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Nr. 2 
! Yl'KRNATIONALE SAMMLER-ZE1TUNG 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Beelhoven-Brief gesucht) J A. Stargardt in Berlin 
veröffentlicht folgende Anzeige: Mir ist aus einer Sendung nach 
Köln ein Beethove n - B r i e f, eine Seite Queroktav, mit 
Tinte geschrieben, signiert, undatiert, abhanden gekommen. 
Bei Vorkommen bitte ich um Mitteilung! j. A. Stargar dt, 
Berlin W 35. 
(Neunzig Dickens-Briefe.) Aus London wird uns ge 
meldet: 90 vollkommene Briefe von Charles Dickens sind 
aufgetaucht. Ihr letzter Besitzer war Henry A. White, ein 
reicher Börsemakler, der vor einigen Tagen gestorben ist. 
Vorbesitzer war John Leech, einer der Intimen des Dich 
ters, an den sie auch gerichtet waren. Als I.eech starb;, 
schenkte sie seine Witwe einem anderen Freunde von Dickens, 
von dem sie White erwarb. Nun kommen sie in den Han 
del und werden, wenn sie nicht ein Museum kauft, bald 
in alle Winde zerstreut sein. 
(Der letzte Brief Maria Anioineftes.) Aus Paris wird uns 
geschrieben: Vor kurzem lief die Meldung durch die Presse, 
daß in der Bibliothek des Grafen Apponyi der letzte 
Brief Maria Antoinettes gefunden wurde. Der Direk 
tor des französischen Staatsarchivs teilte dem „Temps" mit, 
daß sich das Original im französischen Staats 
archiv befindet. Es wurde von dem gewesenen Mitglied 
des Konvents, Courtois, an Lu d w i g XVIII. veräußert. 
Die Restaurationsregierung ließ diesen Brief gleichzeitig mit 
dem Testament Ludwig XVI. vervielfältigen. Die Nach 
ahmungen, in Frankreich und im Ausland viel verbreitet, sind 
so gut gelungen, daß Besitzer dieser Exemplare sie schon 
wiederholt in gutem Glauben ari ihre Echtheit dem S t a a t s- 
archiv zum Verkauf angeboten haben. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die alpinen Schriften Pius XI.) Die Sektion Mailand des 
Italienischen Alpenklubs hatte anläßlich ihres 50jährigen Be 
standes beschlossen, die alpinen Schriften ihrer hervorragend 
sten Mitgliedes, Dr. Achille Ratti, jetzt Pabsi Pius Xi., zu 
sammeln. Die Ausführung wurde G. Bobba und F. Manra 
Überträgen, die sich ihrer Aufgabe bravourös entledigten. Die 
Schriften liegen nun italienisch, aber auch deutsch vor, da'Leo 
pold von Schlözer sie gleichzeitig ins Deutsche übersetzte. 
Die deutsche Ausgabe ist durch den Verlag Josef Habbel 
in Regensburg zu beziehen. 
(Bryans Maler-Lexikon.) In London wird ein Exem 
plar von Bryans Lexikon der Maler und Stecher, erschienen 
1813- 1816, mit Zugabe von 145 Aquarellen und 167 Autogram 
men zum Kaufe angeboten. Unter den Zeichnungen befinden 
sich Werke von Tintoretto, Rembrandt, van Dyck, Ruysdael, 
Hogarth und Gainsborough. 
(Die deutsche Buchprodukt on.) Nach den statistischen 
Erhebungen, die Ludwig Schönrock im ,,Börsenblatt für 
den deutschen Buchhandel veröffentlicht, betrug die deutsche 
Buchproduktion im Jänner 1937 insgesamt 2595 Veröffent 
lichungen, von denen 2097 auf Erst-auflagen und 498 auf 
Neuau;lagen entfallen. Nach Ländern geo einet erschienen da 
von 2143 im Deutschen Reich, 452 im Ausland. Hier steht 
Oesterreich mit 164 Veröffentlichungen an der Spitze. 
Ls folgen die Schweiz mit 149 und das übrige Ausland 
mit 139 Veröffentlichungen. Der Gesamtkomplex der Neuer 
scheinungen, deren Durchschnittsladeripreis sich auf 4,01 RM 
beläuft, gliedert sich in 1899 Bücher, 664 Broschüren und 32 
Flugblätter. Die schöne Literatur verzeichnet 430 Erscheinun 
gen. Es folgen Religion und Theologie mit 331, Geschichtet, 
Kulturgeschichte und Volkskunde mit 221, Technik und Hand 
werk mit 155, Schulbücher mit 139, Jugendschriften mit 
138, Mathematik und Naturwissenschaften mit 133 und Medizin 
mit 101 Neuerscheinungen. An letzter Stelle stehen Sport, 
Turnen ,Spiele mit 26 Neuveröffentlichungen. 
Verglichen mit dem Jänner vorigen Jahres ist eine Zu 
nahme der Produktion um 520 festzustellen. Besonders stark 
zeigt sich diese Zunahme bei den im Deutschen Reich er 
schienenen Werken. Die Zahl beläuft sich hier auf 489. Der 
Uurcffschnittsladenpreis sank um 31 Pfennig. 
BILDER. 
(Unbekannte Werke Leonardo da Vincis.) Aus Mail and 
wird uns gemeldet: In der Ambrosianischen Pinakothek wird 
demnächst der Saal Leonardo da Vinci eröffnet, der alle 
Meisterwerke des berühmten Künstlers umfassen wird, darun 
ter auch solche, die bis jetzt der Besichtigung nicht 
frei gegeben waren. Die Gemälde und Zeichnungen Leo 
nardos werden von Bildern seiner Schüler umgeben sein. 
(Fehlt ein Bild im Louvre?) Wir lesen in Pariser Blät- 
e.n: Vo. einigen Tagen präsentierte sich ein braver Gen 
darm, der eigens aus der Provinz nach Paris gekommen 
war, beim Direktor des Louvre, um ihm ein aus dem 
Louvre gestohlenes Bild zu übergeben. Der Gendarm er 
zählte, er Sei verlobt und in der Aussteuer seiner Braut befand 
sich ein kostbares Bild, ein Geschenk des Schwiegervaters an 
seine Zukünftige. Der Schwiegervater aber rühmte sich, dieses 
Bild, das Porträt eines Pfeife rauchenden Mannes, vor ein paar 
Jahren aus dem Louvre entwendet zu haben. Das Bild erwies 
sich als ein sehr gutes, unsigniertes Porträt des 17. Jahrhun 
derts. Nun sind ‘ im Louvre die Bilder nicht nach Sujets 
klassiert — trotzdem konnte man bald feststellen, daß seit 
dem Diebstahl der Mona Lisa kein Bild entwendet worden war. 
Bleibt also nur die Vermutung übrig, daß der stehlende 
Schwiegervater das Bild irgendwo anders gestohlen hat und 
aus purer Renommisterei behauptet, es im Louvre gestohlen 
zu haben. - So weit kann Eitelkeit führen... 
(Gemälde von Bartoni gestohlen.) Aus R o m wird uns 
berichtet: Sieben wertvolle Gemälde Matteo Bartonis wurden 
aus der Kapelle Duomo di Toscania in Viterbo gestohlen. 
Die Bilder befanden sich über dem Hochaltar und stellten ver 
schiedene Szenen des Leidens Christi dar. Man nimmt an, 
daß die Diebe die Bilder nach den Vereinigten Staaten zu 
bringen versuchen werden, wo hohe Preise für die Werke 
der frühesten italienischen Meister bezahlt werden. 
(39 Biider verbrannt.) Aus W a r s c. h a u wird uns ge 
schrieben: Von einem furchtbaren Unglück wurde der hier 
sehr geschätzte Maler Szczyg. linski betroffen. In sei 
nem Atelier brach ein Brand aus, der d r e iß i g von ihm ge 
malte und für eine Ausstellung vorbereitete Bilder vernichtete. 
EXLIBRIS. 
(Zwei Sammlungen.) Im Rahmen der Versteigerung des 
dritten Teiles der Sammlung Franz Trau, die Gilhofer 
und Ranschburg in Wien am 10. und 11. März ab 
hielten, erzielte eine sehr schöne, 330 Exlibris in Holzschnitt 
und Kupferstich umfassende Sammlung von österreichischen 
und süddeutschen Exlibris, zumeist von Adeligen, Klöstern 
und Gelehrten des 16. bis 19. Jahrhunderts 500 Schilling. 
Eine "Sammlung von 29' Exlibris "in" Kupferstich, 17. 'und 18. 
Jahrhundert .brachte 120 Schilling. 
HANDSCHRIFTEN. 
(Dirmsteins Handschriften.) Aus Frankfurt a. M. be 
uchtet man uns: Unsere Stadtblbliöthek hat die berühmten 
Handschriften des Frankfurter Goldschmieds Hans Dirm 
stein, die über ein Jahrhundert verschollen waren, erwor 
ben. Es sind zwei Bände mit drei Dichtungen in deutscher 
Mundart, in denen die Legenden von sieben weisen Meistern, 
die Helden Morolf und Morolf und der ungeschlachte Tölpel 
behandelt werden. Dirmstein lebte in der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts. Er wurde kunstgeschichtlich durch die Re 
liquienbüste des Id. Petrus bekannt, die sich in der Stifts 
kirche zu Aschaffenburg befindet. Die bunten, von der Hand 
Dirmsteins herrührenden Bilder der beiden Bände zeigen 
ler Zeit ihrer Entstehung entsprechend recht blutrünstige 
Darstellungen, aber urdeutsche Bauerntypen. 
(Pagan'ni-Manuskript gefunden.) Der Schuhmacher Ana- 
eleo Focchi in Parma, der auch mit alten Büchern und 
Schriften handelt, kaufte um drei Lire ein Paket alter 
Noten, unter welchen sich ein zerschlissenes Manuskript be 
fand, das die Experten als die Urschrift von Paganinis 
viertem Konzert erkannten. Das Werk wird anläßlich der 200. 
Wiederkehr des Todestages des berühmten Cremoneser Gei 
genbauers Stradivari diesen Sommer in C re m o n a zur 
Aufführung gelangen. 
NUMISMATIK. 
(Ein römischer Goldmünzenschatz,) Im Rheinischen Lan 
desmuseum zu T riet- befindet sich ein kostbarer Schatz 
römischer Goldmünzen, der zwar schon im Jahre 19)9 in 
1 rier aufgefunden worden ist, über den aber jetzt erst eine 
-genauere Veröffentlichung von Georg Elsner und Paul 
Meiner erfolgt. Römische Goldmünzen sind bisher in deut 
schen Ländern sehr selten; um so größere Beachtung verdient 
diese Sammlung von insgesamt 24 Goldmünzen, die ausnahms 
los sehr gut erhalten sind. Der Schatz wurde bei Kanali 
sierungsarbeiten in einer Trierer Straße gefunden. Er enthält 
nur „Aurei", die häufigsten römischen Goldmünzen vom 
ersten bis dritten Jahrhundert n. Chr. Diese Goldmünze hatte 
theoretisch ein Gewicht von etwa 7 1 /, Gramm, das aber selten
	        
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