INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. I
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Wert und unter den Karolingern nannte man eine
Silbermünze „Sou“. Bis zu Ludwig XVI. blieb es im
wesentlichen dabei, doch wurden damals schon Kupfermünzen
als Geld in Umlauf gebracht. Mit der Revolution
von 1789 änderte sich die Münze wiederum.
Die Revolution führte bekanntlich das metrische System
ein und dann auch die Unterteilung und die Vervielfachung
der Münzen in Zehnereinheiten. Damals
beschloß man, einen halben „Zehner“ in Umlauf
zu setzen, und so kam man zum Fünf-Centime-Stück
und diese Einheit, die nicht durch eine weitere Zehn
unterteilt wurde, ein Außenseiter der Dezimalteilung,
wurde als Sou in den Umlauf gebracht.
Die kupfernen Soustücke wurden im vorigen Jahr
aus dem Verkehr gezogen, und nur die Nickelsous
mit dem Loch in der Mitte, die auch unter dem Namen
„Glück-Sou“ bekannt sind, blieben noch im Verkehr.
Ein Verschwinden des Fünf-Centime-Stückes wird auch
dem historischen Namen ein Ende machen, doch
nicht dem historischen Münznamen. Auch im Volksmund
wird er weiter existieren, denn was soll man
schließlich sagen, wenn man etwas als wertlos beurteilt:
„II ne vaut pas un sou“ („Es ist nicht einen
Sou wert“).
Chronik.
AUTOGRAPHEN.
(Inhibierte Versteigerung von Wa.lenstein-Briefen.) Vor kurzem
kündigte die Bücherabteilung des Wiener Dorotheums die
Versteigerung von zwei undatierten Originalbriefen Wallensteins
an den Kaiser Ferdinand II. an. Die Direktion
des Wiener Hofkammer-Archivs, davon in Kenntnis gesetzt, i nh
i b i e r t e die Versteigerung, da natli einer aus dem Jahre
1858 stammenden Verordnung an Herrscherpersönlichkeiten
des Hauses Habsburg, bezv. Habsburg-Lothringen gerichtete
Briefe nicht verauktioniert werden dürfen. Die beiden
Briefe dürften wieder dem Hofkammerarchiv einverleibt werden.
Wie man uns mitteilt, handelt es sich um zwei Briefe
Wallensteins aus dem Jahre 1622. In dem einen bittet Wallenstein,
ihm die beiden Herrschaften F r i e d I a n d und Reich
e 11 b e r g, die, ursprünglich Güter des Grafen Christoph
von Rödern, eines Teilnehmers an der Empörung von 1619/20
ihm nach dem großen Strafgericht von 1620 verpfändet worden
waren, zu verkaufen. Im zweiten bittet er den Kaiser um
Restitution der von ihm während des böhmischen Aufstandes
erlittenen Schäden im Betrage von 156.254 Pfund. Nachforschungen
in den Originalregistern der Hoffinanz im Hofkammerarchiv
zum Jahre 1622 ergaben, daß die beiden Schriftstücke
vorn damaligen Statthalter von Böhmen, Fürst Karl
von Liechtenstein erledigt wurden. Da die diesbezüglichen
Registereintragungen ausdrücklich auf Inhalt und Wortlaut
der beiden Eingaben Wallensteins Bezug nehmen, stellt
fest, daß die heute bei den Akten fehlenden Stücke sich
einst in der Registratur der Hoffinanz befanden, aus de'f sie,
wohl schon vor Jahrhunderten, entfremdet wurden.
BIBLIOPHIL IE.
(Ein königlicher Verlagsbuchhändler.) Wie aus Bukarest
amtlich mitgeteilt wird, hat König C a r o 1 beschlossen 1 ,
einen Verlag zur Herausgabe wissenschaftlicher und 'literarischer
Bücher und Zeitschriften zu gründen, an dem er und
sein Sohn, der Größwoywode Michael aktiv mitarbeiteil
werden. Gegenüber dem Königspalast befindet sich cineBüchhandlung,
die den Verkauf der von diesem Verlag lierausgegebenen
Bücher übernehmen wird.
(Die Bibel des hl. Ludw,g von Frankreich.) in einer
Publikation, die der spanische Kunsthistoriker Z u 1 u c t a über
die Kunstschätze herausgibt, die in 1 oledo zum Feil vernichtet
wurden, zum Teil unbekannten Aufenthaltes sind, befindet
sich die berühmte Bibel des hl. Ludwig von Frankreich,
die zu Beginn des 12. Jahrhunderts tfon Mönchen geschrieben
und mit farbigen Initialen, Randleisten und Bildern geschmückt
worden war. Diese Bibel besteht aus vier Bänden, von denen
drei, die auf 75 Millionen Pesetas geschätzt waren, sich in
Toledo befinden, während der vierte im Besitze der Pariser
Nationalbibliothek ist.
(Das kleinste Buch der Welt) wurde mitsamt dem dazugehörigen
Vergrößerungsglas auf einer Auktion bei Sotheby
in London um 20 Pfund verkauft. Das Buch in der Größe
von 0.65 1.95 cm, ist die Uebersetzung Fitzgeralds von
„Omar Khayjarn". Fs wurde im Staate Massachusetts hergestellt.
(Archiv zur Geschichte der Frauen-Bewegung.) in Amsterdam
ist ein internationales Archiv, das dem Institut
für soziale Geschichte angegliedert worden ist, enthält zahlreiches
Material an Dokumenten und Veröffentlichungen iibePdie
Frauenbewegung in der ganzen Welt.
(Tschechoslowakische Bibliologie.) Fine Bibliographie
der tschechoslowakischen Bibliologie für das
Jahr 1935 ist, von Jaroslav Lugs bearbeite) als Nr. 4—6
des „Casopis ceskoslovenskych knihovnlku" (Jahrg. XV.) erschienen.
In systematischer Ordnung verzeichnet sie in 1199
Nummern 2266 Bücher sowie Artikel in Zeitschriften und
Tageszeitungen, und zvi>ar nach dem Dezimalsystem in der
neuen deutschen Bearbeitung. Aus Ersparungsgründen ist ein
Drittel des zusammengetragenen Materials ausgelassen worden.
BILDER.
(Franz Christoph Jannek-Forschung.) Privatbesitzer von
Jannek-Gemälden, sowie! Wisser um solche oder um andere zur
Erforschung des Oeuvre des Meisters dienliche Unterlagen
werden um nähere Bekanntgabe gebeten. Kunsthistorisches
Institut der Universität Wien, I., Dr. Karl Lueger-Ring 3.
Jannek, für den sich das Kunsthistorische Institut der Wiener
Universität interessiert, wurde am 3. Oktober 1703 in Graz
geboren und starb am 3. Januar 1761 in Wien. Fr war Schüler
von Matthias Ving u s in Graz. Nachdem er in seiner Heimatstadt
einige religiöse Fresken gemalt hatte, kam er nach
Wien; wo er sich dem Bildnis und detn GeselFschaftsstiick
widmete. Im Jahre 1735 zog er nach Frankfurt am Main, kehrte
aber nach einigen Jahren wieder nach Wien zurück) wurde da
1754 Associierter der Akademie. Seine kleinen Bilder in Nachahmung
Watteaus gemacht, weisen bessere Reiclinutig, als Farbengebung
auf. Zwei seiner Gesellschaftsstücke hängen in der
Schleißheimer Galerie, vier im Wiener Kunsthistörischen Museum,
andere in der Liechtenstein- und in der Harrajchgalerie in
Wien. Fine Landschaft befindet sich im Darmstädter Museum.
Im Prager und im Klausenburger Privatbesitz befanden sich
Bilder von Jannek, doch wissen wir nicht, ob sie noch dort
sind.
(Auffindung e nes Palma-B Ides.) Im Dom von Portog
r u a r o wurde im Verlaufe von Restaurierungsarbeiten ein
Bild entdeckt, das in zwei harmonischen Gruppen zehn Personen
darstellt, die durch die Vollkommenheit der-Zeichnung,
den Farbenreichtum und die Größe des Ausdruckes bewunderungswürdig
sind. Das Bild wird der Schule der venezianischen
Renaissance zugeschrieben, und zwar dem Maler
P a 1 in a dem ) ii ngiren.
NUMISMATIK.
(Großer Münzenfund.) ln Wanz baclt bei Kirchdorf
an der Krems wurde“ ein großer Münzenfund gemacht. Ein
Knecht sollte eine Truhe zerschlagen, um daraus' Brennholz
zu machen. Dabei stieß er auf ein Geheimfach, in dem sich
869 Gold- und S ifbermünzen aus dem 17. und 18.
Jahrhundert befanden. Die Münzen sind österreichischer und
deutscher Herkunft und dürften zur Franzosenzeit in der
Truhe verwahrt worden sein.
(Besitzwechsel.) Die Firma Adolph F. Cahn in Frankfurt
a. Main teilt uns mit, daß die Firma auf ihre langjährige
Mitarbeiterin Frau'Elisabeth Button übergegangen ist. Frau
Button wird dieselbe unter dem Namen Frankfurter
M ii n z h a n d I 11 n g, Elisabeth Button, weiterführen.
(Eine Erzherzog Eugen-Plakette von Marschall.) Die Wiederkehr
des Erzherzogs- Fuge n nach Oesterreich bot dem
Professor Rudolf M a r schall in Wien willkommene Gelegenheit,
eine Erzherzog E u g e n - P I a k e 11 e zu schaffen.
Es entstand, wie bei Marschall, dem bewährten Medailleur,
der Kaiser und Päpste in unübertroffener Weise modelliert hat,
nicht anders zu erwarten war, ein kleines Kunstwerk, das
jeder Sammlung zur Zie'rde gereichen wird. Der überaus populäre
Habsburger-Prinz ist en face im Marschallsrock mit dem
goldenen Vlies abgebildet — die Porträttreue ist einfach ver-