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MAK

Full text : Jahrgang 1 (1898) (Heft 1)

Ansichten  dazu.  Der  Kronprinz  Ferdinand  kaufte  dann  den  Van  der  Nüll'schen
Guckkasten,  aber  ohne  Spiegel,  denn  den  hatte  der  Apotheker  Moser  von  der
Josefstadt  erstanden;  der  Kronprinz  liess  sich  von  Plössl,  dem  berühmten  Optiker,
einen  neuen  machen.  Und  dann  liess  er  sich  immer  neue  Ansichten  dazu  malen,
vom  Vater  Alt,  und  dem  half  der  Sohn  dabei.  Grosse  Blätter  waren’s,  monatlich
vier  abzuliefern,  per  zwanzig  Gulden;  später  waren  es  monatlich  nur  zwei,  aber
zu  dreissig  Gulden.  Vor  drei  oder  vier  Jahren  sah  Meister  Rudolf  ganze  Portefeuilles ­
  voll  solcher  Blätter  in  der  Burg,  auch  die  seinigen  darunter,  und  war  ganz
erstaunt,  dass  er  das  gemacht  haben  sollte.
Wenn  man  so  mit  ihm  zurückwandern  könnte  durch  die  Jahrzehnte!  Gewandert ­
  ist  er  immer  und  mehr  als  seine  Bilder.  Er  schickt  ungern  Dinge  ins
Ausland:  „Ich  kann’s  nicht  verpacken,  und  's  ist  ja  eh  umsonst.“  Einmal,  in  Paris,
da  haben  sie  ihm  „so  a  Schrift“  gegeben;  ein  Ehrendiplom,  meint  er.  Er  selber
war  nie  in  Paris;  der  Whg  dahin  zieht  sich  und  es  hat  ihm  immer  „an  Mitteln
gefehlt“.  Aber  nach  Italiengieng  er,  so  oft  es  jene  fehlenden  Mittel  erlauben  wollten;
in  Venedig  war  er  zum  erstenmale  1833,...  vor  einer  ganzen  Weltgeschichte.
Dass  Rudolf  Alt  nicht  längst  die  internationale  Grösse  ist,  die  er  einst  ohne  Zweifel
werden  wird,  ist  eine  der  seltsamsten  I  hatsachen  des  modernen  Kunstlebens.  Ii>
den  drei  dicken  Bänden  Muthers  kommt  nicht  einmal  sein  Name  vor,  was  freilich
bloss  beweist,  dass  dieser  Kunsthistoriker  kein  internationaler  Mensch  ist.  Das  ist
Rudolf  Alt,  der  ehrwürdige  Patriarch  der  Wiener  Kunst,
und  dass  sich  jetzt  die  Jugend  zu  seinen  Füssen  schart,  ist
ein  Beweis,  dass  diese  Jugend  gesund  ist.  An  dem  Kerngesunden ­
  will  sie  emporblicken.  Wo  Rudolf  Alt  steht,  ist
fester  Grund.
Als  ich  ihm  sagte,  dass  ich  in  der  ersten  Nummer  von
„Ver  Sacrum“  über  ihn  schreiben  würde,  rief  er  heiter:  „Ja,
Sie  fangen  halt  mit  dem  A  an!“  Es  ist  aber  nicht  deshalb
geschehen,  sondern  weil  in  der  Malerei  wirklich  alles  mit
diesem  A  anfängt.
L.  HEVESI.

Buchschmuck  für
V.  S.  gez.  v.  Jos.
Hoffmann.
            
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