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Full text : Jahrgang 27 (1935) (1/2)

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG  :  Nr.  1fl

Zeiten  sind,  so  kann  doch  die  Schweiz,  Holland  und
auch  Frankreich  für  den  Kunsthandel  in  Form  der
Auktionen  nicht  als  ungünstig  bezeichnet  werden.
Es  ist  richtig,  daß  in  Frankreich  der  Kunsthandel
momentan  auch  ganz  unbedeutend  ist  und  um  nur  ein
Beispiel  zu  geben,  Georges  Bern  heim  seinen
Laden  bei  St,  Philippe  du  Roule  aufgeben  mußte  und
ein  Lichtspielhaus  in  den  Champs  Elysees  übernommen ­
  hat.  Die  Devisensperre,  das  Fehlen  ausländischer ­
  Käufer  etc.  haben  das  ihre  dazugetan,  daß
Käufer  für  größere  Objekte  gänzlich  fehlen.  Die  zahlreichen ­
  Auktionen  in  Paris  bringen  zwar  nur  niedrige ­
  Preise,  doch  ist  dadurch  doch  noch  die  Möglichkeit ­
  gegeben,  den  Kunsthandel  zu  beleben  und  über
die  schwere  Zeit  hinüberzubringen.
Der  Wiener  Kunsthandel  wird  hoffentlich  die
Krise  bald  überstanden  haben  und  bei  Hebung  der
allgemeinen  Wirtschaftslage  durch  ein  Zusammenarbeiten ­
  und  gegenseitige  Unterstützung  aller  Beteiligten, ­
  seiner  alten  Tradition  entsprechend,  einer
.glücklichen  Zukunft  entgegengehen.
S,  Kende.
Unsere  Kunstauktionen  gingen  im  vergangenen
Jahre  etwas  besser  als  ein  Jahr  vorher.  Wir  hatten
sogar  mit  ausländischen  Kunstobjekten,  wie  hochwertige ­
  französische  und  englische  Miniaturen,  die  in
Wien  sehr  selten  Vorkommen,  gute  Erfolge,  das  beweist, ­

  daß  erstklassige  internationale  Ware  auch  in
Wien  gut  zu  verkaufen  ist.  Gemälde  sind  leider
weniger  nachgefragt  gewesen,  da  heute  nur  ganz
erstklassiges  gesucht  wird,  das  hier  selten  vorkommt.
Dafür  ist  seit  neuestem  große  Nachfrage  nach  gefälligen, ­
  billigeren  Aquarellen,  die  jeder  gerne  kauft
und  vor  allem  für  wenig  Geld  erwerben  kann.  Im
Vergleich  mit  den  deutschen  Auktionen  gehen  eigentlich ­
  in  Wien  die  Versteigerungen  viel  besser  und
sind  die  Preise  nicht  so  gedrückt.
Die  WohnungsVersteigerungen  bringen  immer
durchwegs  guten  Erfolg,  da  meistens  billigere  und
gut  verwendbare  Gegenstände  angeboten  werden.
Unserer  Ansicht  nach  wirkt  es  nur  störend,  daß
oft  an  einem  einzigen  Tag  mehrere  Versteigerungen ­
  stattfinden,  was  natürlich  die
Kaufkraft  des  Publikums  bei  den  einzelnen  Auktionen ­
  schwächt.  Es  sollten  sich  die  einzelnen  Auktionshäuser ­
  immer  ins  Einvernehmen  setzen  und  die
Auktionstage  gemeinsam  festsetzen.
Ein  zweiter  viel  besprochener  Punkt  sind  die
hohen  Abgaben,  die  die  Auktionatoren  zwingen, ­
  20  bis  22  %  Aufgeld  einzuheben,  daß  natürlich
die  Käufer  oft  abhält,  zu  kaufen.  Im  Ausländ  wird
nur  10  bis  15%  Aufgeld  eingehoben,  da  die  Gebühren ­
  viel  niedriger  sind.  Würden  die  Gebühren  herabgesetzt ­
  werden,  könnten  wir  das  Aufgeld  und  die
Provisionen  ermäßigen,  was  natürlich  eine  große  Belebung ­
  des  Marktes  zur  Folge  hätte.

Inventarisierung  der  Sultansschätze.

Die  Regierung  in  Ankara  hat  einen  Amsterdamer
Juwelengroßhändler  beauftragt,  die  Bestände  der
Schatzkammer  des  ehemaligen  Sultanspalais  in
Istanbul  zu  inventarisieren  und  zu  taxieren.
Einem  Berichterstatter  machte  der  Sachverständige ­
  Mitteilungen  über  die  unermeßlichen
Schätze.  In  der  eigentlichen,  durch  meterdicke  gepanzerte ­
  Mauern  geschützten  Schatzkammer  liegen
auf  Wandgestellen  in  geschlossenen  Gefäßen  lose  und
montierte  Diamanten,  Smaragde,  Rubine,  Perlen
usw.  von  märchenhafter  Größe.  Er  erwähnte  insbesondere ­
  einen  Smaragd  von  12  Zentimeter  Länge  auf
dem  Griff  eines  Dolches;  Ferner  seien  kaum  abzuschätzeri
  die  riesige,  mit  etwa  20,000  Perlen  und
40.000  Rubinen  und  Diamanten  besetzte  Krone

Napoleons  Briefe
Aus  London  wird  uns  geschrieben;
Gewitzigt  durch  die  Erfahrungen,  die  man  kürzlich ­
  in  Paris  bei  der  Versteigerung  der  Napoleon-Sammlung
  Emil  Brouwets  machte,  die  Henri
B  o  u  d  o  i  n  im  Hotel  Drouot  durchführte  —  knapp
vor  Beginn  der  Auktion  nahm  die  Regierung  unter
Berufung  auf  eine  Order  —  Franz  I.  aus  dem  Anfang
des  16,  Jahrhunderts,  neunzig  Dokumente
ohne  jegliche  Entschädigung  an  sich  —-  wurden  die
318  Briefe  Napoleons  an  seine  zweite  Gemahlin
Marie  Louise,  die  Tochter  Kaiser  Franz  I.
,  jvon  Oesterreich,  nicht  mehr  in  Paris,  sondern  in
Loh  dom  verauktioniert.  Die  Versteigerung,  die  bei
•  'S  o  t  h  e  b  y  vor  sich-ging,-war-rasch  vorüber.  Auf  die
Frage  des  Auktionators,  ob  die  Briefe  einzeln  ausgedes

  Sultans  M  u  r  a  d  IV,,  weiter  eine  Halskette  mit
einem  blauen  Diamantenin  der  Größe  einer
Walnuß,  ein  mit  einem  Saphir  vom  Umfang  eines
Hühnereies  besetztes  Schwert  sowie  eine  Kette  aus
Rubinen  im  Gesamtgewicht  von  2  Kilogramm.
Allein  die  Bestände  dieser  Juwelenkammer  taxiert ­
  der  Sachverständige  mit  10  0  Millionen
holländischen  Gulden.  In  dem  alten  Thronsaal ­
  befindet  sich  ein  mit  Juwelen  übersäter  Thron.
Ueber  dem  Thron  hängt  an  einer  goldenen  Kette
eine  Krone  mit  einem  Smaragd  von  fast  unglaublicher ­
  Größe.  Dieser  Stein  ist  30  Zentimeter  lang,  14
Zentimeter  breit  und  5  Zentimeter  hoch.  Er  stellt
zweifellos  den  größten  Smaragd  der  Welt  dar.
Der  Wert  des  Thrones  und  der  Krone  wird  auf  mindestens ­
  10  Millionen  Gulden  geschätzt.
an  JKaria  Couise.
boten  werden  sollen  oder  ob  etwa  ein  Liebhaber  für
alle  vorhanden  sei,  ertönte  aus  dem  Publikum  der
Ruf;  Alle  auf  einmal!  Und  nun  begann  der  Wettkampf, ­
  der  mit  dem  Siege  Frankreichs  über  die  zahlreichen ­
  anderen  Bewerber  endete.  Der  Kaufpreis  betrug; ­
  15.000  Pfund.  'i
Die  Sammlung  ist  vor  dem  Zersplittern  bewahrt.
Sie  geht  in  den  Besitz  der  Pariser  Nationalb
  i  b  1  i  o  t  h  e  k  über,  was  umso  erfreulicher  ist,  als
die  Briefe  noch  unv  eröff  entlieht  sind  und  nun
zu  erwarten  steht,  daß  sie  bald  publiziert  werden,
Nach  den  Andeutungen,  die  im  Katalog  gemacht  werden, ­
  ist  anzunehmen,  daß  sie  den  Eindruck  einigermaßen ­
  modifizieren  werden,  den  man  bisher  von
Napoleon  hatte.  Sie  werfen  gewiß  ein  neues  Lickt
            
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