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MAK

Full text : Jahrgang 29 (1938) (9)

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Nr.  9

Seite  96

bürg  auf  der  Donau  nach  Wien.  In  52  Riesenfässern  und  12
Kisten  ging  auf  fünf  Flössen  der  Transport  vor  sich 1 .
Unter  den  Fugger-Zeitungen  sind  nicht  etwa  Zeitungen  im
heutigen  Sinne  zu  verstehen,  sondern  sie  galten  als  Geheimberichte ­
  an  das  Haus  Fugger,  das  sich  als  deutsches  Großkaufhaus ­
  über  alle  Weltereignisse  aus  den  verschiedensten
Ländern  und  Erdteilen  berichten  ließ.  Nicht  Zusammenstellung
von  Nachrichten  war  das  Ziel,  sondern  Mitteilung  eines  einzelnen ­
  Vorgangs  war  die  Absicht,  die  allerdings  schon  durchaus ­
  informativen  Charakter  besaß.  Jeden  solchen  Bericht  bezeichnete
  man  anfangs  als  Zeitung.  In  seinem  Stammhaus  zu
Augsburg  hatte  dieses  deutsche  Kaufherrengeschlecht  damals
bereits  eine  Art  von  Agentur  errichtet.  Diese  wurde  in  der
„Goldenen  Schreibstube"  bedient.  Die  Männer,  die  die  „Zeitungen" ­
  versorgten,  nannten  sich  ursprünglich  „Nouvellanten",
  später  Neuigkeitsbringer.  Als  solche  lieferten  sie  dem
Hause  Fugger  regelmäßig  ihre  „Ordinari“  und  auch  „Fxtraordinari"-Zeitungen.
  Fs  gab  also  schon  Ausgaben  und  Extra-Ausgaben
  von  Nachrichten.  Unter  diesen  Berichten  nimmt  das
Flugblatt  einen  besonderen  Platz  ein.  Weit  älter  als  die  Kunst
Gillenbergs  stellt  es  einen  Uebergang  vom  Brief  zur  regeli
mäßigen  Zeitung  dar,  wobei  es  in  den  Fugger-Zeitungen  nicht
selten  den  Charakter  einer  vertraulichen  Mitteilung  einnimmt.
Jedenfalls  stellen  diese  Blätter  einen  wichtigen  Beitrag  zur  Geschichte ­
  der  deutschen  Zeitungskunde,  sowie  des  deutschen
Nachrichtendienstes  dar.
(Friedrich  Loos’  italienische  Bilder.)  Fs  wird  überraschen,
in  der  gegenwärtigen  Ausstellung  des  Graphischen  Kabinetts
Günther  Franke  in  München  45  unbekannten  Werken  von
Friedrich  Loos  zu  begegnen.  Fs  wird  darin  erstmalig  ein
Ueberblick  über  die  in  Italien  zwischen  1840—50  entstandenen
Arbeiten  des  bekanntlich  aus  Graz  gebürtigen  Malers  Loos  geboten, ­
  nachdem  vor  Jahresfrist  die  erste  I.oosLAusstellung  der
Tätigkeit  des  Künstlers  in  Wien  und  Salzburg  gewidmet  war.
Neben  dem  großen  fünfteiligen  Panorama  von  Rom,  das  nach
langen  Vorarbeiten  1851  abgeschlossen  wurde,  stehen  zahlreiche ­
  intime  Oelbilder,  die  erweisen,  daß  Loos  in  seltener
Weise  einem  jeden  Format  gerecht  zu  werden  verstand.
Die  italienischen  Landschaften  bilden  den  Abschluß,  der  Epoche
von  dessen  Schaffen,  in  der  er  noch  aufs  engste  mit  der  Generation ­
  der  Reinholds,  Wasmann,  Rohden  u.  a.  durch  gemeinsame ­
  'Anschauung  verbunden'  war.
(Ein  Standbild  des  Praxiteles.)  Wie  aus  Vicenza  gemeldet ­
  wird,  glaubt  man  mit  ziemlicher  Sicherheit  in  einer
Bacchus-Statue  ein  Originalwerk  des  großen  griechischen  Bildhauers ­
  Praxiteles  entdeckt  zu  haben.  Das  Bildwerk,  das
aus  attischem  Marmor  hergestellt  ist,  wurde  im  Jahre  1824  in
den  Thermen  von  Caracalla'  in  Rom  von  einem  Vicentiner  ausgegraben ­
  und  nach  Vicenza  gebracht.  Bei  einer  von  Professor
F  a  solo  anläßlich  der  diesjährigen  Augustusfeier  vorgenommenen
  Neuordnung  der  Sammlung  fiel  das  Bildwerk  durch
seine  einzigartige  Behandlung  auf.  Verschiedene  Merkmale
lassen  darauf  schließen,  daß  es  sich  um  eine  Satyrstatue  aus
Praxiteles  eigener  Werkstatt  handle.  Außer  dem  berühmten
.Hermes  von  Olympia,  der  1877  hei  den  deutschen  Ausgrabungen ­
  ans  Licht  kam,  sind  bisher  keine  weiteren  Originalschöpfungen ­
  von  Praxiteles  bekannt.
(Das  älteste  Schachspiel.)  Die  I  eitung  des  Museums  von
Pennsylvanien  und  die  amerikanische  Schule  für  Altertumsforschung ­
  in  Bagdad  berichten  von  der  Auffindung  alter  Spielfiguren, ­
  die  viel  Aehnlichkeit  mit  Schachfiguren  zeigen.  Die
Stücke,  die  von.  einer  Expedition  im  Norden  des  alten  Irak
bei  dem  alten  Tepl  Gawra  gefunden  wurden,  tragen  Spuren
starker  Abnützung.  Wie  die  vorläufigen  Feststellungen  ergaben,
müssen  die  Spielfiguren  aus  der  Vorgeschichte  Mesopotäniens
stammen.  Ihr  Alter  wird  auf  annähernd  6000  Jahre  geschätzt,
(Verhaftung  eines  Antiquitätenhändlers.)  In  Krems  (N.-Oe.)
wurde  der  Antiquitätenhändler  Aigen  bauer  wegen  mehrfacher ­
  Diebstähle  verhaftet.  Aigenbauer  hat  den  Diebstahl
wertvoller  Heißgenstatuen  in  den  Bauerndörfern  der  Wachau
geradezu  organisiert.  Lr  beschäftigte  zu  diesem  Zweck  drei
Gehilfen.  Einwandfrei  nachgewiesen  wurden  ihm  bereits  der
Diebstahl  einer  300jährigen  Figur  des  hl.  Florian  und  einer
ebenso  alten  Marienstatue.
MUSEEN.
(Oberhausens  Heimatmuseum.)  Die  Ratsherren  der  Stadt
Oberhausen  haben  der  Verschmelzung  des  Städtischen  I  Ieimatrnuseums
  mit  der  Werksausstellung  der  Gute-Hoffnungshütte
ihre  Zustimmung  erteilt.  Die  Gute-Hoffnungshütte  hat  sich
verpflichtet,  das  Heimatmuseum  in  die  historische  Abteilung
der  Werkschau  der  G.  H.  FI.  aufzunehmen  lind  die  Werkschau
in  Zukunft  täglich  der  Oeffentlichkeit  zugänglich  zu  machen.
Diese  Vereinigung  ist  eine  glückliche  Lösung,  zumal  beide
Einrichtungen  in  mancher  Beziehung  zweckverbunden  sind  und
die  einzigartige  Industrieschau  der  G.  H.  H.  weithin  rühmlicltst

  bekannt  ist  und  ein  starker  Anziehungspunkt  auch  für
Fremde  aus  nah  und  fern  ist.
(Umgestaltung  des  Bielefelder  Museums.)  Anläßlich  der
Gaukulturwoche  Westfalen-Nord  wurde  die  geschichtliche  Abteilung ­
  des  Bielefelder  Museums  einer  gründlichen  Erneuerung
unterzogen.  Vor  allem  wurde  das’  Obergeschoß  einem  völlig
neuen  Zweck  zugeführt.  Hier  sollen  künftighin  alle  Fragen
des  Natur-  und  Heimätschutzes  lebendig  werden.  Von  der
Wand  wird  als  Leitsatz  Adolf  Hitlers  Wort  grüßen:  „Die
natürlichen  Schönheiten  unseres  deutschen  Vaterlandes,  seine
mannigfaltige  Tier-  und  Pflanzenwelt  müssen  unserem  Volke
erhalten  bleiben;  sie  sind  die  Urquellen  der  Kraft  und  Stärke
der  nationalsozialistischen  Bewegung".  In  einem  großen  Schrank
und  in  einer  Bilder  reihe  desselben  Raumes  findet  sich  eine  Zusammenstellung ­
  der  ungeschützten  und  geschützten  Tiere  und
Pflanzen  der  Heimat.  In  Vorbereitung  ist  ein  Wandbild,  das
sämtliche  Nalursclnitzgebiete  der  Provinz  Westfalen  wiedergibt. ­
  Im  Laufe  des  Jahres  sollen  auch  die  anderen  Säle  der
naturkundlichen  Abteilung  nach  neuzeitlichen  Gesichtspunkten
umgebaüt  werden.
(Der  französische  Staat  kauft  ein  Bild  von  Diel  an.)  Der  in
Neustadt  a.  d.  Weinstraße  ansäßige  Maler  Prof.  Otto  Diel
stellte  im  April  eine  Reihe  seiner  Bilder  in  Paris  aus.  Nunmehr
hat  die  französische  staatliche  Galerie  „Musee  du  Jeu  de  Paumes"
  eines  seiner  Bilder  „Jockei  und  Rennpferd"  angekauft.
VOM  KUNSTMARKT.
(Gemälde  alter  Meister.)  Aus  London  wird  uns  berichtet: ­
  Die  von  der  „Internationalen  Sammler-Zeitung"  angekündigte ­
  Versteigerung  von  Gemälden  alter  Meister  aus  den
Sammlungen  Dr.  Eduard  Beith,  E.  F.  Sidney  und  Mr.
Sceales  hatte  den  erwarteten  großen  Erfolg.  Es  brachten  (iti
Pfand):  (
Aus  der  Sammlung  Beith  :
16  Van  Goyen,  Ansicht  einer  Stadt,  vom  Fluß  gesehen, ­

  15  :  21  l/o  Z.  780
22  van  der  Heyden,  Parklandschaft,  10,75:12,5  360
24  P.  de  Hooch,  Abfahrt  vom  Landhaus,  25:31  2000
40  van  der  Neer,  Der  Brief,  30,25:24,5  1450
48  Riembrandt,  Bildnis  eines  bärtigen  Mannes,
9,25:7,5  1500
51  Salomon  van  Ruisdael,  Flußszene,  28.5:41  780
56  i  1.  M.  S  o  r  g  h,  Porträt  eines  jungen  Mannes,  24.5  :  18.5  720
65  Wyirants,  Landschaft,  9  :  13.5  165
Aus  der  Sammlung  E.  F.  Sidney  :
70  Jan  van  der  Cap  pelle,  Flußszene,  29:41.5  480
75  Marco  Z  o  p  p  o,  Salvator  Mundi,  17:11.5  1250
Aus  der  Sammlung  Mrs.  Sceales:
82  Porträt  eines  Edelmanns,  2  6:21  1400
88  Morl  and,  Farmer  fährt  auf  den  Markt,  19  :  26  420
115  üerard  Don,  Eine  alte  Frau  ißt  Suppe,  20  :16  580

(Versteigerung  einer  Wohnungseinrichtung.)  Das  Dorotheum ­
  in  Wien  führt  am  3.  und  4.  Mai  die  Versteigerung
einer  Wohnungseinrichtung  IV.,  Brahmsplatz  5,  durch,  die  zahlreiche, ­
  Sammler  interessierende,  Objekte  enthält.  Besonders  hingewiesen ­
  sei  auf  vier  Bilder  des  süddeutschen  Rokoko,  die
reizvolle  Gartendarstellungen  mit  allegorischen  und  satyrisclien
Szenen  zeigen.  Dem  Kreis  des  Paris  Bordone  gehört  eine
Darstellung  von  Abrahams  Opfer  an.  Erwähnenswert  sind  auch
einige  interessante  Stilleben  italienischer  und  niederländischer
Schule.  Von  Hugo  C  h  a  r  1  e  m  o  n  t  sei  ein  Stilleben  mit  antiken
Kunstgegenständen  und  von  Morland  zwei  Stiche  hervorgehoben. ­
  Bei  den  Möbeln  finden  wir  eine  sehr  schöne,  gebrauchte ­
  Barockkömmode,  einen  italienischen  Büfettschrank  sowie ­
  verschiedene  Kleinmöbel.  Sehr  zahlreich  sind  die  Holzschnitzereien, ­
  die  meist  der  Barockzeit  angehören.  Darunter  sind
eine  Buchenholzfigur  des  hl.  Josef  und  schöne,  figurale
Wandkonsolen.  Unter  den  Siibergeräten  befindet  sich  ein  prachtvolles ­
  Alt-Wiener  Tablett.  Eine  kleine  Tapisserie  mit  einer
Parklandschaft,  zahlreiche  gut  brauchbare  Tapisseiaefnagmente,
dann  Perserteppiche  sowie  besonders  schöne  Tischwäschegarnituren ­
  sind  bei  den  Textilien  zu  nennen.  Aber  auch  Alt-Wiener
Porzellan,  alte  Gläser  und  viele  andere  Details  eines  kultivierten ­
  Haushaltes  dürfen  nicht  vergessen  werden.  Zum  Schlüsse
sei  noch  eine  ganz  erstklassig  modellierte  Marmorfigur  einer
ruhenden  Frauengestalt  erwähnt,  eine  Arbeit  des  berühmten
Mailänder  Bildhauers  C.  P.  Marches  i,  datiert  1838.
AUSSTELLUNGEN.
Berlin.  K  a  i  s  e  r  F  r  i  e  cl  rieh-  M  u  s  e  u  m.  Münzkabinett.
Krieg  und  Medaillen.
-  K  u  n  s  t  b  i  b  1  i  o  t  h  e  k.  Die  Stadt  Rom  im  Bilde  vom
16.  bis  18.  Jahrhundert.
K  u  p  f  e  r  s  t  i  eh  k  a  b  i  n  e  11.  Albrecht  A  11  d  o  r  f  e  r
und  sein  Kreis.
Brünn.  M  ä  h  r  i  s  c  h  er  Kunstverei  n.  Keramik,  Plastik,
Teppiche  (bis  etwa  1850)  aus  mährischem  Kunstbesitz.
            
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