INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Seite 31
Nr. 3
253 Luzern, 20 Francs 1807 100
■267 Brasilien, 10.000 Reis 1726 Minas 92
287 6400 Reis, 1832 82
294 Columbia, Platinum Onza 1801 190
306 Baren bürg Dukat, Ungarischer Typus 68
536 10-Gulden 1610, Notmünze von Jülich 210
708 Breslauer Taler 1629 ' 11
736 Desgl., 1544 12.50
Chronik
AUTOGRAPHEN.
(Der echte Brief Napoleons IIS. an Wilhelm I.) Aus Paris
wird uns geschrieben: Kaiser Napoleon III. hat bekanntlich
nach der für ihn unglücklichen Schlacht von Sedan an Kaiser
Wilhelm I. einen” Brief gerichtet, in dem er an dessen
Ritterlichkeit appellierte. Dieser Brief kam später in das Staats
archiv in Berlin, wo er sich noch heute befindet. Wie groß
war daher das ' Frstauneri der Sammler, als kürzlich in
Amiens die Versteigerung dieses Briefes angekündigt wurde.
Aber es sollte noch schöner kommen. Bald meldeten sich
drei Sammler in Frankreich, die erklärten, im Besitze des
echten Briefes zu sein, das in Amiens ausgebotene Stück könne
nur eine Kopie oder ein Falsifikat sein. Knapp vor dem Auk
tionstennin traf dann noch ein Schreiben aus Buenos Aires
ein, worin ein dort lebender Italiener namens Deila Tor re be
hauptete, daß er der Besitzer des Originalbriefes Napoleons
sei. Er habe ihn 1923 von einem italienischen Senator geerbt.
Deila Torre wies in seinem Brief darauf hin, daß er den Brief
seinerzeit in zahlreichen Zeitungen im Faksimile veröffentlicht
und ein Photo dieses Briefes an den damaligen Präsidenten
der Republik Po in ca re gesandt habe. Nun schien es dem
Unterrichtsministeriu-in geboten, in die Sache einzugreifen. Fs
ordnete die Verschiebung der Auktion an und richtete eine An
frage an das Staatsarchiv in Berlin, ob sich der Brief Napo
leons dort noch befinde. Die Antwort war bejahend. Das
Archiv teilte mit, daß das berühmte Originaldokument dort sei
und von dort niemals weggekommen war.
BIBLIOPHILIE.
(Von der Würzburger Universitätsbibliothek.) Der bis
herige Direktor der Pfälzischen I.andesbibliothek in Speyer, Dr,
Johann Adam ß rein wurde als 'Nachfolger des Professors
Dr. Handwerker, der Abteilungsdirektor der Bayerischen
Staatsbibliothek in München..wurde, zum Direktor der Würz
burger Universitätsbibliothek ernannt. Dr. Brein, der seit 1930
in Spever wirkte, steht im 46, Lebensjahre.
BILDER.
(Kopien von Werken Matthias Grünewald.) ln A s e h af
fen bürg, 4ei Vaterstadt von Matthias Grünewald, wo
ein Denkmal, des .großen Malers errichtet wird, soll auch ein
eigener Ausstellungsraum für Kopien geschaffen werden,
die namhafte Künstler von allen bekannten Werken des
Meisters im Auftrag der Stadt und von Stiftern anfertigen
sollen.
(Gemälde unter der Hand.) Aus Prag wird uns berich
tet;: Zu einem Kunsthändler kam dieser Tage ein Mann und
bot ihm zwei Bilder an, für die. er nur 400 Kc. verlangte.
Dem Händler kam das Angebot verdächtig vor und er
sagte dem Verkäufer, daß er die Bilder zuerst auf ihren
Wert prüfen lassen möchte. Der Unbekannte willigte ein und
ließ die Bilder bei dem Händler. Nun stellten Sachverständige
fest, daß es sich um zwei Landschaften von Kosarek hand
le, die mindestens 30.000 Kc. wert seien. Da sich der Unbe
kannte aber nicht mehr blicken ließ, übergab der Händler
die Bilder der Polizei, die nun bemüht ist, die Sache auf-
zukiären.
NUMISMATIK.
(Lord Baldwins Münzensammlung.) Nach Berichten aus
London wurde in dem Landhaus des früheren englischen
Ministerpräsidenten Lord B a 1 d w i n ein Finbruch verübt, wo
bei Teile seiner sehr wertvollen M ünzensa m nr ln n g ge
stohlen wurden.
(Doppelschillinge mit dem Bildnis Bruckners.) Der nächste
österreichische Doppelschilling ist Anton Bruckner gewid-
mit. Die Ausgabe erfolgt anläßlich der Internationalen Bruckner-
feste, die im Juni in Linz stattfinden.
PHILATELIE.
(Sondermarken zum 30. Jänner.) Aus Anlaß des fünften
Jahrestages der Machtübernahme durch den Nationalsozialis
mus in Deutschland hat die Reichspost am 30. Jänner beson
dere Wertzeichen hersteilen lassen. Sie zeigen nach einem Ent
wurf von Professor Alois Kolb (Leipzig) als Sinnbild des
Sieges der nationalsozialistischen Bewegung einen Jüngling,
der das Licht der Wahrheit und den Lorbeer der Ehre durch
das Brandenburger Tor in die Reichshauptstadt bringt. Die
Ausgabe umfaßt zwei Freimarken zu 6 und 12 Rpf. und eine
Postkarte zu 6 Rpf. Zum Nennwert werden Zuschläge von
4 und 8 Rpf., ’bezw. 4 Rpf. bei der Postkarte für den Kultur
fonds erhoben. Der Reichskanzler hat für den Postverkchr
der NSDAP, und ihrer Gliederungen ab 30. Jänner die Ver
wendung eigener Dienstmarken genehmigt. Diese Mar
ken tragen auf einem klassisch-schlichten Sockel das Hoheits-
Zeichen der Partei. Die Aufschrift „Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei“ umrandet die graphisch und farblich
abgestiminten Marken. Zu beiden Seiten des Sockels sind auf
fein schraffiertem Grunde die Zahlenwerte angegeben. Durch
Hinzufügung der 16- und 24-Pfennig-Marken wurde die übliche
Wertreilie erweitert. Die neuen Marken werden von der Deut
schen Reichspost nur an die Dienststellen der Partei und ihrer
Gliederungen abgegeben und finden nur für den part ei
dien st liehen Po st verkehr Verwendung. Ihre Gültig
keit erstreckt sich auf das gesamte deutsche Reichsgebiet so
wie auf Postsendungen nach dem Gebiet der Freien Stadt
Danzig. Sammler erhalten diese Marken ab 31. Jänner bei der
Versandstelle für Sammlermarken, Berlin W 30, Postrech-
nungsamt.
(Marken mit dem Bilde Moscickis.) Aus W a r s c h a u
wird uns gemeldet: Der Pos: min Ster hat die Ausgabe zweier
neuer Briefmarken zu 15 und 30 Groschen verfügt. Die Mar-,
ken erscheinen aus Anlaß des Geburtstages des Staatspräsiden
ten Ignaz Moscicki am 1. Februar und werden das Bild
des Präsidenten tragen.
(Die 6. Sfephens-Aukfion) ergab einen Betrag von 3596
Pf. 8 S. Die wichtigen Einzelpreise veröffentlichen wir in der
nächsten Nummer.
(Neue ungarische Marken.) Außer den Sf. Stephans-Mar
ken, über die wir in der vorigen Nummer berichteten, sind in
Ungarn drei neue Freimarken mit dem Bildnis des Reichs-'
Verwesers Nikolaus von H o r t h y erschienen, u. zw. 1 Pengö
«grün. 2 Pengö braun und 3 Pengö blau. Die Auflage soll keine
große sein.
(Fehldrucke.) Bei der 35-g-Marke der Österreichischen
E i s e n b a h n r e i li c wurde ein Plattenfehlcr entdeckt, und
zwar ist bei dem Worte Oesterreich ein gebrochenes „S“ zu
sehen. Da bei 200 Marken der Fehler je einmal vorkommt,
die Aüflagenhöhe 1,5 Millionen Stück beträgt, gibt es von die
ser Abart 7500 Exemplare und man zahlt bereit? für
diese kleine Seltenheit den z w a n z i g f a c lien Nominalw ert.
Auf der 24 - Groschen - Marke der österreichischen
G 1 ü c k v u n s c li s s e r i e wurde ein Fehldruck entdeckt,
der bisher nur in einem einzigen Stück bekannt ist.
Der Fehldruck besteht darin, daß de - Querbalken der „2" unt r-
brochen ist, wodurch nach dem verkürzten Balken in einem
Abstand von einem halben Millimeter ein Punkt erscheint.
(Umtausch von Jubiläumsmarken.) Auf Grund eines Er
lasses des Handelsministeriums, Generaldirektion für die Post
um! lelegraphenverwaltung, werden die Postämter ermächtigt,
D o n a u - D a tn p f s c h i f f ahrts - J u b i I ä u m s m a r -
ken zu 64 Groschen, deren Gültigkeit mit Ende 1937 ab-
geluiifen ist, bis 28. Februar d. J. gegen gewöhnliche Brief -
marken im gleichen Wert kostenlos umzutauschen.
(Verfehlte Briefmarkenspekulation,) Aus Prag wird uns
berichtet: Der russische Stenograph des Parlaments Doktor
Holovka schoß sich in seinem Bureau eine Kugel in den
Kopf und liegt nun schwer verletzt im Krankenhaus. Die Ur
sache des Selbstmordversuches ist eine verfehlte Briefmarken
spekulation. Dr. Holovka, der im Verein mit einem Berufs
kollegen einen umfangreichen Briefmarkenhandel betrieb, war
in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Forderungen seiner
Markenlieferanten werden mit La Million K c. angegeben.
Riesenverluste erlitt er insbesondere bei der Spekulation mit
dem Markenb.lock, der anläßlich der B r a t i s I a v a e r
Ausstellung zur Ausgabe gelangte. Dieser Block hatte, solange
man noch nicht wußte, daß statt der angekündigten Auflage
von 200.000 Stück 2 Millionen ausgegeben wurden, einen Preis
von 15 Kc., der aber dann rasch auf 2.50 Kc. sank. Doktor
Holovka ist übrigens nicht der einzige, der bei dieser Speku
lation zum Handkuß kam, mit ihm betrauern viele Marken
händler den Verlust von bedeutenden Beträgen. Einige Händ
ler weigerten sich die subskribierten Blocks zu übernehmen,
als sie erfuhren, wie sehr die Auflage erhöht wurde,, was
zu Klagen gegen sie führte.