUWAIT", und
zwar; 2. A. rot (Wasserzeichenstern mehrfach) und 3. A. kar-
min (Stern mehrfach). — Mexiko überdruckte die 5 C.
orange mit „SERViICIO OFICIAL“ horizontal in Schwarz. —
Peru gab eine myrten-grüne 5-0-C.-Marke, gedruckt bei Wa-
terlow & Sons in London, mit der Statue Simon Bolivars aus.
— Philippinen. Anläßlich der „Far Eastern Champion
ship Games" erscheinen -drei Erinnerungsmarken, -die der be
rühmte Filipinokünstler Fernando Amorsolo gezeichnet hat,
und zwar: 2 C. orange (Baseball), 6 C. purpur (Tennis) und
16 C. dunkelblau (Korbballspieler). — Tranejordani-en
nahm Farbenänderungsn und Ausgabe neuer Werte vor, und
zwar erschienen mit dem Bild des Emir Abdullah folgende
Marken: 1 Millieme braun, 3 M. grün und 4 M. blaßrot.
(Neue österreichische Wohltätigkeits-Postmarken.) Der
Ministerrat hat die Ausgabe -einer Reihe von Wohltätigkeits-
Postmarken genehmigt, die im Herbst zur Ausgäbe gelangen
und in Fortsetzung der bisher betriebenen Propaganda für
-Oesterreich durch Darstellung berühmter Oesterreic-her im
Anschlüsse an die bisher erschienenen derartigen Wohltätig-
keits-Pos-t-ma-rkenserien, wie die Musikers eri-e, 'Malerserie und
.Dichterserie, mit Bildnissen berühmter österrei
chischer Baukünstler ausgestattet werden sollen. Die
neue Markenreihe wird aus sechs Werten bestehen, und zwar:
1‘2 g Antonius Pilgram i(:Sch-öpfer der berühmten Kanzel und
des Orgelfußes in der Stephanskirche zu Wien); 24 g Fischer
v. Erlach (Erbauer der Karlskirche zu Wien); 30 g J. Prand
tauer (lErjbauer des Stiftes Melk und des -Stiftes- St, Florian);
40 g E. van der N ü 11 und A. v, Sic-cards bürg (Erbauer
der -Staats-Oper zu Wien); 50 g Heinrich v. Ferstel (Er
bauer der Votivkirche und der neuen Universität zu Wien);
64 g Otto Wagner (Erbauer der Gedächtniskirche Steinhof,
Schöpfer der architektonischen Ausstattung der Wienregulie
rung und der Nußdorfer Schleuse, Erbauer des Postspar-kassen-
amtes zu Wien). Zum Nennwerte der neuen Wohltätigkeits-
Postmarken soll ein Zuschlag -im gleichen- Ausmaße Ifür Wohl
fahrtszwecke eingehob-en werden, es würde demnach der Ver
kaufspreis dieser Marken das Doppelte des Nennwertes
betragen. -Die Ausführung der neuen Marken soll in einer her
vorragenden künstlerischen Ausstattung erfolgen, und zwar nach
den vorliegenden Entwürfen des Malers und Kupferstechers
Hans Ranz-oni in Kupfer gestochen, im Kupferdruckverfahren
gedruckt werden.
(Jugoslawische Flugpostmarken.) Der jugoslawische Flug
postverkehr hat während -der letzten Jahre eine ziemlich starke
Entwicklung zu verzeichnen, so daß sich -die Notwendigkeit
ergab., eigene Flugpostmarken zur Beförderung der Briefsen
dungen durch die Flugpost einz-uführen. Diese neuen Marken
werden mit Beginn des regelmäßigen Luftverkehres, das ist ab
1. Ma-i, in Umlauf gesetzt, und zwar zunächst folgende fünf
Werte: zu */* Dinar., sowie 1, 2, 3 und 10 Dinar. Diese Mar
ken werden Bilder aus verschiedenen Gegenden Jugoslawiens
zeigen, wie Bled, iMostar, D-ubrovnik, die Wasserfälle von
Ja-jce und das königliche Mausoleum in Oplenatz.
(Die erste Ozeanüberquerung.) Zwei 'Gedenkmarken bil
den die Ursache eines -p-hilatelistischen Streites zwischen den
Vereinigten Staaten und Kanada. Im Vorjahre feierte die
U. S. A,-PostVerwaltung die erste Ozeanüberquerung eines