Nr. 3
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Seite 19
Chronik.
BILDER.
(Ein Selbstporträt Dürers.) Der Direktor des Ostslowakischen
Museums in Kascihau, Dr, P olak, teilt mit, daß er in
einem slowakischen Dorf ein Selbstporträt Dürers auf Holz
gemalt, entdeckt faabe. Er ist der Ansicht, daß es sich wahrscheinlich
um eine Studie zu dem großen Werk des Meisters
„Das Rosenkranzfest" handelt, das, wie von uns berichtet, kürzlich
im Tauschwege in den Besitz des ceclhoslovakischen
Staates gelangt ist.
(Der Greco als Dorfschatz.) Die Akademie der Schönen
Künste in Madrid steht vor der schwierigen Aufgabe, die Bevölkerung
des Dorfes Martin Munoz de las Pesadas in der
Provinz Segovia von der Notwendigkeit zu überzeugen!, daß
da® Altargemälde des berühmten Malers Greco, das
sich in ihrer Kirche befindet, zur Wiederherstellung nach
Madrid gebracht werden muß. Ein Sachverständiger des Prado-Museums
war abgesandt worden, das Bild abzuholen, aber er
fand einen so unfreundlichen Empfang, daß bewaffnete Gendarmen
seinen Rückzug decken mußten, den er ohne das Bild
schleunigst aus Angst vor der drohenden Haltung der Bauern
antrat. Die Dörfler sind nicht so große Kunstfreunde, daß sie
ihr Altarbild wegen seiner Schönheit über alles lieben, sondern
sie haben gehört, daß das Werk eine Milliop Pesetas wert ist,
und sich ausgerechnet, daß auf jeden Haushalt bei einem Verkauf
6500 Pesetas kämen. Deshalb sind sie entschlossen, ihren
Schatz unter keiner Bedingung herauszugeben, bevor jeder von
ihnen voll ausbezahlt ist.
(Ein hennegauischer Flügelaltar auis d e m 16. Jahrhundert.)
In A t h, der Hauptstadt de,s gleichnamigen Arrondissements in
Belgien (Hennegau) wurden in der Kirche St, Julien wertvolle
Teile eines sogenannten Polyptychons (Flügelaltars) aus dem
16. Jahrhundert entdeckt. Die Kirche wurde durch einen! Brand
im Jahre il813 teilweise zerstört, aber durch einen glücklichen
Zufall blieben die beiden doppelseitig bemalten Tafeln in
einem kleinen Schüberschrank unter dem Hochaltar unversehrt,
Die Bilder stellen den Erlöser, St. Antonius, St. Nikolaus
und St, Katharina dar. Der Meister ist wohl unbekannt,
dürfte aber, wie aus den stilistischen Merkmalen geschlossen
werden kann, im Hennegau beheimatet gewesen sein oder zumindest
dort gewirkt haben,
NUMISMATIK
fEine Goldmünze aus dem ersten christlichen Jahrhundert),
die Kreuzigung Christi darstellend, ist aus Palästina über
einen holländischen Sammler in eine italienische Kunstsammlung
gelangt. Die . Münze weist nach dem Urteil italienischer
Sachverständiger alle Merkmale der frühesten christlichen
Kunst auf und soll so<iar auf die Person Josefs von Arimalhia
zurückzuführen sein (?).
PHILATELIE.
(D'e Wohltätigkeitsmairken mit Bridn'süen österreichischer
Baukünstler.) Wie wir erfahren, ist die Nachfrage nach den
im Dezember v. J, auagejfebenen Wohltätigkeitsmarken mit
Bildnissen österreichischer* Baukünstler so'stark, daß die Auflage
von 70,000 Sätzen dieser Marken jetzt schon fast vollständig
vergriffen ist. Die Lagervorräte an diesen Marken sind
so weit erschöpft, daß weitere Zuweisungen an die Postämter
nicht mehr erfolgen können.
(Winterhilfepostmarken,1 Bei den österreichischen Postämtern
lagern noch große Reste der sogenannten kleinen
Werte der Winterhilfepostmarken zu 5 + 2 g, 12 + 3 g
und 24+6 g. Dadurch, daß sie der Verwertung zugeführt werden,
fließen der Winterhilfe neue Mittel zu, die sie umso dringender
braucht, als der Winter eben erst begonnen hat und
der Kampf gegen Hunger und Kälte mit aller Kraft fortgeführt
werden muß. (Nun gehen die Postbeamten daran, den Absatz
der Winterbilfemarken zu beleben. Die Winterhilfe der Bundesregierung
hat auf Veranlassung des Ministers S t o c k i n-3
e r für solche Postbeamte, d’e sich in der Zeit vom 15. Jänner
bi® 15, Februar um den Absatz der Winterfoilfepostmarken
besonders verdient machen' und durch ihre persönlichen Bemühungen
einen besonder® günstigen Erfolg erzielen, zehn
Prämien, und zwar ie zwei zu 200 S, 150 S, 100 S, 50 S
und 30 S, ausgesetzt, Bestellungen von größeren Mengen der
angeführten Werte sind an die Winterhilfe der Bundesregierung,
Wien, I,, Bräuneretraße 5, zu richten, wobei gleichzeitig i
angeführt werden wolle, an welcher Stelle (Postamt) und zu
welchem Zeitpunkt die Uebernahme gewünscht wird.
(Fehldrucke.) Die 30-Rappen-Marke der letzten Schweizer
„Pro Juventute“-Serie weist auf der 22., 27., 72, und 77. Marke
ein Bogen den Namen des Künstlers als „Bickel", und auf
der 43,,°48„ 93, und 95. Marke als „Rickel" auf. Richtig heißt
der Name Bickel. _
(Phantasiefbiiefmaiken aus Griechenland.) Das Wiener
Sichetheitsbüro wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in
K o r i t z a in Griechenland ein griechischer Briefmarkenhändler
Phantasiemarken herstellen ließ, die in griechischer Sprache
und Schrift den Ueberdruck aufweisen: ,,Außerordentliche
Briefmarken für die Verfolgungen im N o r d e p i r u s ,
Der Mann ließ eine riesige Auflage herstellen, frankierte
Briefe mit den völlig wertlosen Marken und schmuggelte sie
in die reguläre Post ein. Der Betrüger wurde verhaftet, die
Platten beschlagnahmt.
(Ein Provisorium Frankreichs,) Der Ueberfiluß an 1.25 Fr.-Marken
in Frankreich hat nun dazu geführt, daß die 1,25 Fr.-Marke,
hellbraun der Friedenstype, den Aufdruck „50" erhielt.
Mit der 1.50 Fr.-Marke (Taube) wird derselbe Vorgang geplant.
Außerdem erschien die 5 C, rosa in der Säerintype mit
glattem Hintergrund.
(Neue Flugmarken in Chile.) In Santiago de Chile
erschienen neue Flugmarken, und zwar: 20 Pesos sepiafar.ben
(Aeroplan und Sternenhimmel), 30 P. sepia (Aeroplan und
Sternenhimmel), 40 P, purpur (Aeroplan und Sonne) und 50 P,
weinrot (Aeroplan und Sonne).
(105,155 Postwertzeichen.) Das Jahr 1934 hat den Philatelisten
wieder reichen Segen gebracht: in der ganzen Welt
sind rund 1700 neue Postwertzeichen erschienen, das heißt
also etwa 32 Stück pro Woche, Den Löwenanteil daran hatte
Europa mit 542, es folgten Afrika mit 392, Amerika mit 380,
Asien mit 357 und Australien mit dem Rest, Nach der Zählung
eines geduldigen englischen Sammlers .sollen übrigens von Anfang
an bi® jetzt 105.455 verschiedenartige Postwertzeichen —
alle kleinsten Typenunterschieds usw. mitgezählt -— in der
Welt verausgabt worden sein, darunter „nur“ 58,607 -gewöhnliche
Marken ohne Abarten. Weder in der einen, noch in der
anderen Gruppe ist von sterblichen Sammlern bisher Vollständigkeit
erreicht worden,
(Veränderungen in der philatelistiscben Presse.) Das
Hausblatt des bekannten Berliner Markenhändlers Philipp K os
ack, die „Berliner Briefmarken-Zeitung", hat mit der letzten
Deszembernummer wegen Erkrankung ihres Herausgebers das Erscheinen:
eingestellt. Die Zeitschrift und ihr Verleger haben
der Philatelie 30 Jahre lang vorbildliche Förderung angedeihen
lassen. Auch die „Berichte des Vereines Leipziger Briefmarkenbörse"
haben die bisherige selbständige Erscheinungsweise
auf gegeben und werden seit Beginn des neuen Jahres nur noü
als kleine, zweiseitige Beilage der Lückeschen Zeitschrift „Die
Post" in-Leipzig beigefügt.
VERSCHIEDENES
(Inventar der Sammlungen Rudolf II.) Die Kanzlei des
Präsidenten der ftechoslovakei hat auf dem Antiquitäten.markt
einen besonders wertvollen Kauf getätigt: eine Handschrift
aus dem Jahre 1619, über hundert Seiten stark, in zinnoberfarhenem
Pergament gebunden, die ein Inventar der
Sammlungen Rudolf II. darstellt, in einer so ausführlichen
Weise, Wie man- s ; e bisher nicht gekannt hat. Bisher
glaubte man, das älteste Inventarium in einer Handschrift aus
dem Jahre 1621 zu besitzen, die sich in der Nationalbihliothek
in Wien befindet. Das Buch ist ein Verzeichnis der Verlassenschaft
Rudolfs, soweit sie in jenem Jahre noch beisammen
war.
(Nachlaß Zeyer.) Aus Prag wird uns berichtet: Der
Stadtrat hat den Beschluß gefaßt, von Frau Valerie Da viel
o v a, der Nichte Julius Z e y e r s, den gesamten Nachlaß
Zeyer-s- anzukaufen. Der Nachlaß Zeyers setzt sich aus antiken
Möbeln, Kunst-gegenständen und Pretiosen im Werte .von
150.000 Kc zusammen.
(Karl Krauß f.l Der 34 Jahre alte Mitchef der Buch-Aruckerei
Carl IBerthold in Asch, Karl Krauß, hat sich infolge
eine® Nervenzusammenbruche® erhängt. Krauß ist durch
seine Scherenschnitte sowie durch Holzschnitte und Federzeichnungen
b ekann ttgeworden,
(Rembrandts Pinsel gestohlen.) Der Pinsel, mit dem Rembrandt
seine letzten Bilder gemalt hat und der sich seil 1669
im Besitze der Familie Vlies in Rotterdam befand, ist gestohlen
worden, Jedes Jahr kamen zahlreiche Fremde, nament-