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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 4/5
heit bereinigte; Wappen und Siegel sind feudale
Standesabzeichen, für die sich heute niemand mehr
zu interessieren hat, wenn er als »modern« und »fortgeschritten«
gelten will. So erlag das Wappen- und
Siegelsammeln einer geistigen Einstellung, die man
von der Politik her dirigierte. Wenige, die es nun,
fast als wirkliche Geheimwissenschaft, in verschwiegenen
Stunden fortsetzten und die die einzigen waren,
die sich der so günstigen Einkaufsverhältnisse
wegen der Situation bisweilen zu freuen vermochten.
Was das Ressentiment des Zusammenbruchs
seiner Bedeutung entblößen und vertreiben wollte,
beginnt heute ein neuer Aufbau wieder langsam mit
Sinn anzufüllen, um es wieder begehrenswert zu
machen. So geschieht es auch mit den Wappen und
Siegeln.
Wenn heute die familienkundlichen Vereinigungen
wieder einen Mitglieder- und Interessentenzuwachs
melden, und wenn dieser Zuwachs sich aus
Bürgerlichen zusammensetzt, so bedeutet das nicht
allein, aber besonders doch eine absolut günstige
Situation für das Wappen- und Siegelsammlerturn.
Ich möchte die Bedeutung der Tatsache für das
ganze Sammlertum gelten lassen. Der Bürger versucht
damit nicht mehr und nicht weniger, als die
Vergangenheit in Beziehung auf sich und seine Familie
sich zu eigen zu machen und er geht damit
einen Weg, der zuletzt zu einer neuen Verankerung
der Geschichte im Volke, einem neuen Interesse
breitester Kreise für das Geschehen — und das Gut
der Vergangenheit führt und führen muß. Diese
»Rückbesinnung« wird dem Sammlertume alter
Kunst neuen Auftrieb verleihen.
Heute zunächst ist dem Sammler der Siegel und
Wappen das breitere Interesse am staatengeschichtlichen
und dynastischen Ablauf noch nicht wieder
ganz behilflich. Dagegen beginnt sich die ehemalige
einseitige Beschlagnahme der Siegel und Wappen
als Abzeichen der Standesherren und Feudalen und
demgemäß das Sammlertum von Wappen und Siegeln
als Privileg der Angehörigen dieser Kreise dafür
endgültig zu lockern. Die allgemeine Kunstbetrachtung
ergreift zunächst diese Produkte und begreift
sie zunächst und zuerst als Gegenstände der
feinen und Kleinkunst. Unvoreingenommen kann
also heute wieder der nur kunstgeschichtlich Interessierte
an dieses Gut heran und er staunt über den
künstlerischen Reichtum der ihm so lange unverantwortlich
entfremdeten Siegelischnitte und Wappenzieren.
Was bisher als feudales Vorrecht galt, was
höchstens und bestenfalls noch als historische oder
kulturhistorische Ergänzungiswissenschaft behandelt
wurde, setzt so endlich an vom Standpunkte der
Kunstform aus und allein von diesem Standpunkte
her als autonomes Sammelgebiet sich aufzumachen.
Der »Inhaber« von Wappen und Siegel, der bisher
die entscheidende Bedeutung bei der Betrachtung
für sich in Anspruch nahm (dabei aber nichts war
als der Besteller und Abnehmer, der Benutzer oder
Verleiher), verschwindet endlich hinter dem Kunstwerk
als eigene Bedeutung und hinter dem Künstler
als Schöpfer. Und in dieser Hinsicht ist darüber noch
so wenig geforscht worden, daß das ganze Gebiet
der Kunstwissenschaft eigentlich noch nicht nutzbar
gemacht ist.
Man kennt z. B. wohl die gelegentlichen Wappenstiche
und den Medaillenentwurf Dürers (für
Willibald Pürckhaimer), man weiß auch, das Veit
Stoß z, B. wegen Siegelfälschung zu Tode verurteilt
und zur Brandmarkung auf beiden Backen begnadigt
worden ist, man kennt einige Wappenmaler und ein
paar Siegelschneider, aber ihre Einbeziehung in das
große Bild der Kunstentwicklung ist bisher nicht
vorgenommen worden.
Diese bisherige nur standesseitige, geschichtsoder
kulturgeschichtswertige Einschätzung des
Kunstgebietes der Wappen und Siegel wird nun mit
dem neu sich bildenden Sammlertume gebrochen
werden.
Wer könnte auch Ornamentik und Darstellungs
kunst der Wappenbilder und Siegelschnitte fürderhin
im Gefolge der anderen Kunstarten vermissen
wollen? Siegel, wie z. B, das des Probst zu Sitten
(15. Jh.), der Chirurgen zu Hildesheim, der Stadt
Luzern (14. Jahrhundert), der Mechthildis zu Orlamünde,
der Agnes zu Schweidnitz (1392), Josephs
II, (1765—90), usw., sind als rein künstlerische
Schöpfungen betrachtet und ohne Rücksicht auf ihre
Träger für die Kunst ihrer Epoche ganz ebenso aufschlußreich
und aussagebereit, wie die gleichzeitige
Buchminiatur oder das Tafelbild, bzw. Oelgemälde
und der Stich,
So, diesmal als Kunstwerk gesehen, werden
Wappenbild und Siegelschnitt von neuem der ihnen
voll gebührenden Anerkennung und Sammlerliebe
entgegengehen und, vom Odium der Standesvorrechte
befreit, wird dieses Gut auch der bürgerliche
Sammler mit Freude annehmen und sich weder durch
Lächeln noch durch Verächtlichkeit derer, die nicht
zulernen wollen oder können, verekeln lassen.
Gegenwärtig melden vorerst die Antiquariate
eine Nachfrage nach heraldischer und einschlägig
fachlicher Literatur. Die Nachfrage des Sammlers
nach Siegelschnitten und heraldischem Gute
»wächst« vorerst noch in ■jenem Verborgenen heran,
in dem sich das Gesicht jeder neuen Epoche vorbildet.
v
Private Jluktionshallen in der GechodovakeL
Aus Brünn wird uns berichtet:
Die Cechoslovakei soll nun private Auktionshallen
erhalten. Eine Gruppe von Interessenten verhandelt
zur Zeit mit den zuständigen Regierungsstellen
wegen der Konzession für die Schaffung von
privaten Auktionshallen, die sich, in der Form von
Kommissionären, mit der öffentlichen Feilbietung von
Waren befassen sollen. Diese freiwilligen Versteigerungen
sollen in der Art der in den französischen
Auktionshallen stattfindenden Auktionen stattfinden.
Die Gesellschaft will in allen Großstädten
der Republik solche Auktionshallen einrichten.
Nach dem französischen Vorbild würde der Käufer
zu dem in der Lizitation erzielten Preis einen Zuschlag
von 15 Prozent zu entrichten haben, während
dem Verkäufer etwa 3 bis 5 Prozent in Abzug gebracht
werden. Von dem so erzielten Gewinn würde
die Gesellschaft die Hälfte, 9 bis 10 Prozent, an die
Staatskasse abführen, mit einem Teil des Restes ihre
Regiekosten decken.