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MAK

Full text : Jahrgang 29 (1938) (5)

Seite  46

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Nr.  5

individuelle  Behandlung  der  einzelnen  Stücke  zu  ersetzen. ­
  Schuster  war  einer  der  Ersten  —  wenn  nicht
überhaupt  der  erste  Restaurator,  -  die  den  Mut
hatten,  die  malerischen  Ueberreste  der  alten  Fassung
an  einer  mittelalterlichen  Figur  sorgfältig  festzulegen
oder  die  in  späterer  Zeit  übermalten  Stücke  in  ihrem
alten  Bestände  freizulegen.  Eine  lange  Reihe  von
kostbaren  romanischen  und  gotischen  Bildwerken  ist
im  Laufe  der  Jahre  durch  seine  kunstfertige  Meisterhand ­
  auf  diese  Weise  zu  neuer  Schönheit  erweckt
und  vor  dem  sicheren  Verfall  gerettet  worden.
Den  besten  Beweis  für  seine  Einstellung  alten
Kunstwerken  gegenüber  gibt  seine  eigene  Sammlung.
Fast  alle  Stücke,  die  er  zu  seinem  Besitz  zählte,  hat
er  in  ihrem  überkommenen  Zustand  unberührt  gelassen. ­

  Oft  klagte  er  darüber,  daß  er  im  Drange  der
Arbeit  für  andere  Sammler  niemals  dazu  käme,  seine
eigenen  Sachen  pflegerisch  zu  behandeln.  Teils  traf
dies  zu,  teils  aber  redete  er  sich  dies  selbst  ein.
Richtig  ist  wohl,  daß  er  sich  letzten  Endes  scheute,
an  dem  ihm  gehörenden  alten  Skulpturen  irgendwelche ­
  Ergänzungen  vorzunehmen.  Es  sind  ganz  wenige ­
  Stücke  in  seiner  Sammlung,  an  denen  einmal
ein  Abtribut,  eine  Hand,  eine  Bankwage  oder  eine
Krone  ersetzt  worden  sind.  Lhicl  überall,  wo  dies  geschah, ­
  ist  cs  so  ausgeführt,  daß  der  Fachmann  den
Umfang  der  ergänzten  Teile  ohne  Schwierigkeit  erkennen ­
  kann.
Georg  Schuster  starb  am  16.  Jänner  1937  in
München.

Taaffe-Versteigerung  am  14.  März.

Aus  Prag  geht  uns  die  Mitteilung  zu,  daß
die  Auktion  der  Bibliothek  des  verstorbenen  österreichischen ­
  Ministerpräsidenten  Grafen  Eduard  Ta  affe
am  14.  März  im  Hotel  Beranek  beginnt.
Aus  dem  Katalog,  das  die  Auktion  durchführende
Antiquariat  Karel  Zink  versendet,  geht  hervor,  daß
die  Bibliothek,  die  durch  einen  Brand,  im  Schloße
Nalzowy  vor  einigen  Jahren  großen  Schaden  erlitten
hat,  eine  Reihe  seltener  Bücher  geschichtlichen  und
politischen  Inhalts,  sowie  eine  sehr  interessante  Kollektion ­

  von  Broschüren  und  Flugblättern  aus  der
Zeit  der  Regierung  Taaffes  enthält.  Der  Katalog
verzeichnet  1106  Nummern,  von  denen  allerdings  ein
beträchtlicher  Teil  auf  die  Bestände  von  zwei  anderen
bedeutenden  Büchereien  entfällt.
Das  viel  besprochene  A  r  c  h  i  v  des  Grafen  Taaffe
kommt  nicht  unter  den  Hammer.  Es  finden  zur
Zeit  Verhandlungen  statt,  um  es  als  Ganzes  für  die
tschechoslowakischen  Staatsarchive  zu  erwerben.

Die  Bibliothek  des  Stiftes  Rein.

Eine  der  ältesten  und  hervorragendsten  Kulturstätten ­
  Oesterreichs,  das  Zisterzienserstift  Rein  in
Steiermark  begeht  in  diesen  Tagen  sein  Soojähriges
Jubiläum.  Aus  diesem  Anlasse  widmet  ihm  Viktor
Thiel  in  der  Grazer  „Tagespost“  (Nr.  50  vom  20.
Februar),  eine  Würdigung,  der  wir  Folgendes  entnehmen ­
  :
Das  Archiv  des  Stiftes  hat  sich  fast  vollständig ­
  seit  seiner  Gründung  erhalten.  Der  älteste  Ord
nungsplan  des  Stiftsarchivs  es  sind  drei  lose
Papierblätter  stammt  aus  der  zweiten  Hälfte  des
14.  Jahrhunderts.  Um  die  Wende  vom  14.  zum  15.
Jahrhundert  sind  Urkundenrepertoiren  angelegt  worden. ­
  Durch  den  Türkeneinfall  im  Jahre  1480  dürfte
Rein  arg  heimgesucht  worden  sein.  Um  die  Wieder
herstellung  machte  sich  Abt  Wolf  gang  Schrot  1  verdient, ­
  indem  er  die  beschädigten  Stiftsgebäude  neu
aufbauen  ließ.  Er  fügte  auch  ein  feuersicheres
„B  r  i  e  f  ge  w  öl  b  e“  ein,  das  heute  noch  als  Archivraum ­
  in  Verwendung  sieht;  die  Gewölbemalerei
weist  sein  Wappen  und  die  Jahreszahl  1501  auf.
Die  Originalurkunden  setzen  mit  1129  ein;  es  fallen
die  schönen  Siegel  auf,  so  der  beiden  letzten  steirischen ­
  Oftokare,  die  prächtigen  Siegel  des  Kaisers
Konrad  III.  und  des  Herzogs  Rudolfs  IV.,  die  Städtesiegel ­
  von  Graz,  Voitsberg,  Bruck,  Wien,  Wiener-Neustadt.
  Ein  großer  Teil  der  Urkunden  ist  in  einem
Ivopialbuch  des  15.  Jahrhunderts  erhalten.
Aus  dem  Aktenbestande  des  Klosters  ist  der
Schriftenwechsel  hervorzulieben,  den  das  Stift  mit
anderen  Klöstern  geführt  hat.  Sie  setzen  mit  dem
Ende  des  15.  Jahrhunderts  .ein  und  gewähren  einen
Einblick  in  die  kirchlichen  Verhältnisse  und  das  reli
giöse  Leben  dieser  bewegten  Zeit.  Da  das  Stift  gleich
den  anderen  Klöstern  des  Landes  zu  den  steirischen
Landstädten  zählte,  bieten  die  Akten  des  Staatsarchivs ­
  auch  eine  reiche  Quelle  für  die  Geschichte

des  Landes.  Bis  in  das  14.  Jahrhundert  zurück  reichen ­
  die  verschiedenen  Vormerk  und  Geschäftsbücher ­
  des  Klosters,  wie  Nekrologe,  Urbare  und  Rechnungsbücher. ­
  In  den  Nekrologen  wurden  die  'Todestage ­
  vorgemerkt,  an  denen  für  das  Seelenheil  der
verstorbenen  Wohltäter  des  Stiftes  gebetet  wurde.
Urbare  sind  Verzeichnisse  der  Besitzungen,  der  Besitzrechte, ­
  Dienste  und  Einkünfte.
Es  ist  eine  von  der  Geschichte  oft  bestätigte
Erfahrung,  daß  mit  der  wirtschaftlichen  Entwicklung ­
  die  kulturelle  in  enger  Wechselwirkung  steht.
So  kann  es  nicht  wundernehmen,  daß  das  Stift  Rein
nicht  nur  ein  fast  lückenloses  Archiv,  sondern  auch
eine  wertvolle  Bibliothek  besitzt.  Während  das
Archiv  vornehmlich  von  der  wirtschaftlichen  Tätigkeit ­
  Zeugnis  ablegt,  drückt  sich  in  seiner  Bibliothek
und  in  seinem  Kunstbesitz  vornehmlich  sein  geisti
ges  Streben  aus.  Aus  dem  Bücherbestand  möchte  ich
eine  Bibel  aus  dem  Ende  des  13,  Jahrhunderts  hervorheben, ­
  ein  Pergamentband,  der  mit  Initialen  geschmückt ­
  ist;  ferner  eine  Papierhandschrift  aus  dem
15.  Jahrhundert,  welche  Traktate  enthält,  Abhandlungen ­
  römischer  Schriftsteller;  der  Einband  ist  einer
Pergamenthandschrift  des  13.  Jahrhunderts  entnommen, ­
  die  Wolframs  Parzival  enthielt.  Abt  Schrötl
erwies  der  Bibliothek  große  Fürsorge  und  ließ  viele
Handschriften  mit  festen  Einbänden  versehen.  Er
selbst  schrieb  ein  Missale,  das  mit  Miniaturen  geschmückt ­
  wurde.  Die  meisten  älteren  Handschriften
dürften  im  Kloster  geschrieben  worden  sein,  doch
sind  viele  im  Lauf  der  Zeit  verloren  gegangen).
Wertvollen  Zuwachs  erhielt  die  Bücherei  aus  der
ehemaligen  Grazer  Hofbibliothek,  bei  deren  Auflösung ­
  Abt  Marian  Pitreich  1758  einen  Teil  ankaufte; ­
  darunter  befinden  sich  Texte  von  Theaterstücken, ­
  die  am  akademischen  Theater  in  Graz  aufgeführt ­
  wurden,  Von  besonderem  Interesse  ist  .  der
            
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