Nr. 6
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
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suchen begann, aber nicht immer das gleiche Glück
hatte, wie der Tiroler Medizinmann.
Der Katalog verzeichnet sie alle und es wäre*,
schwer, sie im Rahmen eines Artikels alle aufzuzählen.
Eines der vielen reizenden Stücke zeigt unsere
Abbildung (Fig. 3). Es ist eine spätgotische
Tür, die im fünfzehnten Jahrhundert in Tirol erzeugt
wurde. Der Katalog faßt die Beschreibung in folgende
Worte zusammen: ,,Türstock mit Schnitzwerk, Rankenfriese
in Flachsehnitt, Türflügel mit reichem Eisenbeschlag,
auf der anderen Seite geschnitztes Maßwerk,
geschmiedeter Türgriff und Ranken und Rosetten, geschweifter
Schloßbeschlag. Die Türbekrönung mit
Zinnen, eine jüngere Zutat. Höhe der Türöffnung
175 cm, lichte Weite der Tür 128 cm.“
Reich vertreten sind in der Sammlung Posselt
effektvolle Bilder des späten 15. und 16. Jahrhunderts.
Besonders hervorgehoben seien die Werke aus
dem Pacherkreise, darunter als wichtigstes eine kleine
Andachttafel des Meisters von Ottenheim, Christus
und Thomas darstellend, auf der sich nach der Sitte
der Zeit der geistliche Auftraggeber verewigt hat.
Professor Posselt sammelte auch Tafelbilder und
Glasgemälde, sowie Zinn. Interessenten werden auf
vieles stoßen, das sie gern in ihre Sammlungen aufnehmen
würden. Wir nennen nur das Glasgemälde aus
dcrZeit um 1450, das im Hintergrundmuster Aehnlichkeit
mit den Scheiben von St. Johann in der Weitau
aufw'eist und die hübschen Zinnhumpen. Unter den
wertvollen Büchern, die die Reihen der diversen Kunstgegenstände
unterbrechen, sind seltene Inkunabeln und
die von Dürers Lehrern Wolgemut und Pleydenwurff
illustrierten Exemplare von Schedels Chronik, einige
alte Austrica, eine Kosmographie von Münster und
gesuchte Kräuterbücher.
Dem Posselt’schen Kunstbesitz sind noch aus anderem
Privatbesitz Gemälde, Graphik, Möbel, Porzellan,
Glas und verschiedene Antiquitäten beigegeben.
Unter den Gemälden sind zwei bedeutende frühe
italienische Werke, ,.Thronende Justitia“ von dem
Venezianer Lazzaro Basti ani (1470 bis 1508), und
das „Christushaupt“ von Soddoma, dem von Leonardo
und Raffael günstig beeinflußten Sienesen.
Außer diesen Hauptwerken möchten wir schließlich
noch auf das kunsthistorisch wichtige Gemälde
„Das jüngste Gericht“ von Pieter Pieters z, dem
seltenen Doppelgänger Pieter Aertens und Beukelaers,
und auf die „Enthauptung des Täufers“ von
Carlo C a r 1 o n e, dem in Süddeutschland und Oesterreich
stark vertretenen oberitalienischen Kirchenmaler,
hin weisen.
Fig, 3. Spätgotische Tür, Tirol, 15. J.
Erst- und Liebhaberausgaben.
Aus Paris wird uns berichtet:
Die letzten zwei Wochen waren vornehmlich mit
Bücherauktionen ausgefüllt. Die bedeutendste war die
des verstorbenen Präsidenten des Kassationshofes
Victor Mercier, die Etienne Ader im Hotel Drouot
durchführte.
Mercier hatte Erstdrucke aus dem Anfang des
19. Jahrhunderts und Liebhaberausgaben gesammelt
und eine Collection zusammengebracht, die ihresgleichen
suchte. Der Zustrom zur Auktion war denn auch
ein sehr großer und die Preise demgemäß hoch, na
mentlich die Werke von Stendhal brachten Summen,
die dem Dichter unvorstellbar erschienen wären.
Für seine „Italienischen Reisebücher“ zahlte ein
Liebhaber 10.000 Fr. für die „Memoires d’un Touriste“
mit dem Testamente Stendhals 24.000, „La Chartreuse
de Tanne“ 20.000 Fr. Den Höhepunkt bildete
aber der Erstdruck seines berühmten Romanes „Le-Rouge
et le Noir“ (1831, 2 Bände), der auf 70.000
Fr. hinauflizitiert wurde.
Von den Büchern Alfred de M u s s e t s brachte
die erste Ausgabe von „L’habit vert“, das seinerzeit
um — 60 Centimes auf den Markt kam, 2700 Francs.
„Lelia“ von George Sand ging mit 10.000 Fr. fort.
Von den Büchern Balzacs erreichten „Etudes de
moeurs au XIX. siede“ 17.100, „Les centes contes
drölatiques“ 11.000, „Ursule Mirouet“ 6100“ Fr. Das