INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
Nr. 9
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bürg auf der Donau nach Wien. In 52 Riesenfässern und 12
Kisten ging auf fünf Flössen der Transport vor sich 1 .
Unter den Fugger-Zeitungen sind nicht etwa Zeitungen im
heutigen Sinne zu verstehen, sondern sie galten als Geheimberichte
an das Haus Fugger, das sich als deutsches Großkaufhaus
über alle Weltereignisse aus den verschiedensten
Ländern und Erdteilen berichten ließ. Nicht Zusammenstellung
von Nachrichten war das Ziel, sondern Mitteilung eines einzelnen
Vorgangs war die Absicht, die allerdings schon durchaus
informativen Charakter besaß. Jeden solchen Bericht bezeichnete
man anfangs als Zeitung. In seinem Stammhaus zu
Augsburg hatte dieses deutsche Kaufherrengeschlecht damals
bereits eine Art von Agentur errichtet. Diese wurde in der
„Goldenen Schreibstube" bedient. Die Männer, die die „Zeitungen"
versorgten, nannten sich ursprünglich „Nouvellanten",
später Neuigkeitsbringer. Als solche lieferten sie dem
Hause Fugger regelmäßig ihre „Ordinari“ und auch „Fxtraordinari"-Zeitungen.
Fs gab also schon Ausgaben und Extra-Ausgaben
von Nachrichten. Unter diesen Berichten nimmt das
Flugblatt einen besonderen Platz ein. Weit älter als die Kunst
Gillenbergs stellt es einen Uebergang vom Brief zur regeli
mäßigen Zeitung dar, wobei es in den Fugger-Zeitungen nicht
selten den Charakter einer vertraulichen Mitteilung einnimmt.
Jedenfalls stellen diese Blätter einen wichtigen Beitrag zur Geschichte
der deutschen Zeitungskunde, sowie des deutschen
Nachrichtendienstes dar.
(Friedrich Loos’ italienische Bilder.) Fs wird überraschen,
in der gegenwärtigen Ausstellung des Graphischen Kabinetts
Günther Franke in München 45 unbekannten Werken von
Friedrich Loos zu begegnen. Fs wird darin erstmalig ein
Ueberblick über die in Italien zwischen 1840—50 entstandenen
Arbeiten des bekanntlich aus Graz gebürtigen Malers Loos geboten,
nachdem vor Jahresfrist die erste I.oosLAusstellung der
Tätigkeit des Künstlers in Wien und Salzburg gewidmet war.
Neben dem großen fünfteiligen Panorama von Rom, das nach
langen Vorarbeiten 1851 abgeschlossen wurde, stehen zahlreiche
intime Oelbilder, die erweisen, daß Loos in seltener
Weise einem jeden Format gerecht zu werden verstand.
Die italienischen Landschaften bilden den Abschluß, der Epoche
von dessen Schaffen, in der er noch aufs engste mit der Generation
der Reinholds, Wasmann, Rohden u. a. durch gemeinsame
'Anschauung verbunden' war.
(Ein Standbild des Praxiteles.) Wie aus Vicenza gemeldet
wird, glaubt man mit ziemlicher Sicherheit in einer
Bacchus-Statue ein Originalwerk des großen griechischen Bildhauers
Praxiteles entdeckt zu haben. Das Bildwerk, das
aus attischem Marmor hergestellt ist, wurde im Jahre 1824 in
den Thermen von Caracalla' in Rom von einem Vicentiner ausgegraben
und nach Vicenza gebracht. Bei einer von Professor
F a solo anläßlich der diesjährigen Augustusfeier vorgenommenen
Neuordnung der Sammlung fiel das Bildwerk durch
seine einzigartige Behandlung auf. Verschiedene Merkmale
lassen darauf schließen, daß es sich um eine Satyrstatue aus
Praxiteles eigener Werkstatt handle. Außer dem berühmten
.Hermes von Olympia, der 1877 hei den deutschen Ausgrabungen
ans Licht kam, sind bisher keine weiteren Originalschöpfungen
von Praxiteles bekannt.
(Das älteste Schachspiel.) Die I eitung des Museums von
Pennsylvanien und die amerikanische Schule für Altertumsforschung
in Bagdad berichten von der Auffindung alter Spielfiguren,
die viel Aehnlichkeit mit Schachfiguren zeigen. Die
Stücke, die von. einer Expedition im Norden des alten Irak
bei dem alten Tepl Gawra gefunden wurden, tragen Spuren
starker Abnützung. Wie die vorläufigen Feststellungen ergaben,
müssen die Spielfiguren aus der Vorgeschichte Mesopotäniens
stammen. Ihr Alter wird auf annähernd 6000 Jahre geschätzt,
(Verhaftung eines Antiquitätenhändlers.) In Krems (N.-Oe.)
wurde der Antiquitätenhändler Aigen bauer wegen mehrfacher
Diebstähle verhaftet. Aigenbauer hat den Diebstahl
wertvoller Heißgenstatuen in den Bauerndörfern der Wachau
geradezu organisiert. Lr beschäftigte zu diesem Zweck drei
Gehilfen. Einwandfrei nachgewiesen wurden ihm bereits der
Diebstahl einer 300jährigen Figur des hl. Florian und einer
ebenso alten Marienstatue.
MUSEEN.
(Oberhausens Heimatmuseum.) Die Ratsherren der Stadt
Oberhausen haben der Verschmelzung des Städtischen I Ieimatrnuseums
mit der Werksausstellung der Gute-Hoffnungshütte
ihre Zustimmung erteilt. Die Gute-Hoffnungshütte hat sich
verpflichtet, das Heimatmuseum in die historische Abteilung
der Werkschau der G. H. FI. aufzunehmen lind die Werkschau
in Zukunft täglich der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen.
Diese Vereinigung ist eine glückliche Lösung, zumal beide
Einrichtungen in mancher Beziehung zweckverbunden sind und
die einzigartige Industrieschau der G. H. H. weithin rühmlicltst
bekannt ist und ein starker Anziehungspunkt auch für
Fremde aus nah und fern ist.
(Umgestaltung des Bielefelder Museums.) Anläßlich der
Gaukulturwoche Westfalen-Nord wurde die geschichtliche Abteilung
des Bielefelder Museums einer gründlichen Erneuerung
unterzogen. Vor allem wurde das’ Obergeschoß einem völlig
neuen Zweck zugeführt. Hier sollen künftighin alle Fragen
des Natur- und Heimätschutzes lebendig werden. Von der
Wand wird als Leitsatz Adolf Hitlers Wort grüßen: „Die
natürlichen Schönheiten unseres deutschen Vaterlandes, seine
mannigfaltige Tier- und Pflanzenwelt müssen unserem Volke
erhalten bleiben; sie sind die Urquellen der Kraft und Stärke
der nationalsozialistischen Bewegung". In einem großen Schrank
und in einer Bilder reihe desselben Raumes findet sich eine Zusammenstellung
der ungeschützten und geschützten Tiere und
Pflanzen der Heimat. In Vorbereitung ist ein Wandbild, das
sämtliche Nalursclnitzgebiete der Provinz Westfalen wiedergibt.
Im Laufe des Jahres sollen auch die anderen Säle der
naturkundlichen Abteilung nach neuzeitlichen Gesichtspunkten
umgebaüt werden.
(Der französische Staat kauft ein Bild von Diel an.) Der in
Neustadt a. d. Weinstraße ansäßige Maler Prof. Otto Diel
stellte im April eine Reihe seiner Bilder in Paris aus. Nunmehr
hat die französische staatliche Galerie „Musee du Jeu de Paumes"
eines seiner Bilder „Jockei und Rennpferd" angekauft.
VOM KUNSTMARKT.
(Gemälde alter Meister.) Aus London wird uns berichtet:
Die von der „Internationalen Sammler-Zeitung" angekündigte
Versteigerung von Gemälden alter Meister aus den
Sammlungen Dr. Eduard Beith, E. F. Sidney und Mr.
Sceales hatte den erwarteten großen Erfolg. Es brachten (iti
Pfand): (
Aus der Sammlung Beith :
16 Van Goyen, Ansicht einer Stadt, vom Fluß gesehen,
15 : 21 l/o Z. 780
22 van der Heyden, Parklandschaft, 10,75:12,5 360
24 P. de Hooch, Abfahrt vom Landhaus, 25:31 2000
40 van der Neer, Der Brief, 30,25:24,5 1450
48 Riembrandt, Bildnis eines bärtigen Mannes,
9,25:7,5 1500
51 Salomon van Ruisdael, Flußszene, 28.5:41 780
56 i 1. M. S o r g h, Porträt eines jungen Mannes, 24.5 : 18.5 720
65 Wyirants, Landschaft, 9 : 13.5 165
Aus der Sammlung E. F. Sidney :
70 Jan van der Cap pelle, Flußszene, 29:41.5 480
75 Marco Z o p p o, Salvator Mundi, 17:11.5 1250
Aus der Sammlung Mrs. Sceales:
82 Porträt eines Edelmanns, 2 6:21 1400
88 Morl and, Farmer fährt auf den Markt, 19 : 26 420
115 üerard Don, Eine alte Frau ißt Suppe, 20 :16 580
(Versteigerung einer Wohnungseinrichtung.) Das Dorotheum
in Wien führt am 3. und 4. Mai die Versteigerung
einer Wohnungseinrichtung IV., Brahmsplatz 5, durch, die zahlreiche,
Sammler interessierende, Objekte enthält. Besonders hingewiesen
sei auf vier Bilder des süddeutschen Rokoko, die
reizvolle Gartendarstellungen mit allegorischen und satyrisclien
Szenen zeigen. Dem Kreis des Paris Bordone gehört eine
Darstellung von Abrahams Opfer an. Erwähnenswert sind auch
einige interessante Stilleben italienischer und niederländischer
Schule. Von Hugo C h a r 1 e m o n t sei ein Stilleben mit antiken
Kunstgegenständen und von Morland zwei Stiche hervorgehoben.
Bei den Möbeln finden wir eine sehr schöne, gebrauchte
Barockkömmode, einen italienischen Büfettschrank sowie
verschiedene Kleinmöbel. Sehr zahlreich sind die Holzschnitzereien,
die meist der Barockzeit angehören. Darunter sind
eine Buchenholzfigur des hl. Josef und schöne, figurale
Wandkonsolen. Unter den Siibergeräten befindet sich ein prachtvolles
Alt-Wiener Tablett. Eine kleine Tapisserie mit einer
Parklandschaft, zahlreiche gut brauchbare Tapisseiaefnagmente,
dann Perserteppiche sowie besonders schöne Tischwäschegarnituren
sind bei den Textilien zu nennen. Aber auch Alt-Wiener
Porzellan, alte Gläser und viele andere Details eines kultivierten
Haushaltes dürfen nicht vergessen werden. Zum Schlüsse
sei noch eine ganz erstklassig modellierte Marmorfigur einer
ruhenden Frauengestalt erwähnt, eine Arbeit des berühmten
Mailänder Bildhauers C. P. Marches i, datiert 1838.
AUSSTELLUNGEN.
Berlin. K a i s e r F r i e cl rieh- M u s e u m. Münzkabinett.
Krieg und Medaillen.
- K u n s t b i b 1 i o t h e k. Die Stadt Rom im Bilde vom
16. bis 18. Jahrhundert.
K u p f e r s t i eh k a b i n e 11. Albrecht A 11 d o r f e r
und sein Kreis.
Brünn. M ä h r i s c h er Kunstverei n. Keramik, Plastik,
Teppiche (bis etwa 1850) aus mährischem Kunstbesitz.