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MAK

Full text : Jahrgang 1 (1898) (Heft 10)

Studien  v.
J.  Repin.

|R  SACRUM.

macht,  die  Hoffnung,  ja  Gewissheit  wach  rufen,  dass  wir
auch  auf  diesem  Gebiete  das  Beste  von  ihm  erwarten  dürfen, ­
  wenn  er  sich  von  dem  allzu  Archaistischen  und  einer
gewissen  hieratischen  Steifheit  frei  macht.  Er  ist  übrigens
der  geborene  Holzschneider  fürs  Buch.  Für  das  Abheben
der  grossen  weissen  von  grossen  schwarzen  Flächen  hat  er
einen  ganz  eminenten  Sinn,  und  darinreicht  er  zuweilen  jetzt
schon  an  den  grossen  Künstler  heran,  von  dem  ich  nun  zum
Schlüsse  noch  reden  möchte:  an  FELIX  VALLOTTON.
Seitdem  Meier-Graefe  bei  Stargardt  in  Berlin  eine
Sammlung  der  besten  Holzschnitte  Vallotons  mit  einem
vorzüglichen  Texte  herausgegeben  hat,  ein  Werk,  das  kein
Freund  der  Holzschneidekunst  übersehen  dürfte,  ist  über
den  Schweizer  Künstler  nicht  mehr  viel  zu  sagen.  Meier-Graefe
  hat  in  seiner  scheinbar  hingeworfenen  Schreibweise,
hinter  der  aber  stets  gründlichste  Sachkenntnis  und  ein  ganz
ungewöhnlicher  Sinn  für  das  Wesentliche  in  jeder  Kunstäusserung ­
  steckt,  ungefähr  alles  gesagt,  was  sich  für  Leute,
die  nicht  zu  den  ganz  Zurückgebliebenen  gehören,  über
Vallotton  sagen  lässt.  Ich  verweise  also,  um  den  Verfasser
nicht  abzuschreiben,  auf  das  schöne  Werk  selber,  wobei

ich  übrigens  nicht  verfehlen  will,  zu  betonen,  dass  jeder,
der  es  sich  leisten  kann,  gut  thut,  die  Ausgabe  auf  japanischem ­
  Büttenpapier  zu  kaufen,  denn  die  Vallotton'schen,
wie  überhaupt  alle  Holzschnitte  kommen  auf  glattem  Papier
lange  nicht  so  zur  Geltung,  wie  auf  dem  seidenfaserig  weichrauhen, ­
  das  neben  den  Chinesen  nur  die  Japaner  herzustellen ­
  wissen.
Was  mit  Schwarz  aufWeiss  aus  dem  Holze  zu  holen
ist,  welch  köstliche  Wirkungen  fürs  Auge  zu  erreichen  sind,
wenn  es  jemand  versteht,  was  Geist  der  Linie  und  Flächenabwägung ­
  heisst,  das  kann  vor  diesen  wundervollen  Blättern ­
  mit  höchstem  Genüsse  erkannt  und  empfunden  werden.
Und  dass  man  zugleich  eine  Persönlichkeit  von  eigenster
Anschauungsart  kennen  lernt,  einen  Beobachter  des  modernen ­
  Lebens  voll  Schärfe  und  kaustischem  Humor,  einen
Porträtpsychologen  von  erstaunlicher  Tiefe  bei  grösster
Einfachheit  der  Kunstmittel,  kurz  einen  Künstler  in  Schwarz
und  Weiss,  der,  so  sehr  er  in  erster  Linie  auch  Formenmensch
ist,  doch  nicht  weniger  Bedeutung  als  Mensch  von  Geist
hat,  das  ist  am  Ende  eine  Zugabe,  die  auch  nicht  zu  verachten ­
  ist.
            
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