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Full text : Jahrgang 27 (1935) (4/5)

Nr.  4/5

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Seite  31

der  Reicfeshauptstadt,  und  zahlreiche  seiner  Hauptwerke  zieren
die  bedeutendsten  Galerien  des  Deutschen  Reiches.  Zu  seinem
80.  Geburtstag  wurde  ihm  vom  Reichspräsidenten  Hindenburg
der  AdlerschiM  des  Reiches  und  vom  Preußischen  Staat  das
erste  Exemplar  der  wieder  neugestifteten  goldenen  Staatsmedaillle
  verliehen,  während  die  Stadt  Berlin  ihn  zum  Ehrenbürger ­
  ernannte.  Im  Mai  1933  trat  Liebermann,  der  noch  im
Dezember  1932,  zum  ersten  Vizekanzler  der  Friedensklasse  des
Ordens  Pour  le  merite  gewählt  worden  war,  unter  Protest  gegen ­
  die  politische  Umsdhaltung  in  der  Kunst,  (freiwillig  aus  der
Berliner  Akademie  aus.
^IZ/c  ^estdurzeFiizigeiz
Kunstkitterei  FRANZ  STIBITZ
Wien  VII,  Neubaugasse  17  -  Telephon  A-39-8-38
(Gustav  E,  Pazaurek  gestorben.)  Aus  Stuttgart  wird
uns  gemeldet:  Gustav  E.  Pazaurek,  der  langjährige  frühere
Direktor  unseres  Landesgewerbemuseums,  ist  siebzig  Jahre  alt
gestorben.  Er  war  einer  der  führenden  deutschen  Forscher  auf
dem  Gebiete  des  Kunstgewerbes,  Einer  weiteren  Oeffentlicfekeit
ist  er  namentlich  durch  seine  aus  kunsterzieherischen  Gründen
erfolgte  Sammlung  von  „Kunstgreueln 1 ',  d,  h.  von  Geschmacksverirrungen ­
  auf  dem  Gebiete  des  Kunstgewerbes  bekanntgeworden, ­
  für  die  er  in  seinem  Museum  eine  eigene  Abteilung
gegründet  hat,
(Professor  Julius  Schmid  t-)  In  seinem  Landhaus  in  Mödling ­
  ist  der  Maler  Professor  Julius  Schmid  gestorben.  Schmid,
der  80  Jahre  alt  geworden  ist,  lehrte  an  der  Wiener  Akademie
der  bildenden  Künste  von  1897  bis  1925,  Er  hat  zahlreiche  hervorragende ­
  Gemälde  geschaffen,  so  u.  a.  die  15  Deckengemä'de
für  das  Schottenstift  in  Wien,  Porträts  des  Bürgermeister®  Prix,
des  Erzherzogs  Franz  Ferdinand  d'Este,  des  Kaisers  Franz  Joseph, ­
  den  Vorhang  für  das  Raimundtheater,  das  bekannte  Bild
„Schubertabend“,  eine  Reihe  von  Beethoven-JBildern,  darunter
da®  IBild,  da®  Beethoven  spazierengehend  im  Walde  zeigt,  ein
Plafondgemälde  für  das  Gremium  der  Wiener  Kaufmannschaft,
das  Haydn-Quartett,  das  im  Museum  der  Stadt  Wien  ist,  Medaillons ­
  für  die  Stephaniesäle  in  Graz  und  eine  Reifee  von
historischen  Gemälden  ifür  die  Neue  Wiener  Hofburg.
(Die  Frühjahrssaison  im  Brunner  Künstlerhaus)  wird  am  j
1.  März  mit  einer  Ausstellung  „100  Jahre  Handzeichnungen“  [
und  einer  Kollektion  Scherenschnitte  von  Ernest  A,  P  o  t  u  -
czek  eröffnet  werden.  Einige  hervorragende  Brunner  Sammler ­
  haben  ihre  Beteiligung  zugesagt,  so  daß  eine  anregende
Ausstellung  zustande  kommen  wird,  in  welcher  die  Entwicklung
der  Zeichenkunst  1m  letzten  Jahrhundert  dargetan  werden  soll.
Gleichzeitig  wird  dem  jungen  Ernest  A,  Potuczek,  dem
künstlerisch  begabten  Sohn  seines  Vaters,  Gelegenheit  gegeben
werden,  seine  seilen  geübte  Kunst  in  einer  Reihe  von  Arbeiten
dem  Publikum  zu  zeigen.  Dauer  der  Ausstellung  bis  20.  März,
(150  Jahre  einer  Münchener  KunsthandwerkeriamUie.)  Unter ­
  diesem  Titel  hat  die  Firma  Anton  Possen,  bacfeer,  eine
der  alten  Unternehmungen,  die  den  kunstgewerblichen  Ruf
Münchens  begründet  haben,  jn  ihren  neuen  Räumen  am
Odeonsplatz  in  München  eine  große  Zahl  von  Entwürfen  zu
Innenausstattungen,  Möbeln  usw.  aus  den  letzten  150  Jahren
vereinigt.  Dazu  hat  das  Residenzmuseum  noch  einige  schöne
Möbelstücke  Pössenbachers  Herkunft  zur  Verfügung  gestellt.
Die  Pössenbacher  waren  nicht  nur  geschmackvolle  und  sorgsame ­
  Mäbelschreiner,  sie  waren  sich  auch  bewußt,  daß  Ausstattung ­
  und  Raumgestaltung  eine  Einheit  bilden  müssen,  und
so  vereinigten  sie,  wie  die  ausgestellten  Entwürfe  belegen,  in
sich  den  Architekten  und  den  Kunsthandwerker,  In  der  Zeit,
als  in  dem  großen  Konkurrenzkampf  .zwischen  den  beiden  Möbelstädten ­
  des  Südens,  München  und  Augsburg,  München  vor
allem  dank  der  Förderung  durch  Hof  und  Adel  siegte  und  das
von  diesen  gepflegte  Rokoko  von  dem  Bürger-  und  Bauerntum
assimiliert  wurde,  kam  der  oberbayrische  Bauernsohn  und  Klosterschreiner
  Matthias  P  ö  ss  e  n  b  a  c  fe  e  r  1774  nach  München.
Er  fand  mit  seiner  gediegenen  Ausbildung  Anschluß  an  die
großen  Münchner  Rokoko-Architekten  des  18.  Jahrhunderts,
und  seine  Nachfahren,  weitgereiste  Leute,  setzten  die  Leistungen ­
  fort,  indem  sie,  wie  das  Münchener  Kunstigewerbe  überhaupt, ­
  traditionsbewußt  die  alten  Stilformen  pflegten,  sich  aber
auch  dem  ernsthaften  Neuen  nicht  verschlossen.  Die  Zeugen
stehen  in  der  Münchner  Residenz,  in  den  Schlössern  König
Ludwigs  II.  (Herrenchiemsee,  Linderhof,  Neuschwanstein)  und
in  den  deutschen  Ozeandampfern,  deren  Repräsentationsräume
Troost  entworfen  hat.

(Tizian-Ausstellung  in  Venedig.)  Aus  Venedig  wird
uns  gemeldet:  Die  Stad  Venedig  veranstaltet  im  Frühjahr
dieses  Jahres  eine  Ausstellung  des  berühmten  Führers  der
venezianischen  Schule  des  16.  Jahrhunderts  Tizian.  Die  Ausstellung ­
  wird  am  Tage  des  heiligen  Marcus,  den  25,  April,  eröffnet ­
  und  am  8.  November  geschlossen  werden.  Der  Zweck
der  Veranstaltung,  die  in  zwei  Ehrenräumen  des  Palazzo  Pesaro
vor  sich  gehen  wird,  ist  die  Vereinigung  einer  großen  Zahl  von
Werken  des  berühmten  Meisters  aus  Italien  und  dem  Ausland,
Autogramme  und  Graphiken  Tizians  sowie  alle  Dokumente,  die
sich  auf  sein  Leiben  beziehen,  werden  die  Ausstellung  vervollständigen. ­

(Calvin-Ausstellung  in  Paris.)  Anläßlich  der  bevorstehenden ­
  Vierhundeirtjahrleier  für  Johannes  Calvin,  wird  in  P  aris
  im  März  1.  J.  eine  große  Ausstellung  „Calvin  und  die
französische  Reformation"  abgehalten  werden.
(Internationale  Ausstellung  der  katholischen  Presse.)  Anläßlich ­
  der  75jäferigen  Gründungsfeier  des  „Osservatore  Romano“ ­
  wird  im  Jahre  1936  eine  internationale  Ausstellung  der
katholischen  Presse  im  Vatikan  veranstaltet  werden.  Papst
Pius  bekundet  lebhaftes  Interesse  für  diese  Ausstellung,  die
aller  möglichen  Förderung  durch  den  Vatikan  sicher  ist.
(Die  Eumoriopoulos-Sammlung.)  Das  Britische  und  das
Viktoria  und  Albert  Museum  in  London  haben  zusammen  die
große  Eumoriopoulos-Sammlung,  die  wertvolle  chinesische ­
  und  japanische  Kunst  umfaßt,  erworben,
(Umbräche  Fresken  des  14.  und  16.  Jahrhunderts.)  Gelegentlich ­
  von  Restaurierungsaribeiten  an  einer  kleinen  Dorfkir
  ehe  zu  Montecastelli  bei  Umberti  di  Umbria  wurden
bemerkenswerte  Fresken  des  14.  und  16.  Jahrhunderts  freigelegt. ­
  Die  Arbeiten  sind  noch  nicht  vollendet.  Bisher  kennt
man  unter  anderem  wohlerbaltene  Teile  einer  „Kreuzig
  u  n  g“  aus  der  ersten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts,  Sie  zeigen
den  Gekreuzigten  und  Johannes  den  Täufer,  der  in  schmerzbewegter
  Haltung  mit  gefalteten  Händen  zum  Erlöser  aufblickt.
Das  Werk  gehört  der  Sienesisehen  Schule  an  und
verrät  den  Einfluß  des  Pietro  Lorenzetti,  Unter  den  dem
16,  Jahrhundert  entstammenden  Fresken  ist  namentlich  eine
von  Luca  Sign  orelli  beeinflußte  Figur  des  Hl.  Rochus
hervorzuheben,  die  das  Datum  1510  und  die  Inschrift  „Barlo ­
  1  o  m  e  o  d’A  adre  a“  trägt.

MUSEEN.
(Neuerwerbungen  des  Salzburger  Stadtmaseums,)  Bei  der
Hauptversammlung  des  Salzburger  Museums-Vereines  berichtete
Museums-Kustos  Dr.  Max  Silber  über  Fe  Neuerwerbungen
des  Stadtmuseums  im  abgelauifenen  Jahre  Die  wichtigsten  darunter ­
  sind  jene,  die  das  Stadtmuseum  Ende  des  Jahre®  durch
die  vom  Unterrichtsministerium  zum  Jubiläum  gespendeten
Ehrengaben  machen  konnte.  E,s  sind  dies  vier  verschiedene
Gegenstände,  die  aus  dem  Lungau  stammen.  Darunter  steht
an  erster  Stelle  ein  reichgesticktes  M  a  d  o  n  n  e  n-K  leid  de®
18.  Jahrhunderts  aus  dem  ehemaligen  Kapuzinerklosier  in  Tamsweg.
  Die  Dekoration  mit  Ranken  und  großen  Blumen  in  buntfarbener
  Hochstickerei  weist  einen  eigenartigen,  von  anderen
Stickerei-Arbeiten  in  dem  Salzburgiscfeen  Gebiete  abweichenden ­
  Charakter  auf.  Altsälzburgiscbe  Handarbeit  ist  auch  der
zweite  Gegenstand,  eine  in  Flach-Stich  verzierte  Altar-Decke
  mit  Klöppel-Spitze,  deren  liturgische  Bestimmung  durch
die  als  altchristliche  Symbole  bekannten  Tierfiguren,  den  Pelikan ­
  und  den  Pfau,  erwiesen  wird,  Eine  Zinn-Tasse  für
Meßkännchen  trägt  die  Marke  de®  Josef  Anton  Greißing,
der  1698  in  der  Meisterliste  der  Salzburger  Bürgerbücher  erscheint ­
  und  später  das  Hofzinngießer-Haus  fEcke  Goldgasse-Rescdenzplatz)
  erwirbt.  Erzeugnisse  seiner  Werkstätte  finden
sich  noch  mehrfach  in  den  Salzburger  Stadt-  und  Landkirchen.
Das  vierte  Stück  ist  ein  Kostümbild  in  Oel.  AU  Maler
des  Bildes,  das  die  Jahreszahl  1790  trägt,  ist  Gregor  IV.  L  ederwasch ­
  zu  vermuten,  aus  jener  Familie  in  Tamsweg,  deren ­
  Angehörige  vom  17.  bis  zum  Beginn  des  19,  Jahrhunderts
den  Mesner-Dienst  in  der  St.  Leonhardskircfee  versahen  und
sich  vielfach  auch  als  Maler  betätigten.  Das  Bild  befand  sich
Hs  1901  in  dem  Mesner-Hause.  Die  Dargestellte  ist  die  Frau
des  Sohnes  des  genannten  Malers,  des  Gregor  V,,  der  sie,  eine
geborene  Maria  Gruber,  Peterbauers  Tochter  in  Lasa  (.Mariapfarr),
  1776  geehelicht  batte.
Zur  Erinnerung  an  den  fünfzigjährigen  Todestag  Makarts
stiftete  der  Museums-Verein  eine  Handzeichnung  des  Künstlers,
eine  weibliche  Kostüm-Studie  in  Renaissance-Tracht,  ein
Bruchstück  eine®  Salzburger  Bauern-Kalenders  vom  Jahre  1673.
Erwähnenswert  sind  als  weitere  Geschenke  de®  Museums-Vereines: ­
  ein  Lehrbrief  der  Salzburger  Zimmermeister  vom  Jahre
1812  und  eine  Silbermünze  des  Kaisers  Bibius  Volusianus  (254
n.  Chr.),  ein  Fundstück  aus  Mattsee.
            
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