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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 6
Zuschuß des staatlichen |stituto nazionale widmen die italieni
schen Verleger seit zwei Jahrzehnten einen wichtigen Teil ihrer-
Tätigkeit den kritischen „Gesamt-Ausgaben" der Dichter, Histo
riker, Philosophen und Politiker (z. B. sämtlicher Schriften
von Petrarca, Galilei, Mazzini, Cavour, Carducci, Pascoli, Fo-
gazzaro, Verga), von denen eine jede schon Dutzende von Ban-:
den umfaßt und immer noch weiter geführt wird; unter diesen
„Gesamt-Ausgaben" stellt der „nationale D'Annunzio" an
Reichtum der Aufmachung den Höhepunkt dar. Von diesem
..D'Annunzio" sind sechs Exemplare sogar völlig auf Perga
ment gedruckt; es sind Meisterwerke der Graphik, die sogar
in der internationalen Buchgraphik zu den wertvollsten Schät
zen gehören.
Die neue „Libreria di State" publizierte mit ungeheuren
Kosten zahlreiche antike Manuskripte und seltene alte Drucke
in Faksimile. Unter ihnen nehmen durch ihre Schönheit eine
besonders hohe Stellung- der Virgil (Medizäer-Codex) mit den
Rundglossen Petrarcas und wie die „Bibel" der Familie d’Fste
ein. Wie sehr sich die Verleger auch allen wissenschaftlichen
Gebieten widmen, beweisen u. a. die große Kunstgeschichte Ar-
turo V e n l u r i s, von der bisher (bis zum Cinquecento) 22
Bände herauskamen, die faksimilierte Partitur von Bellinis
„Norma", die gewaltigen geographischen Werke und der „Ab
laute nazionale" (das größte Werk dieser Art), Treccanis
weit verbreitete „Fnciclopedia italiana'-.
Die italienische Akademie ist daran, ein italienisches Wör
terbuch herauszugeben, das an Umfang, Gründlichkeit und
Modernität alles bisher Vorhandene bei weitem übertreffen
soll, und das deutsche Institut in Rom bereitet riesige deutsch-
italienische und italienisch-deutsche Wörterbücher vor.
Neben solchen monumentalen Werken, in denen Italien seit
dem Kriege in der Tat früher hie Gekanntes leistet lind unter
allen Ländern heute vielleicht an erster Steiße steht — über
den Wert der Illustrationen mancher Bücher ließe sich
allerdings diskutieren —, zählt die Veröffentlichung mo
derner narrativer Literatur fast nur wie etwas Nebensichliches;
immerhin wird eine Anzahl jetziger Romanschriftsteller von
den Verlegern auch liebe- und rücksichtsvoll auf den Markt ge
bracht. Und noch eine eigene Erwähnung verdient die in
früherer Zeit nie in gleichem Maße gekannte Uebersetzer-
tätigkeit; heute sind in italienischer Sprache und in ausgezeichi
neten Drucken auch die meisten guten Werke-der Weltliteratur
anzutreffen.
Chronik.
AUTOGRAPHEN.
(Versteigerung iin Dorotheum.) Im Rahmen der Bücher
versteigerung, die das Dorotheum in Wien am 18. und
19. März veranstaltet, kommen auch interessante Autographen
unter dem Hammer. Neben Briefen und Karten berühmter
Schriftsteller, Musiker und Schauspieler wäre besonders ein
ungewöhnlich reichhaltiges und schönes Autographen-Atbum
zu erwähnen, das 66 Lintragungen enthält. Fs sind da u. u.
Baumbach, Dahn, Fbers, Freytag, Rosegger, Brahms, Saru-
sate, Fleonore Düse, A. Girardi, Defregger, Orützner. Leon-
cavallo, Mascagni, und Verdi vertreten.
(Ein Byron-Manuskript gefunden.) In der .Handschriften
Abteilung der Nationalbibliothek in Athen wurde die Origi
nal-Niederschrift des ersten Gesanges des „Childe Harold" des
Byrons gefunden. Das Manuskript enthält viele Abweichun
gen von der Form, in der. das..Gedicht veröffentlicht worden
ist. Das Manuskript ist nach dem Tode des Dichters von
seiner Schwester einer Anhängerin Byrons geschenkt worden,
die es später der Nationalbibliothek in Athen überlassen hat.
BIBLIOPHILIE.
(Die Bibliothek des Ministers a. D. Urban.) Man schreibt
uns aus P rag: Das Schulministerium hat die Bibliothek des
ehemaligen österreichischen Handelsministers Dr. Karl LI r-
ban erworben. Die Bibliothek, die über 7000 Bände umfaßt,
bestellt hauptsächlich aus Werken, die das staatswisstoschaft-
liche Gebiet betreffen. Der Großteil dieser Werke kommt in
das staatswissenschaftliche Institut der deutschen Universifät
in Prag, der Rest wird unter die anderen Universitäten ver
teilt. Die vorhandenen politischen Broschüren und Flugschrif
ten erhält die Bibliothek der deutschen Universität in Prag.
(Die Prager Stifter-Ausgabe.) Wie auf der Prager Stifter-
Feier der Sudetendeutschen mitgeteilt wurde, hat der Bund
der Deutschen beschlossen, der „Deutschen Gesellschaft zur
Förderung der Wissenschaften und Künste in der tschechoslo
wakischen Republik" einen Beitrag zur Fortführung
und Vollendung der großen Stifter-Ausgabe zu widmen. Die
Gesellschaft, die schön früh den Nachlaß des größten sudeten
deutschen Dichters in einem Stifter-Archiv gesammelt hat, hat
1901 unter Leitung des Prager Literaturhistorikers August
Sauer den ersten Band einer kritischen Gesamtausgabe der
Werke Stifters nach dem Vorbild der Weimarer Goethe-Aus
gabe vorgelegt. Nach Sauers Lode hat dessen Nachfolger Her
bert Cysarz zusammen mit einer Reihe bekannter Stifter-
Forscher die Fortführung des Werkes betreut. Inzwischen sind
bereits' 22 Bände im Sudetendeutschen Verlag Franz Kraus
(Reichenberg) erschienen, fünf weitere Bände sind vorbereitet.
BILDER.
(7700 Pfund für ein Jugendwerk Rembrandts.) Aus Lon
don wird uns berichtet: Hin Bild der Schwankungen auf dem
Kunstmarkt bot die Auktion von alten und modernen Ge
mälden, die Christie am 25. Februar veranstaltete. Ein
Bildnis des 23jährigen R e m bran d t, das seinen Vater dar
stellt und im Jahre 1877 um 100 Pfund erworben wurde,
stieg von 550 Pfund, mit denen es ausgerufen wurde, auf 7700
Pi und. Dagegen erzielte das Porträt des Viscounts Castlereagh
von Sir Thomas Lawrence, das vor zehn Jahren um 4600
Pfund verkauft worden war, jetzt nur 590 Pfund, also ein
Achtel des damaligen Preises. Linige Reitjagdbilder von M o r-
lattd, die vor drei Jahren noch mit 1200 Pfund bezahlt «Or
den waren, brachten nicht mehr, als 480 Pfund.
(Ein Pablo Veronese gestohlen.) Int Lager einer großer.
Bilderhandlung in V e n e.d i g entwendete ein Unbekannter ein
herrliches Bild, das Paolo Veronese zugeschrieben wird.
NUMISMATIK.
(Platin-Miinzen entdeckt.) Wir lesen in polnischen Blät
tern : Jn einem Warschauer Museum erschien dieser Tagt
eine alte ärmlich gekleidete Frau und bot einige alte russische
Münzen zum Kauf an, für die sie 20 Zloty verlangte. Der Münz
fachmann des Museums stellte .jedoch fest, .daß die Münzen,
ilRL die Eigentümerin' für silbern hielt, aus PI atin waren.
Diese einzig bekannten Platinmünzen der Welt besitzen neben
ihrem numismatischen Seltenheitswert einen Metallwert von
20.000 Zloty. Dieser Bel rag wurde denn auch der alten Frau
unverzüglich ausbezahlt.
PHILATELIE.
(Drei Schopenhauer-Marken.) Zum 150. Geburtstag Artur
Schopenhauers gab dessen Geburtsstadt Danzig am
22. Februar drei Gedenkmarken mit dem Bildnis des Philo
sophen heraus, und zwar 15 Pf. blau, 25 Pf. sepiabraun und
40 Pf. karminrot.
(Albanische Sonderbriefmarken.) Aus Tirana wird uns
gemeldet: Albanien bereitet die Herstellung einer Briefmarken
serie zugunsten des albanischen Roten Kreuzes vor, die an
läßlich der Zehnjahrfeier der Einführung der Monarchie am
1. September 1938 zur Ausgabe gelangen soll, und zwar im
Ausmaße von 20.000 Serien, bestehend aus Werten von 2, 5,
10, 15, 25 und 50 Qülndar. Die Briefmarken von 5, 15 und
50 <| werden das Bildnis der verstorbenen Königinmutter, die
Werte von 2, 10 und 25 q das der Prinzessin Senije, dei
Präsidentin des Roten Kreuzes, tragen.
(Sondermarken von Rußland.) Sowjetrußland bereitet zwei
Sondermarken vor, und zwar eine zu 20 Kop. mit der Abbil
dung des russischen Pavillons auf der vorjährigen Welt
ausstellung in Paris und eine zu 40 Kop. mit dem Porträt
Lenins.
VERSCHIEDENES.
(Ernst Adler f.) Mit dem am 5. März in Asc h im 77.
Lebensjahre verschiedenen Großindustriellen Ernst Adler ist
ein Sammler von großem Format dahingegangen. Adler sam
melte Vielerlei, das Hauptgewicht legte er auf alles, was das
Leben und Wirken Luthers betrifft und er hatte die
Genugtuung, eine I.uther-Sammlung zusammenzubringen, die
an Reichhaltigkeit nur noch von der in der Lutherstadt Witten
berg übertroffen wird. Die „Internationale Sammlerzeitung"
betrauert in Ernst Adler, der sich wegen seiner vortrefflichen
Charaktereigenschaften größter 1 lochachtung erfreute, einen
ihrer ältesten Abonnenten, der an ihrem Werden und Ge
deihen warmen Anteil nahm.