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MAK

Full text : Jahrgang 29 (1937) (6)

Nr.  6

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Seite  67

suchen  begann,  aber  nicht  immer  das  gleiche  Glück
hatte,  wie  der  Tiroler  Medizinmann.
Der  Katalog  verzeichnet  sie  alle  und  es  wäre*,
schwer,  sie  im  Rahmen  eines  Artikels  alle  aufzuzählen. ­
  Eines  der  vielen  reizenden  Stücke  zeigt  unsere ­
  Abbildung  (Fig.  3).  Es  ist  eine  spätgotische
Tür,  die  im  fünfzehnten  Jahrhundert  in  Tirol  erzeugt
wurde.  Der  Katalog  faßt  die  Beschreibung  in  folgende
Worte  zusammen:  ,,Türstock  mit  Schnitzwerk,  Rankenfriese ­
  in  Flachsehnitt,  Türflügel  mit  reichem  Eisenbeschlag, ­
  auf  der  anderen  Seite  geschnitztes  Maßwerk,
geschmiedeter  Türgriff  und  Ranken  und  Rosetten,  geschweifter ­
  Schloßbeschlag.  Die  Türbekrönung  mit
Zinnen,  eine  jüngere  Zutat.  Höhe  der  Türöffnung
175  cm,  lichte  Weite  der  Tür  128  cm.“
Reich  vertreten  sind  in  der  Sammlung  Posselt
effektvolle  Bilder  des  späten  15.  und  16.  Jahrhunderts. ­
  Besonders  hervorgehoben  seien  die  Werke  aus
dem  Pacherkreise,  darunter  als  wichtigstes  eine  kleine
Andachttafel  des  Meisters  von  Ottenheim,  Christus
und  Thomas  darstellend,  auf  der  sich  nach  der  Sitte
der  Zeit  der  geistliche  Auftraggeber  verewigt  hat.
Professor  Posselt  sammelte  auch  Tafelbilder  und
Glasgemälde,  sowie  Zinn.  Interessenten  werden  auf
vieles  stoßen,  das  sie  gern  in  ihre  Sammlungen  aufnehmen ­
  würden.  Wir  nennen  nur  das  Glasgemälde  aus
dcrZeit  um  1450,  das  im  Hintergrundmuster  Aehnlichkeit
  mit  den  Scheiben  von  St.  Johann  in  der  Weitau
aufw'eist  und  die  hübschen  Zinnhumpen.  Unter  den
wertvollen  Büchern,  die  die  Reihen  der  diversen  Kunstgegenstände ­
  unterbrechen,  sind  seltene  Inkunabeln  und
die  von  Dürers  Lehrern  Wolgemut  und  Pleydenwurff
illustrierten  Exemplare  von  Schedels  Chronik,  einige
alte  Austrica,  eine  Kosmographie  von  Münster  und
gesuchte  Kräuterbücher.
Dem  Posselt’schen  Kunstbesitz  sind  noch  aus  anderem ­
  Privatbesitz  Gemälde,  Graphik,  Möbel,  Porzellan, ­
  Glas  und  verschiedene  Antiquitäten  beigegeben. ­
  Unter  den  Gemälden  sind  zwei  bedeutende  frühe
italienische  Werke,  ,.Thronende  Justitia“  von  dem
Venezianer  Lazzaro  Basti  ani  (1470  bis  1508),  und
das  „Christushaupt“  von  Soddoma,  dem  von  Leonardo ­
  und  Raffael  günstig  beeinflußten  Sienesen.
Außer  diesen  Hauptwerken  möchten  wir  schließlich ­
  noch  auf  das  kunsthistorisch  wichtige  Gemälde
„Das  jüngste  Gericht“  von  Pieter  Pieters  z,  dem
seltenen  Doppelgänger  Pieter  Aertens  und  Beukelaers,
  und  auf  die  „Enthauptung  des  Täufers“  von
Carlo  C  a  r  1  o  n  e,  dem  in  Süddeutschland  und  Oesterreich ­
  stark  vertretenen  oberitalienischen  Kirchenmaler,
hin  weisen.

Fig,  3.  Spätgotische  Tür,  Tirol,  15.  J.

Erst-  und  Liebhaberausgaben.

Aus  Paris  wird  uns  berichtet:
Die  letzten  zwei  Wochen  waren  vornehmlich  mit
Bücherauktionen  ausgefüllt.  Die  bedeutendste  war  die
des  verstorbenen  Präsidenten  des  Kassationshofes
Victor  Mercier,  die  Etienne  Ader  im  Hotel  Drouot
durchführte.
Mercier  hatte  Erstdrucke  aus  dem  Anfang  des
19.  Jahrhunderts  und  Liebhaberausgaben  gesammelt
und  eine  Collection  zusammengebracht,  die  ihresgleichen ­
  suchte.  Der  Zustrom  zur  Auktion  war  denn  auch
ein  sehr  großer  und  die  Preise  demgemäß  hoch,  na
mentlich  die  Werke  von  Stendhal  brachten  Summen, ­
  die  dem  Dichter  unvorstellbar  erschienen  wären. ­

  Für  seine  „Italienischen  Reisebücher“  zahlte  ein
Liebhaber  10.000  Fr.  für  die  „Memoires  d’un  Touriste“
mit  dem  Testamente  Stendhals  24.000,  „La  Chartreuse ­
  de  Tanne“  20.000  Fr.  Den  Höhepunkt  bildete
aber  der  Erstdruck  seines  berühmten  Romanes  „Le-Rouge
  et  le  Noir“  (1831,  2  Bände),  der  auf  70.000
Fr.  hinauflizitiert  wurde.
Von  den  Büchern  Alfred  de  M  u  s  s  e  t  s  brachte
die  erste  Ausgabe  von  „L’habit  vert“,  das  seinerzeit
um  —  60  Centimes  auf  den  Markt  kam,  2700  Francs.
„Lelia“  von  George  Sand  ging  mit  10.000  Fr.  fort.
Von  den  Büchern  Balzacs  erreichten  „Etudes  de
moeurs  au  XIX.  siede“  17.100,  „Les  centes  contes
drölatiques“  11.000,  „Ursule  Mirouet“  6100“  Fr.  Das
            
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