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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. 4/5 
(Der Siileiner Codex.) Die Stadtgemeinde Sillein kaufte 
vom Brünner Museum den S i 11 e i n e r Codex an, der aus 
dem Jahre 1473 stammt und sich seinerzeit im Besitze des 
österreichischen Ministerpräsidenten Baron® B a c h befand. 
Nach dessen Tode kam der Codex, der in slowakischer 
Sprache geschrieben ist, in das Brünner Museum, 
(Eine Bibliographie der Druckschriften über Pilsudski) ist 
kürzlich in Warschau erschienen. Die Zusammenstellung 
von Dr. Stanislaus Konopka verzeichnet nicht weniger als 
380 Werke über den Marschall. 
(Eine Bibliothek aus Tontafeln,) Bei Grabungen jn Ras 
Schimra, dam alten Sapuna, in Syrien wurden, obwohl 
das Hauptgrab schon in ältester Zeit auslgeraubt war, bedeu 
tende Erfolge erzielt und u. a. sogar goldene Geräte gefunden. 
Der bemerkenswerteste Fund ist jedoch eine komplette 
Tontalfelbibliothek mit Schriftwerken jn fünf S p r a. 
oben: Babylonisch, Sumerisch, Hethitisch, Phönizisch sowie 
in einer noch unbekannten, allem Anscheine nach aber der 
p'h'önizischen verwandten Sprache. Die Mehrzahl der Funde 
stammt aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, 
BILDER 
(Klage um einen Lucas Cranach.) Aus Berlin wird uns 
berichtet: Vor zwei Jahren erregte die Entdeckung eines Lu- 
cas-Cranach-Bildes in Karls hörst allgemeines Aufsehen, 
Eine Einwohnerin hatte der Kirchengemeinde ein Bild ge 
schenkt, das sich als Originalarbeit Lucas Cranach® des Jün 
geren herausstellte. Das Bild stellt Jesu® im Garten von Geth 
semane dar. Dieses wertvolle Gemälde ist der Karlshorster 
Kirchengemeinde wieder verlorengegangen. Eine Schwester der 
Stifterin hatte einen Prozeß angestrengt, de,: jetzt zu ihren 
Gunsten entschieden wurde. Das Bild ist ihr ausgehändigt 
worden. 
(Kovacs-Karop will sich von seinen Bildern nicht tren 
nen.) Aus Budapest wird uns berichtet: Bei einer in einer 
bescheidenen Ein-Zimmer- und Küche-Wohnung wegen einer 
Schuld des Mieters von 350 Pengö angeordneten Feilbietung 
der „Werte", zu der die gewohnten Auktionshyänen erschienen 
waren, erklärte der amtliche Auktionär zur Verblüffung der 
Erschienenen, daß der Wert der in der Wohnung befindlichen 
Bilder amtlich auf 226.430 Pengö gescfnätzt worden sdi 
weshalb die zur 'Versteigerung Erschienenen wenigstens 155.000 
Pengö Reuege'ld vorher deponieren müssen. Da die Auk 
tionshyänen dieses Geld nicht besaßen, unterblieb die Feilbie 
tung, 
In der kleinen Wohnung fand man einen Velasquez 
„Verlobung der Rebekka", eine Kreuzabnahme von Rubens, 
die allein vom Besitzer auf 5Ö0.CC0 Pengö geschätzt wurde, 
einen van Dyk und andere, Der Sammler ist der ehemalige 
Abgeordnete Ernst Kovacs-Karop, der so verarm! ist, 
daß er seine kleine Wcfhnung nicht mehr heizen .kann, sich 
aber von seinen Bildern nicht trennen will, 
(Rückstellung von Bildern Grigorescus.) Aus Bukarest 
wird uns gemeldet: 'Die Sowjetregierung hat sich bereit erklärt, 
der rumänischen Regierung eine Sammlung von fünfzig Ge 
mälden von 'G r i g o r e s c u zurückzustellen, die im Jahre 1918 
zusammen mit dem rumänischen Staatsschatz nach Rußland 
gebracht wurden. Der Wert der Gemälde wird mit 20 Millio 
nen Lei angegeben. 
NUMISMATIK 
(Münzauktionen.) Die am 4. Februar bei Felix Schle 
singer in B e r lin-iChar'l o tt enb ur g abgehaltene Auk 
tion von griechischen Münzen aus russischem Museumsbesitz 
nahm einen in Anbetracht der wirtschaftlichen Depression und 
der Devisenausfulhrschwierigkeiten annehmbaren Verlauf, Frei 
lich konnte eine Anzahl der größten „Seltenheiten" nicht aus 
geboten werden, da ihre Echtheit verneint oder angezweifelt 
wurde; es betrifft dies hauptsächlich Stücke aus Großgriechen- 
land, Sizilien, Mazedonien und Thracien, Eine weitere nicht 
unbeträchtliche Anzahl bedeutender Stücke fand zu den von 
der Auktionsfirma vorgesehenen Mindestpreisen keine Käufer 
und wurde zurückgezogen, D'er Großteil des Auktionsgutes aber 
wurde von Händlern und 'Privaten glatt übernommen, wobei die 
höher bewerteten Stücke allerdings durchschnittlich 30 bis 40 
Prozent unter den Sclhätzungspreisen abgingen. 
Am 4. März veranstaltet die Basler Firma Münzhand 
lung Basel eine große Römer-Auktion, mit einer interessan 
ten Reihe stadtrömiiscfaen und sonstigen italischen Sc'hwer- 
kupffers und ausgezeichneten Medaillons und Großbronzen der 
Kaiserzeit. 
Am 7, März versteigert Ad. Heß in L u z e r n eine Samm 
lung von stilistisch vollendeten, repräsentativen und historisch 
bedeutsamen Goldmünzen vom griechischen Altertum bis zum 
18. Jahrhundert n. Chr.; anschließend kommen Griechen und 
Römer aus verschiedenem Besitz und meist von mittlerem In 
teresse unter den 1 Hammer. 
(Goldmünzen aus vorlangobardischer Zeit.) In der Nähe 
der umbrischen Stadt Spoleto, des uralten Herzogssitzes der 
Langobarden, sah vor kurzem der Ortspfarrer einige Kinder 
mit kleinen, runden Gegenständen spielen, die ihm wegen ihrer 
regelmäßigen Form auffielen, Er trat näher und bemerkte zu 
seinem Erstaunen, daß das Spielzeug der Kinder aus alten, mit 
Erde und Schmutz überkrusteten Münzen bestand. Er reinigte 
eine dieser Münzen notdürftig und erkannte, daß er eine alte 
Goldmünze in der Hand hatte. Die Kinder gaben aulf sein 
Fragen an, wo sie ihr neue® Spielzeug gefunden hatten, und 
der Pfarrer beeilte sich, die Gendarmerie zu verständigen, die 
sogleich an den Fundort einen Wachposten entsandte. Bei den 
im folgenden angestellten Nachforschungen wurde eine große 
Anzahl kostbarer Goldmünzen aus vorlangobardischer, - spät 
römischer Zeit zutage gefördert, die größtenteils aus der Zeit 
zwischen 300 und 400 n, Chr. stammen dürften. Das italienische 
Denkmalamt hat die Münzen in seine Obhut genommen. 
PHILATELIE 
(Neue Masaryk-Marken.) Aus Prag schreibt man uns: 
Anläßlich des 85. Geburtstages de® Präsidenten Dr, Masaryk 
werden zwei Marken mit dessen Porträt ausgegeben, Die eine 
Marke wird ihn als obersten Kommandanten der Wehrmacht 
zeigen, die andere wird mit dem jüngsten Bildnis des Staats 
oberhauptes geschmückt sein. Die neuen Marken werden schon 
am 1. März in Verkehr gesetzt werden. 
(Zur Erinnerung an den Internationalen Juristenkongreß,) 
Au® Rom wird uns mitgeteilt: Zur Erinnerung an den Inter 
nationalen J u r i s t e n Ik o n g r e ß, der im vorigen Jahre 
hier stattfand, hat da® Postamt des Vatikans eine Serie 
von Briefmarken beraüsgegeben, Die eine Serie, die mehrere 
Werte umfaßt, zeigt den späteren Kaiser Justin! an bei der 
Uebergabe seiner Gesetzessammlung, die andere Papst Gre 
gor IX, bei der Uebergabe seiner „Dekretalien“, 
(Das Ende des Kownoer Briefmarkenprozesses.) In dem 
großen Kownoer Briefmarkenschieberprozeß wurde nun das 
Urteil verkündet, Der Hauptangeklagte, der ehemalige Chef des 
litauischen Postwesen,s Sruoga, erhielt 15 Jahre, der ehe 
malige Vorsteher de® Memeler Postamtes Augunas liünf 
Jahre Zuchthaus; die übrigen Angeklagten erhielten 
Zuchthausstrafen von einem halben bis drei Jahren. 
Vier Angeklagte wurden ferner zu Schadenersatz in der 
Höhe von 2,860.500 Lit verurteilt. 
Die Verurteilten hatten im Laufe mehrerer Jahre Unter 
schlagungen in der Weise durchgeführt, daß sie für eigene 
Rechnung falsche Briefmarken drucken ließen, ^ die 
echten unter dem Preis verkauften und die gefälschten 
dann zur Auffüllung der Bestände verwendeten. Dadurch wunde 
der Staat um den oben genannten 'Betrag geschädigt. Diesem 
Prozeß ifolgt ein zweiter gegen die jetzt Verurteilten und eine 
Reihe weiterer Angeklagten wegen Fälschung von 
Sammlermarken, wodurch sich die Beteiligten unrecht 
mäßig um etwa zwei Millionen Lit bereicherten, 
(Ein Lexikon der russischen Briefmarken.) Die sowjet- 
russische Philalelistenivereinigung hat ein spezielles Auskunfts 
buch in englischer und deutscher Sprache über die Briefmarken 
des Russischen Reiches, die in der Zeit des Bürgerkrieges von 
Denikin, Koltschak u, a, herausgegebenen Marken und die 
Marken der Sowjetunion herausgebracht. 
VERSCHIEDENES 
(Max Liebermann ge s torben.) Miit Max Liebermann, 
der am 8. Februar im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben 
ist, verliert das Berliner Kunstleben, obwohl er seit dem neuen 
Regime in Deutschland der Akademie nicht mehr angehörte, 
_eine seiner charakteristischesten Persönlichkeiten, Max Lieber 
mann, der einer alteingesessenen Berliner Kattunfabrikanten 
familie entstammte, hatte schon als Fünfzehnjähriger seine Ab 
sicht verwirklicht, Maler zu werden, und hatte seinen ersten 
Unterricht beim Pferdemaler Steffeck genommen. Später 
geriet er in Paris in den Kreis der Franzosen Manet, Courbet, 
-Millet, die ihn zum Plainairismus führten, aus dem er dann sei 
nen eigenen großen Stil gestaltete. So wurde er der bedeu 
tendste Hellichtmaler Deutschlands. 
Schon fünfzigjährig, gründete er mit Leistikow die 
Berliner Sezession, wobei er vor allem von Bruno und 
Paul Cassirer unterstützt wurde, die seine Kunstausstellun 
gen organisierten und ihm durch ihren Verlag den Weg in die 
große Oe'ffentlichkeit bahnten. Als Präsident der Kunstakademie 
gelangte Liebermann zu maßgebendem Einfluß im Kunstleben
	        
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