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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 5
individuelle Behandlung der einzelnen Stücke zu ersetzen.
Schuster war einer der Ersten — wenn nicht
überhaupt der erste Restaurator, - die den Mut
hatten, die malerischen Ueberreste der alten Fassung
an einer mittelalterlichen Figur sorgfältig festzulegen
oder die in späterer Zeit übermalten Stücke in ihrem
alten Bestände freizulegen. Eine lange Reihe von
kostbaren romanischen und gotischen Bildwerken ist
im Laufe der Jahre durch seine kunstfertige Meisterhand
auf diese Weise zu neuer Schönheit erweckt
und vor dem sicheren Verfall gerettet worden.
Den besten Beweis für seine Einstellung alten
Kunstwerken gegenüber gibt seine eigene Sammlung.
Fast alle Stücke, die er zu seinem Besitz zählte, hat
er in ihrem überkommenen Zustand unberührt gelassen.
Oft klagte er darüber, daß er im Drange der
Arbeit für andere Sammler niemals dazu käme, seine
eigenen Sachen pflegerisch zu behandeln. Teils traf
dies zu, teils aber redete er sich dies selbst ein.
Richtig ist wohl, daß er sich letzten Endes scheute,
an dem ihm gehörenden alten Skulpturen irgendwelche
Ergänzungen vorzunehmen. Es sind ganz wenige
Stücke in seiner Sammlung, an denen einmal
ein Abtribut, eine Hand, eine Bankwage oder eine
Krone ersetzt worden sind. Lhicl überall, wo dies geschah,
ist cs so ausgeführt, daß der Fachmann den
Umfang der ergänzten Teile ohne Schwierigkeit erkennen
kann.
Georg Schuster starb am 16. Jänner 1937 in
München.
Taaffe-Versteigerung am 14. März.
Aus Prag geht uns die Mitteilung zu, daß
die Auktion der Bibliothek des verstorbenen österreichischen
Ministerpräsidenten Grafen Eduard Ta affe
am 14. März im Hotel Beranek beginnt.
Aus dem Katalog, das die Auktion durchführende
Antiquariat Karel Zink versendet, geht hervor, daß
die Bibliothek, die durch einen Brand, im Schloße
Nalzowy vor einigen Jahren großen Schaden erlitten
hat, eine Reihe seltener Bücher geschichtlichen und
politischen Inhalts, sowie eine sehr interessante Kollektion
von Broschüren und Flugblättern aus der
Zeit der Regierung Taaffes enthält. Der Katalog
verzeichnet 1106 Nummern, von denen allerdings ein
beträchtlicher Teil auf die Bestände von zwei anderen
bedeutenden Büchereien entfällt.
Das viel besprochene A r c h i v des Grafen Taaffe
kommt nicht unter den Hammer. Es finden zur
Zeit Verhandlungen statt, um es als Ganzes für die
tschechoslowakischen Staatsarchive zu erwerben.
Die Bibliothek des Stiftes Rein.
Eine der ältesten und hervorragendsten Kulturstätten
Oesterreichs, das Zisterzienserstift Rein in
Steiermark begeht in diesen Tagen sein Soojähriges
Jubiläum. Aus diesem Anlasse widmet ihm Viktor
Thiel in der Grazer „Tagespost“ (Nr. 50 vom 20.
Februar), eine Würdigung, der wir Folgendes entnehmen
:
Das Archiv des Stiftes hat sich fast vollständig
seit seiner Gründung erhalten. Der älteste Ord
nungsplan des Stiftsarchivs es sind drei lose
Papierblätter stammt aus der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts. Um die Wende vom 14. zum 15.
Jahrhundert sind Urkundenrepertoiren angelegt worden.
Durch den Türkeneinfall im Jahre 1480 dürfte
Rein arg heimgesucht worden sein. Um die Wieder
herstellung machte sich Abt Wolf gang Schrot 1 verdient,
indem er die beschädigten Stiftsgebäude neu
aufbauen ließ. Er fügte auch ein feuersicheres
„B r i e f ge w öl b e“ ein, das heute noch als Archivraum
in Verwendung sieht; die Gewölbemalerei
weist sein Wappen und die Jahreszahl 1501 auf.
Die Originalurkunden setzen mit 1129 ein; es fallen
die schönen Siegel auf, so der beiden letzten steirischen
Oftokare, die prächtigen Siegel des Kaisers
Konrad III. und des Herzogs Rudolfs IV., die Städtesiegel
von Graz, Voitsberg, Bruck, Wien, Wiener-Neustadt.
Ein großer Teil der Urkunden ist in einem
Ivopialbuch des 15. Jahrhunderts erhalten.
Aus dem Aktenbestande des Klosters ist der
Schriftenwechsel hervorzulieben, den das Stift mit
anderen Klöstern geführt hat. Sie setzen mit dem
Ende des 15. Jahrhunderts .ein und gewähren einen
Einblick in die kirchlichen Verhältnisse und das reli
giöse Leben dieser bewegten Zeit. Da das Stift gleich
den anderen Klöstern des Landes zu den steirischen
Landstädten zählte, bieten die Akten des Staatsarchivs
auch eine reiche Quelle für die Geschichte
des Landes. Bis in das 14. Jahrhundert zurück reichen
die verschiedenen Vormerk und Geschäftsbücher
des Klosters, wie Nekrologe, Urbare und Rechnungsbücher.
In den Nekrologen wurden die 'Todestage
vorgemerkt, an denen für das Seelenheil der
verstorbenen Wohltäter des Stiftes gebetet wurde.
Urbare sind Verzeichnisse der Besitzungen, der Besitzrechte,
Dienste und Einkünfte.
Es ist eine von der Geschichte oft bestätigte
Erfahrung, daß mit der wirtschaftlichen Entwicklung
die kulturelle in enger Wechselwirkung steht.
So kann es nicht wundernehmen, daß das Stift Rein
nicht nur ein fast lückenloses Archiv, sondern auch
eine wertvolle Bibliothek besitzt. Während das
Archiv vornehmlich von der wirtschaftlichen Tätigkeit
Zeugnis ablegt, drückt sich in seiner Bibliothek
und in seinem Kunstbesitz vornehmlich sein geisti
ges Streben aus. Aus dem Bücherbestand möchte ich
eine Bibel aus dem Ende des 13, Jahrhunderts hervorheben,
ein Pergamentband, der mit Initialen geschmückt
ist; ferner eine Papierhandschrift aus dem
15. Jahrhundert, welche Traktate enthält, Abhandlungen
römischer Schriftsteller; der Einband ist einer
Pergamenthandschrift des 13. Jahrhunderts entnommen,
die Wolframs Parzival enthielt. Abt Schrötl
erwies der Bibliothek große Fürsorge und ließ viele
Handschriften mit festen Einbänden versehen. Er
selbst schrieb ein Missale, das mit Miniaturen geschmückt
wurde. Die meisten älteren Handschriften
dürften im Kloster geschrieben worden sein, doch
sind viele im Lauf der Zeit verloren gegangen).
Wertvollen Zuwachs erhielt die Bücherei aus der
ehemaligen Grazer Hofbibliothek, bei deren Auflösung
Abt Marian Pitreich 1758 einen Teil ankaufte;
darunter befinden sich Texte von Theaterstücken,
die am akademischen Theater in Graz aufgeführt
wurden, Von besonderem Interesse ist . der