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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 8
Chronik.
AUTOGRAPHEN.
(Briefe der Kaiserin Josefine.) In der Budapester Bi
bliothek des Fürsten Festetics wurden 14 bisher un
bekannte Briefe der Kaiserin Josef ine aufgefunden. Sie
sind an den Großherzog von Baden gerichtet, dessen Nichte
Stephanie von Beauba.rnis war. Die Großmutter des- Für
sten Festetics war .eine Finkelin des Großherzogs von Baden
und durch sie gelangten die Briefe wohl in die Bibliothek
des Fürsten.
BIBLIOPHILIE.
(Bibliothek des Prager Nationalmuseums,) Josef V o 1 f,
der kürzlich heimgegangene vortreffliche Direktor der Biblio
thek des Prager Nationalmuseums, hat in dem bisherigen Lei
ter, der Musikabteilung der Bibliothek Dr. Fmil Axman einen
würdigen Nachfolger erhalten.
(Das größte Buch der Welt.,) Di? Universität . in Kali
fornien hat das umfangreichste Burhwerk der Welt erworben,
die sogenannte T Aisho-Ausgabe der Tripitaka, in der alle
wichtigsten buddhistischen Werke enthalten sind. Die Aus
gabe umfaß; nicht weniger als 2184 Einzelwerke, die rund
1000 Jahre literarischer Arbeit repräsentieren: sie enthält
13.520 Kapitel und ISO Millionen chinesischer Ideogramme.
Von den insgesamt 100 Bänden enthalten elf nur Bilder
von Gottheiten des buddhistischen Pantheoner - insgesamt
015 Stück..
BILDER.
(Washington baut Gebäude für A, W. Mellons Bilder.)
Andrew W. Mell o n, der ehemalige amerikanische Finanzmi
nister und Alüminiummagnat, einer der reichsten Männer Ame
rikas, hat vor kurzem seine Bildergalerie, im Werte von 50
Millionen Dollar dem Staate geschenkt. Er war ein Jugend
freund des bekannten Kunstsammlers Fr ick und beide began
nen gemeinsam am Anfänge ihrer finanziellen Karriere die
Bilder zu sammeln, ohne damals daran zu denken, daß sie
damit den Grundstein zu einer der größten kulturellen Grün
dung Amerikas legten. Da Mr. .Mellon bereits 82 Jahre
alt Lt, beeilt sich der Staat mit dem Bau, damit der Spender
noch die Einweihung erlebt. Die Galerie wird ganz aus
Marmor errichtet. Mellon hat hiefür den Betrag von 10 Millio
nen Dollar bestimmt, aber die Baukosten dürften wahrschein
lich noch höher sein.
(Der Roman eines Bildes.) Der Tod des Malers Paul
Clptbas, der aus Paris gemeldet wird, ruft die Erin
nerung an sein Bild „Septembermorgen'' wach, durch das
er bekannt wurde. Eine Anzahl ■ Pariser Künstler veranstaltete
im. Jahre 1910 eine Ausstellung, in der auch ein Bild zu
sehen war,, das ein bis zu den Knöcheln im Wasser stehendes
nacktes Mädchen darstelite. Das Bild, von seinem Schöpfer, dem
damals noch unbekannten Paul Chafaas, „Septembermorgen 1 ' be
nannt, erregte großes Aufsehen. Der „König der Impre
sarios", der Amerikaner Harry Reich enbach, nahm das
Gemälde mit.nach Amerika und begann die Reklametrommel dafür
zu rühren. Bevor sich für das Bild ein Käufer gefunden hatte,
brachte der damalige Führer der Puritaner, Anthony Com-
s t o k, eine Verwahrung gegen die öffentliche Schaustellung
des Bildes ein, das er als unmoralisch bezeiclmete. Um
diese Behauptung entspann sich in der Folge ein großer
Streit, der von einem unvorhergesehenen Erfolg gekrönt
wurde. Die Amerikaner, durch den Streit aut das Gemälde
aufmerksam geworden, wollten natürlich von dem heißutn-
strittenen Bild Reproduktionen besitzen und es wurden Massen
solcher hergestellt, die reißenden Absatz fanden. Das Ori
ginal erwarb ein russischer Millionär namens Louis Manta-
scheff um 10.00D Dollar. Von diesem kaufte es später der
Pariser Millionär Guibenkian für seine Bildersammlung.
Zu dieser Zeit schrieb ein französisches Blatt, daß das
Mädchen, das dem Maler- als Modell diente, in Paris lebe und
hungere. Diese Beschuldigung veranlaßt« Ohabas, zur Ver
öffentlichung des Trauscheines seines Modells, aus dem her
vorging, daß das Mädchen die Gattin eines vermögenden
Fabrikanten geworden war.
EXLIBRIS.
Ausstellung in Rotterdam.) In Rotterdam ist bei De
Bijenkorf die interessante Exlibris-Sammlung des bekann
ten Haager Amateurs Johan Ir. Eng. Strens ausgestellt.
Schwenk e, der Historiograph des holländischen Bücherzei-
chens, der auch kürzlich eine Monographie des englischen Ex
libris herausgegebeh hat, ist. der Verfasser des Kataloges, dem
wissenschaftlicher Wert eignet.
HANDSCHRIFTEN.
(Die erste mongolische Handschrift ) Aus Moskau wird
berichtet: Das korrespondierende Mitglied der Akademie der
Wissenschaften der SSSR N. N. Poppe hat die Erforschung
einer aus dem 14. Jahrhundert stammenden, auf Birkenrinde ge
schriebenen mongolischen Handschrift beendet, die 1935 bei
Ausgrabungen am Unterlauf der Wolga gefunden wurde. Die
Handschrift enthält einen Versdialog zwischen Mutter und
Sohn. Der Fund besitzt großen wissenschaftlichen Wert, da
es sich um die erste Handschrift in mongolischer Sprache
handelt, die auf dem Gebiet des Reiches der Goldenen
Horde gefunden wunde. Ein anderer Teil der gefundenen Hand
schrift, der in Uigurensprache abgefaßt ist, wurde vom Leiter
des Institutes für Orientforschung bei der Akademie der Wis
sen schäften der SSSR., S a moilöwits.c h, erforscht. Der
uigurische Teil der Handschrift enthält Fragmente epischer
Dichtungen, leider sind die meisten Seiten infolge ihres Alters
derart beschädigt, daß man nur einzelne Worte entziffern
kann.
(Eine unbekannte Partiiur von Haydn.) Das Prager Blä
serquintett gastierte im April in Deutschland und in Italien.
Nun erhielt es von dem Univ.-Prof. Dr. Sandberger in
München als Geschenk eine bisher unbekannte Partitur eines
Bias-Sextettes von Havdn. Sandberger, der als Musikforscher
einen Namen hat, erklärt in einem Schreiben, daß er von
dem Spiel des Bläserquintetts in San Remo so entzückt ge
wesen sei, daß er als Dank für den Genuß die Partitur
schicke.
PHILATELIE.
(Die Versteigerungen im Juni.,) Die zweite Junihälfte
bringt eine größere Anzahl von Briefmarken-Versteigerungen.
In W Le n hält das D orotheum am 15., 18., 22., 25. und 29.
Auktionen ab. In I. e i p z i g veranstalten die Gebrüder Senf
am 17. und 18. ihre 32. Auktion. — In London finden am
17. und 18. Juni Versteigerungen bei Plumridge & Co.,
am 17. und 81. bei 11 a r rn e r, Rooke & Co., und am 21.
und 22. und vom 28. bis 30. Juni bei H. R, Harm er statt 1 .
(Das 100 jährige Jubiläum der Donaudampfschiffahrts-Ge-
sellschaft ) Die von uns angekündigten Gedenkmarken zum
100 jährigen Jubiläum der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft
sind am 9. Juni ausgegeben worden. Es sind drei Werte zu
12, 24 und 64 Groschen, die drei Schiffstypen aus Vergangen
heit und Gegenwart zeigen. Die Werte zu 12 und 24 Groschen
sind in einer Auflage von 2>/ a Millionen, der 64 Groschenwert
in einer solchen von lyV Millionen erschienen. Bis zum 29. Juni
werden auf den Donnmlampfern „Franz Schubert", „Johann
Strauß", „Schönbrunn", „Habsburg', „Babenberg", „Sophie"
und „Budapest" Sonderpostämter fungieren, die Briefe mit Ju
biläumsmarken mit einem Sonderstempel versehen, der
in Flaggenform gehalten ist und den Namen des betreffenden
Schiffes mit Jubiläumsaufschrift trägt.
(Briefmarken auf der Reichenberger Messe.) Die Reichen
berger Messe hat sich als erste Messe dazu entschlossen, das
Gebiet „Briefrn arken“ offiziell in das Programm ihrer
alljährlich stattfindenden Sonderveranstaltungen einzubeziehen.
Sie veranstaltet demzufolge unter Mitwirkung des tschechoslo
wakischen Postministeriums, des „Deutschen Philätefistenver-
bandes in der Tschechoslowakei" und des „Verbandes deutscher
Briefmärkenhändler in der tschechoslowakischen Republik" im
Rahmen ihrer diesjährigen Messe, 15. bis 22. August, die
i. tschechoslowakische Briefrn arken -Mess e
und -Ausstellung. Sowohl der tschechische Brrefmarken-
Sammierverband, als auch der Händlerverband wurden zur
Mitwirkung eingeladen. Für die Unterbringung steht ein großes
und modernes Schulgebäude innerhalb des Messegeländes zur
Verfügung.
Der Zweck dieser Briefmarken-Messe und -Ausstellung ist
ein vielfacher. Sie soll in erster Linie der Philatelie neue Freun
de zuführen und diesen Anregungen über die Art und die
Möglichkeiten des Aufbaues einer Briefmarkensammlung geben.
Des weiteren soll sie neben hervorragenden Ergebnissen allge
meiner Sammeltätigkeit verschiedene Spezialgebiete des Sam
melns aufzeigen, die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung
des Gebietes „Briefmarken" zum Ausdruck bringen, internatio
nale Verbindungen sowohl zwischen Sammlern, als auch Händ
lern hersteilen und fördern, die Bedeutung der Fachorganisa
tionen und der Fachpresse veranschaulichen, Gelegenheit zu
Ankäufen auf Grund eines umfassenden Angebotes vermitteln
usw. Auch soll der Werdegang einer Briefmarke gezeigt und
unter Beweis gesteht werden, daß sich die. tschechoslowakischen
Briefmarken mit Recht größter Beliebtheit in den Kreisen der
internationalen Sammlerwelt erfreuen. Bei dem steigenden In-