Tnfemofionale
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde
Herausgeber: Norbert Ehrlich
27. Jahrgang Wien, 15. März 1935
Nr. 6
Die Auktionen bei
Die nächste G r a u p e-A u k t i o n, die für den
22. und 23. festgesetzt ist, bringt aus den Beständen
der in Liquidation befindlichen Firma Dr, Otto
Burchard & Co. in Berlin ostasiatische Kunstwerke.
Der von L. Reidemeister sorgfältig bearbeitete
Katalog verzeichnet 597 Nummern, unter denen
sich bedeutende Sakralbronzen der Chou- und Han-Periode,
Holz- und Steinplastik aus der Sung- und
Ming-Zeit, Keramik der T‘ang- und Sung-Zeit, zahlreiche
Ming- und Klang hai-Porzellane, frühe Goldund
Silberarbeiten, Jade- und andere Halbedelstein-Erzeugnisse,
sowie kostbare Textilien befinden. Erwähnen
möchten wir insbesondere das unter Nr. 293
beschriebene, monumentale Bronze-Becken im sog.
Huai- oder Ts'in-Stil (3. Jahrh, vor Chr.), das in
China durch zahlreich verbreitete Abreibungen geradezu
berühmt geworden ist. Ein aus der späteren
Han-Zeit (1. bis 2. Jahrh. n. Chr.) stammender Spiegel
mit den Tieren der vier Himmelsrichtungen zwischen
vier warzenförmigen Buckeln trägt die Inschrift
,,San-yang machte diesen Spiegel mit außerordentlicher
Geschicklichkeit; darauf befinden sich
Taoisten,“ Unter den Teppichen sticht ein Seidenteppich
hervor, der, wie eine Inschrift besagt, in der
Periode Chung-ho zum kaiserlichen Gebrauche gemacht“
wurde. Er trägt in Mittelrosette und Ecken
Drachen in Blau und Rot auf golddurchwirktem
Grund.
Im Anschluß an die China-Ob)ekte versteigert
Graupe eine Reihe hervorragender Gemälde
deutscher und französischer Meister'
des 19. Jahrh. aus einer bekannten schlesischen
Privatsammlung, denen einige Bilder dieser Zeit aus
Hamburger Privatbesitz angefügt sind.
Auch dieser Teil der Auktion gewinnt durch das bedeutende
Material größere Bedeutung, zumal man
französische Werke seit langem in Deutschland nicht
-fr auf. dem Markte zu sehen bekam. Von deutschen
Meistern seien hervorgehoben die vier Porträts
von Leibi, darunter das Selbstbildnis de.s Meisters
und das bekannte Bild des Kreistierarztes Reindl,
xerner als vielleicht größte Kostbarkeit das Selbstbildnis
Hans von Mare es, das er 1874 in Florenz
malte, weiters eine wundervolle Figurenkomposition:
Sraupe in J2erlin.
Die Labung. Die Münchener Schule ist noch durch
zwei Werke von Schuch, eine Landschaft und ein
großes Stilleben, und durch zwei Landschaften von
T r ü b n e r repräsentiert.
Die deutschen Werke werden an Zahl überflügelt
von den Franzosen, deren Reihe mit einem großen
Figurenbild Corofs und einer seiner schönen
späten Landschaften beginnt, die sich über zwei Gemälde
Daumiers zu dem Hauptbild der Auktion,
einem Werke Manets, Madame Manet im Treibhaus,
fortsetzt. Von den Landschaften sind ferner
zwei von Cour bet, darunter ein Meisterwerk, die
Brücke, ferner Sisleys prachtvolle große Seinelandschaft
und Pissarros großes Pariser Boulevardbild
zu nennen. Ein in satten Farben gemaltes
Blumenstilleben stammt von Renoir aus seiner
mittleren Zeit, eine reizvolle Seinelandschaft von
D a u b i g n y, eine maurisch-spanische Kanalszene
von Monticelli.
Den Gemälden scHließen sich 20 Zeichnungen
und Aquarelle an, darunter eine große Landschaft
Vincent van G o g h s, zwei Tieraquarelle von Eugene
Delacroix, ferner Arbeiten von Pissarro,
M i 11 e t, Rodin und Courbet,
Zum Hamburger Besitz gehören ein reizvolles
Bild von Spitzweg, die Ankunft des Freundes,
ein großes Stilleben von Schuch und eine Figurenkomposition
von Feuerbach.
Nachstehend der Schluß der bei der ersten
Graupe-Auktion (siehe die Nummern 3, 4 und 5 der
„Internationalen Sammler-Zeitung“) erzielten Preise
(in Mark);
Porzellan.
381 Kleine (Deckeltasse, .Fulda um 1780 51
382 'Birnenförmige Kaffeekanne, Ludwigsburg um 1770 . . 70
383 Jugendl. Paar, Obelisken bekränzend, Ludwigsburg
um 1765 185
384 Pomour, Ludwigsburg um 1775 51
385 Bacchantengruppe, Ludwigsburg um 1765 205
386 HenkeHasse mit Untertasse, Nympbenburg, M. 18. J. 100
387 Kaffeekanne, iNymphenburg um 1780 100
388 Große Kindergruppe, Nymphenburg um 1760 .... 250
389 Kleine Henkeltasse, Sevres um 1765 60
Steingeiäße,
390 Chinesisches Jade-Töpfchen, Ming-Zeit 130
391 Trankopferbecher, Japan 100