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Full text : Jahrgang 29 (1937) (1)

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Nr.  I

Seite  lö

Wert  und  unter  den  Karolingern  nannte  man  eine
Silbermünze  „Sou“.  Bis  zu  Ludwig  XVI.  blieb  es  im
wesentlichen  dabei,  doch  wurden  damals  schon  Kupfermünzen ­
  als  Geld  in  Umlauf  gebracht.  Mit  der  Revolution ­
  von  1789  änderte  sich  die  Münze  wiederum.
Die  Revolution  führte  bekanntlich  das  metrische  System ­
  ein  und  dann  auch  die  Unterteilung  und  die  Vervielfachung ­
  der  Münzen  in  Zehnereinheiten.  Damals
beschloß  man,  einen  halben  „Zehner“  in  Umlauf
zu  setzen,  und  so  kam  man  zum  Fünf-Centime-Stück
und  diese  Einheit,  die  nicht  durch  eine  weitere  Zehn
unterteilt  wurde,  ein  Außenseiter  der  Dezimalteilung,

wurde  als  Sou  in  den  Umlauf  gebracht.
Die  kupfernen  Soustücke  wurden  im  vorigen  Jahr
aus  dem  Verkehr  gezogen,  und  nur  die  Nickelsous
mit  dem  Loch  in  der  Mitte,  die  auch  unter  dem  Namen
„Glück-Sou“  bekannt  sind,  blieben  noch  im  Verkehr.
Ein  Verschwinden  des  Fünf-Centime-Stückes  wird  auch
dem  historischen  Namen  ein  Ende  machen,  doch
nicht  dem  historischen  Münznamen.  Auch  im  Volksmund ­
  wird  er  weiter  existieren,  denn  was  soll  man
schließlich  sagen,  wenn  man  etwas  als  wertlos  beurteilt: ­
  „II  ne  vaut  pas  un  sou“  („Es  ist  nicht  einen
Sou  wert“).

Chronik.

AUTOGRAPHEN.
(Inhibierte  Versteigerung  von  Wa.lenstein-Briefen.)  Vor  kurzem ­
  kündigte  die  Bücherabteilung  des  Wiener  Dorotheums  die
Versteigerung  von  zwei  undatierten  Originalbriefen  Wallensteins
  an  den  Kaiser  Ferdinand  II.  an.  Die  Direktion
des  Wiener  Hofkammer-Archivs,  davon  in  Kenntnis  gesetzt,  i  nh
  i  b  i  e  r  t  e  die  Versteigerung,  da  natli  einer  aus  dem  Jahre
1858  stammenden  Verordnung  an  Herrscherpersönlichkeiten
des  Hauses  Habsburg,  bezv.  Habsburg-Lothringen  gerichtete ­
  Briefe  nicht  verauktioniert  werden  dürfen.  Die  beiden
Briefe  dürften  wieder  dem  Hofkammerarchiv  einverleibt  werden. ­
  Wie  man  uns  mitteilt,  handelt  es  sich  um  zwei  Briefe
Wallensteins  aus  dem  Jahre  1622.  In  dem  einen  bittet  Wallenstein, ­
  ihm  die  beiden  Herrschaften  F  r  i  e  d  I  a  n  d  und  Reich ­
  e  11  b  e  r  g,  die,  ursprünglich  Güter  des  Grafen  Christoph
von  Rödern,  eines  Teilnehmers  an  der  Empörung  von  1619/20
ihm  nach  dem  großen  Strafgericht  von  1620  verpfändet  worden ­
  waren,  zu  verkaufen.  Im  zweiten  bittet  er  den  Kaiser  um
Restitution  der  von  ihm  während  des  böhmischen  Aufstandes
erlittenen  Schäden  im  Betrage  von  156.254  Pfund.  Nachforschungen ­
  in  den  Originalregistern  der  Hoffinanz  im  Hofkammerarchiv ­
  zum  Jahre  1622  ergaben,  daß  die  beiden  Schriftstücke ­
  vorn  damaligen  Statthalter  von  Böhmen,  Fürst  Karl
von  Liechtenstein  erledigt  wurden.  Da  die  diesbezüglichen ­
  Registereintragungen  ausdrücklich  auf  Inhalt  und  Wortlaut ­
  der  beiden  Eingaben  Wallensteins  Bezug  nehmen,  stellt
fest,  daß  die  heute  bei  den  Akten  fehlenden  Stücke  sich
einst  in  der  Registratur  der  Hoffinanz  befanden,  aus  de'f  sie,
wohl  schon  vor  Jahrhunderten,  entfremdet  wurden.

BIBLIOPHIL  IE.
(Ein  königlicher  Verlagsbuchhändler.)  Wie  aus  Bukarest ­
  amtlich  mitgeteilt  wird,  hat  König  C  a  r  o  1  beschlossen 1 ,
einen  Verlag  zur  Herausgabe  wissenschaftlicher  und  'literarischer ­
  Bücher  und  Zeitschriften  zu  gründen,  an  dem  er  und
sein  Sohn,  der  Größwoywode  Michael  aktiv  mitarbeiteil
werden.  Gegenüber  dem  Königspalast  befindet  sich  cineBüchhandlung,
  die  den  Verkauf  der  von  diesem  Verlag  lierausgegebenen
  Bücher  übernehmen  wird.
(Die  Bibel  des  hl.  Ludw,g  von  Frankreich.)  in  einer
Publikation,  die  der  spanische  Kunsthistoriker  Z  u  1  u  c  t  a  über
die  Kunstschätze  herausgibt,  die  in  1  oledo  zum  Feil  vernichtet ­
  wurden,  zum  Teil  unbekannten  Aufenthaltes  sind,  befindet ­
  sich  die  berühmte  Bibel  des  hl.  Ludwig  von  Frankreich,
die  zu  Beginn  des  12.  Jahrhunderts  tfon  Mönchen  geschrieben
und  mit  farbigen  Initialen,  Randleisten  und  Bildern  geschmückt
worden  war.  Diese  Bibel  besteht  aus  vier  Bänden,  von  denen
drei,  die  auf  75  Millionen  Pesetas  geschätzt  waren,  sich  in
Toledo  befinden,  während  der  vierte  im  Besitze  der  Pariser
Nationalbibliothek  ist.
(Das  kleinste  Buch  der  Welt)  wurde  mitsamt  dem  dazugehörigen ­
  Vergrößerungsglas  auf  einer  Auktion  bei  Sotheby
in  London  um  20  Pfund  verkauft.  Das  Buch  in  der  Größe
von  0.65  1.95  cm,  ist  die  Uebersetzung  Fitzgeralds  von
„Omar  Khayjarn".  Fs  wurde  im  Staate  Massachusetts  hergestellt.

(Archiv  zur  Geschichte  der  Frauen-Bewegung.)  in  Amsterdam ­
  ist  ein  internationales  Archiv,  das  dem  Institut
für  soziale  Geschichte  angegliedert  worden  ist,  enthält  zahlreiches ­
  Material  an  Dokumenten  und  Veröffentlichungen  iibePdie
Frauenbewegung  in  der  ganzen  Welt.
(Tschechoslowakische  Bibliologie.)  Fine  Bibliographie
der  tschechoslowakischen  Bibliologie  für  das
Jahr  1935  ist,  von  Jaroslav  Lugs  bearbeite)  als  Nr.  4—6

des  „Casopis  ceskoslovenskych  knihovnlku"  (Jahrg.  XV.)  erschienen. ­
  In  systematischer  Ordnung  verzeichnet  sie  in  1199
Nummern  2266  Bücher  sowie  Artikel  in  Zeitschriften  und
Tageszeitungen,  und  zvi>ar  nach  dem  Dezimalsystem  in  der
neuen  deutschen  Bearbeitung.  Aus  Ersparungsgründen  ist  ein
Drittel  des  zusammengetragenen  Materials  ausgelassen  worden. ­


BILDER.
(Franz  Christoph  Jannek-Forschung.)  Privatbesitzer  von
Jannek-Gemälden,  sowie!  Wisser  um  solche  oder  um  andere  zur
Erforschung  des  Oeuvre  des  Meisters  dienliche  Unterlagen
werden  um  nähere  Bekanntgabe  gebeten.  Kunsthistorisches
Institut  der  Universität  Wien,  I.,  Dr.  Karl  Lueger-Ring  3.
Jannek,  für  den  sich  das  Kunsthistorische  Institut  der  Wiener
Universität  interessiert,  wurde  am  3.  Oktober  1703  in  Graz
geboren  und  starb  am  3.  Januar  1761  in  Wien.  Fr  war  Schüler
von  Matthias  Ving  u  s  in  Graz.  Nachdem  er  in  seiner  Heimatstadt ­
  einige  religiöse  Fresken  gemalt  hatte,  kam  er  nach
Wien;  wo  er  sich  dem  Bildnis  und  detn  GeselFschaftsstiick
widmete.  Im  Jahre  1735  zog  er  nach  Frankfurt  am  Main,  kehrte
aber  nach  einigen  Jahren  wieder  nach  Wien  zurück)  wurde  da
1754  Associierter  der  Akademie.  Seine  kleinen  Bilder  in  Nachahmung ­
  Watteaus  gemacht,  weisen  bessere  Reiclinutig,  als  Farbengebung ­
  auf.  Zwei  seiner  Gesellschaftsstücke  hängen  in  der
Schleißheimer  Galerie,  vier  im  Wiener  Kunsthistörischen  Museum, ­
  andere  in  der  Liechtenstein-  und  in  der  Harrajchgalerie  in
Wien.  Fine  Landschaft  befindet  sich  im  Darmstädter  Museum.
Im  Prager  und  im  Klausenburger  Privatbesitz  befanden  sich
Bilder  von  Jannek,  doch  wissen  wir  nicht,  ob  sie  noch  dort
sind.
(Auffindung  e  nes  Palma-B  Ides.)  Im  Dom  von  Portog
  r  u  a  r  o  wurde  im  Verlaufe  von  Restaurierungsarbeiten  ein
Bild  entdeckt,  das  in  zwei  harmonischen  Gruppen  zehn  Personen ­
  darstellt,  die  durch  die  Vollkommenheit  der-Zeichnung,
den  Farbenreichtum  und  die  Größe  des  Ausdruckes  bewunderungswürdig ­
  sind.  Das  Bild  wird  der  Schule  der  venezianischen ­
  Renaissance  zugeschrieben,  und  zwar  dem  Maler
P  a  1  in  a  dem  )  ii  ngiren.

NUMISMATIK.
(Großer  Münzenfund.)  ln  Wanz  baclt  bei  Kirchdorf
an  der  Krems  wurde“  ein  großer  Münzenfund  gemacht.  Ein
Knecht  sollte  eine  Truhe  zerschlagen,  um  daraus'  Brennholz
zu  machen.  Dabei  stieß  er  auf  ein  Geheimfach,  in  dem  sich
869  Gold-  und  S  ifbermünzen  aus  dem  17.  und  18.
Jahrhundert  befanden.  Die  Münzen  sind  österreichischer  und
deutscher  Herkunft  und  dürften  zur  Franzosenzeit  in  der
Truhe  verwahrt  worden  sein.
(Besitzwechsel.)  Die  Firma  Adolph  F.  Cahn  in  Frankfurt ­
  a.  Main  teilt  uns  mit,  daß  die  Firma  auf  ihre  langjährige
Mitarbeiterin  Frau'Elisabeth  Button  übergegangen  ist.  Frau
Button  wird  dieselbe  unter  dem  Namen  Frankfurter
M  ii  n  z  h  a  n  d  I  11  n  g,  Elisabeth  Button,  weiterführen.
(Eine  Erzherzog  Eugen-Plakette  von  Marschall.)  Die  Wiederkehr ­
  des  Erzherzogs-  Fuge  n  nach  Oesterreich  bot  dem
Professor  Rudolf  M  a  r  schall  in  Wien  willkommene  Gelegenheit, ­
  eine  Erzherzog  E  u  g  e  n  -  P  I  a  k  e  11  e  zu  schaffen. ­
  Es  entstand,  wie  bei  Marschall,  dem  bewährten  Medailleur,
der  Kaiser  und  Päpste  in  unübertroffener  Weise  modelliert  hat,
nicht  anders  zu  erwarten  war,  ein  kleines  Kunstwerk,  das
jeder  Sammlung  zur  Zie'rde  gereichen  wird.  Der  überaus  populäre ­
  Habsburger-Prinz  ist  en  face  im  Marschallsrock  mit  dem
goldenen  Vlies  abgebildet  —  die  Porträttreue  ist  einfach  ver-
            
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