Seite 84
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 7
des in großer Menge gefälschte Gemälde verkauft werden,
die die Namenszüge- bekannter Maler trugen. Die Behörden
leiteten umfassende Erhebungen ein, um die Fälscher auszuforschen,
und es konnte ein Mitglied der Fälscherbande,
der Bilderagent Ignaz Fried mann, von der Kaposvarer
Polizei ciuiert und verhaftet werden. Friedmann wurde nach
Budapest gebracht und einem Verhör unterzogen. Fr gab
zu Protokoll, daß er die Gemälde von Zöglingen der Budapester
Malerakademie und von Pfuschern habe malen lassen.
Die Zöglinge hätten unter die Gemälde die Bezeichnung
,,Kopie" gesetzt, er aber habe dieses Wort übermalt
und die Bilder als Originalkunstwerke in den Handel gebracht.
Fr wollte durch seine Manipulationen den völlig unbemittelten
Zöglingen der Malerakademie helfen, denen er für
das Kopieren eines Bildes 15 bis 20 Pengö zahlte. Vor Gericht
hielt er sein Geständnis aufrecht, machte aber drückende
Not als Motiv geltend. Fr wurde wegen Betruges zu sieben
Monaten Kerkers verurteilt, wobei der Richter als erschwerend
annahm, daß Friedmann durch seine Fälschungen dem
Ansehen der ungarischen Künstlerschaft geschadet habe.
EXLIBRIS.
(Auktion in Prag,,) Vom 2. bis 4. Juni findet bei Kare!
Zink in Prag eine Auktion von Exlibris statt. Es kommt
die geschlossene Sammlung des Chefredakteurs J. D lall
a c zum Ausgebot, die neben Radierungen seltene Blätter
der ersten europäischen Sammler, Luxusblätter, Meisterwerke
hervorragender Graphiker und Exlibris-Künstler enthält.
MEDAILLEN.
(Eine Benesch-Medaitle.) Zur Erinnerung an die Wahl des
Dr. Eduard B e n e s c h zum Präsidenten der tschechoslowakischen
Republik, wird in der staatlichen Münze in K r e rm
nitz nach einem Entwurf von J. Sejnost eine Gedenkmedailie
geprägt.
PHILATELIE.
(Schwedische Delaware-Marken,) Zur Feier des 300jährigen
Bestandes der schwedischen Niederlassungen in Delaware
gibt Schweden eine Markenserie von 6 Werten aus. Die
5 Oere-Marke wird die alte schwedische Kirche in Witmington
darstellen, die 10 Oere auf die Verhandlungen des
Gouverneurs Johann Printz mit den Indianern Bezug haben.
Die 15 Oere wird die Abfahrt der Auswandererschiffe
„Vogel Greif" und „Schlüssel von Kalmar" von Göteborg
am 20. November 1637, die 20-Oere die Landung in Amerika,
die 30-Oere die Kaufverhandlungen zwischen den Schweden
und Wilhelm Penn und die 50-üere-Markc das Bildnis
des schwedischen Pfarrers Campanius, der einen Katechismus
für die Indianer herausgegeben hat, zeigen. Außerdem
werden besondere Postkarten mit bezahlter Rückantwort
herausgegeben, die speziell für die Korrespondenz
zwischen schwedischen und amerikanischen Schulkindern bestimmt
sind.
Die schwedische Münze prägt aus Anlaß des Jubiläums
eine Gedenkm ü n z e in einer Auflage von 500.000 Stück,
von der die Hälfte in Amerika zur Ausgabe gelangen wird.
(Zum 25jährigen Regierungsjubiläum Christians X.) ist in
Dänemark eine Sonderausgabe von 4 Werten mit dem
Bildnis des Königs erschienen, und zwar 5-Oere grün, 10-Oere
braun, 15-Ocre rot und 30-Oere blau.
(250.000 Lire für eine Marke von Parma.) In Genua
wurde für ein vortrefflich erhaltenes abgestempeltes Exemplar
der olivgrünen 80 Centesimi-Marke, die irn August 1854 von
der provisorischen Regierung in Parma ausgegeben wurde,
200.000 L i r e gezahlt. Von dieser Marke kennt man im
ganzen vier Exemplare, zwei mit dem Datum 15. Dezember
1859 und zwei mit dem Datum 17. Dezember 1859.
Fs scheint, daß diese Ausgabe nur in sehr wenigen Exemplaren
hergestellt wurde und auch nur ganz kurze Zeit in Verwendung
stand. Von diesen Exemplaren war eines seit geraumer
Zeit bekannt. Ein zweites Exemplar wurde in der
Sammlung Ferrari entdeckt, die die französische Regierung
aut Reparationskonto versteigern ließ. Es war ein sehr stark
beschädigtes Exemplar. Das dritte Stück dürfte aus dem
Auslande gekommen sein, doch ist auch dieses Exemplar
in einem sehr schlechten Zustande. Die Marke, von der
hier die Rede ist, wurde durch einen Zufall in einer kleinen*
äußerst bescheidenen Sammlung in Genua entdeckt. Der Besitzer
zeigte eines Tages die Sammlung einem Fachmann
und man kann sich seine Freude vorstellen, als er von
ihm hörte, was für einen Schatz er in seiner ansonst fast
wertlosen Sammlung besitzt.
(Sonderstempel.) In der Hygiene-Ausstellung im Messepaläst
in Wien amtiert (bis Ende Juni) ein Postamt, das
die dort aufgegebenen Briefschaften mit einem schön ausgeführten
Sonderstempel versieht. — In der Liliputstadt im
Wiener Prater verwendet ein Sonderpostamt einen Sonderstempel
mit folgender Inschrift: „Märchenreich Liliputanien
Wien Ii. Prater". — in Prag wurden am 22. und 23. Mai
an einem besonderen Schalter des Postamts I die Briefsendungen
mit einem grünen Sonderstempel versehen, der die Inschrift
„Praha 1 Celostatni sjezd republikanskeho Dorostu"
trug. Vom 22. bis 30. Mai erhielten beim Postamt Prag 83
die Briefsendungen einen grünen Stempel mit der Aufschrift
„Praha 83 — tlospodafska vystava". — Vom 24. Mai bis
6. Juni stempelt das Postamt Brünn II. Briefsendungen
mit einem grünen Poststempel ab, der „Brno 2 20 let
pesiho pluku 10 J.S. K." lautet.
(Der Streit um die teuerste tschechoslowakische Marke.)
Wir lesen in der „Prager Presse": Nun wurde durch einen
Vergleich der Streit um die teuerste tschechoslowakische Marke
beendet. Es handelt sich um eine österreichische Marke mit
dem Ueberdruck der tschechoslowakischen Post im Werte
von 10 Kc, die ein Philatelist vor mehreren Jahren in einer
Markenhandlung gekauft hatte. Die ursprüngliche Annahme,
die große Aufregung hervorgerufen hatte, daß die Marke
bei einer Ausstellung ausgetauscht worden sei, erwies sich
als unrichtig, doch haben Sachverständige später nachgewiesen,
daß der L'eoerdruck gefälscht worden war. Bei der
Verhandlung kam es zu einem Vergleich, als sich der selbst
wesentlich geschädigte Markenhändler verpflichtete, dem Kläger
5800 Kc zu ersetzen.
(Briefmarkendicbstahl.) ln Aussig wurde das Briefmarkengeschäft
Pekar in der Bata-Passage ausgeraubt. Es
wurden Marken im Werte von 83.000 Kronen gestohlen, darunter
wertvolles Alt-Oesterreich-Material. Die wertvollsten Marken
tragen auf der Rückseite in einem Kreis die Signatur
V. P Vor kurzem wurde in ähnlicher Weise ein anderes Aussige
r Briefmarkengeschäft bestohlen.
VERSCHIEDENES.
(Ein Dcscartes-Jubiläum,) Anläßlich der 100. Wiederkehr
des Erscheinungstages von Descartes „Discours de la
methode" ließ die „Academie des Sciences morales et politique"
von P. Turni eine Medaille hei stellen, auf deren
Vorderseite das Bild des Philosophen zu sehen ist. Auf
der Rückseite ist der Baum der cartesianischen Philosophie
dargestellt.
Die französische Postverwaltung hal aus demselben Anläße
eine Briefmarke mit dem Bilde des Philosophen ausgegeben,
doch ist ihr dabei das kleine, vielbelachte Malheur
passiert, daß sie den Titel des jubilierenden Werkes
nicht ganz richtig wiedergegeben hat. Er lautet nämlich
richtig: „Discours de la methode", während auf der Marke
„Discours sur la methode" steht.
(Tod bekannter Sammler.) In N e w y o r k ist 80jährig
Henry Goldman gestorben, der zu den größten Bildersarnmlern
Amerikas getiörte. Seine Sammlung umfaßt Werke
von Giotto, Gentile da Fabriano, Masolino, Tizian, Petrus
Christus, Holbein, Rubens, Rembrandt, van Dyck, Hals u. a
(Französische Kunstausstellung in Berlin.) In der Akademie
der Künste am Pariser Platz findet im Juni und Juli
eine Ausstellung französischer Kunst der Gegenwart statt,
deren Schirmherrschaft Ministerpräsident Generaloberst G ö -
ring und der französische Botschafter Poncet übernommen
haben. Die Ausstellung wird Werke der Malerei, Zeichnungen
und Graphik von allen bedeutenden heute lebenden französischen
Malern umfassen, ferner eine gewählte Kollektion
moderner französischer Bildhauerarbeiten. Die Eröffnung erfolgt
voraussichtlich in den ersten lägen des Juni. Die Ausstellung
bleibt bis gegen Mitte Juli geöffnet.
(Große Ausstellungen in Oberitalien.) Der Prinz von Piemont
hat in M a n t u a die Gonzaga-Ausstellung eröffnet, die
Meisterwerke von Leonardo, Raffael, Mantegna, Tizian, Pisanello
und Rubens umfaßt. — Anschließend begab sich
der Prinz von Piemont nach Cremona, wo er die Ausstellung
antiker und moderner Saiteninstrumente eröffnete.
VOM KUNSTMARKT.
(Kunstwerke aus den Beständen der Staatlichen Museen
in Berlin,) Die Auktion von Kunstwerken aus dem
Besitze der Staatlichen Museen in Berlin bei
Julius Böhler, München, Briennerstraße 12, mußte um acht
Page auf den 9, und 10. Juni verschoben werden. Die Ausstellung
wurde demgemäß bis zum 7. Juni verlängert.
(Versteigerung bei Dr. Hauswedell.) Aut der am 27. April
bei Dr. Ernst Hauswedell in Hamburg abgehaltenen
Auktion herrschte für die Autographen starkes Interesse,
Das Stammbuch mit den drei Eintragungen Bismarcks