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MAK

Full text : Jahrgang 1 (1898) (Heft 4)

l( Ver  sacrum.

sich  draussen  im  Freien  eine  Wiedergeburt  und  du  siehst
sie  nicht,  begreifst  sie  nicht!Du  studierst  vielleicht  gerade  die
Renaissance  und  nimmst  an  der  lebendigen  Renaissance
der  Gegenwart,  an  der  du  mitzuwirken  berufen,  keinen
Antheil.  Und  sie  nicht  an  dir.
Es  gibt  Kunstgelehrte,  welche  genau  Tag  und  Stunde
angeben  können,  wo  Meister  Rembrandt  die  letzten  Abzüge ­
  einer  Radierung  von  seinesVatersWindmühle  gemacht
hat.  Und  doch  haben  sich  solche  Kenner  durch  plumpe  Fälschungen ­
  unerhört  täuschen  lassen.  Davon  haben  wir  die
heitersten  Beispiele  erlebt.  Es  wird  deswegen  niemandem
einfallen,  ihre  Freude  an  der  „reinen“  Wissenschaft  und
ihre  Verdienste  um  dieselbe  schmälern  zu  wollen.  Nur  lehrt
die  Erfahrung,  dass  mit  dem  „Kennen“  nicht  allemal  das
Erkennen  verbunden  ist!
Tritt  solche  merkwürdige  Rathlosigkeit  in  Fragen  des

eigentlichen  Kunstwertes  und  der  Echtheit  alter  Kunstwerke ­
  häufig  zutage,  so  ist  das  noch  in  erhöhtem  Masse
gegenüber  modernenWerken  der  Fall.  Man  verhält  sich  im
ganzen  ziemlich  ablehnend  gegen  dieselben  und  sucht  ihnen
mit  vorgefassten  Urtheilen  oder  gar  aus  alter  Gewohnheit
mit  abgeleiteten  „Kunstregeln“  beizukommen.  Zum  Glück
gibt  es  keine  feststehenden  Regeln  über  Kunst.  Das  Geheimnis ­
  der  Kunst  und  ihre  wunderbare  Wirkung  auf  den
Menschen  liegt  nicht  zum  geringsten  Theil  in  ihrem  steten
Wechsel,  ihrer  Unbeweisbarkeit,  ihren  unaufhörlichen
Wandlungen,  die  so  oft  als  Widersprüche  erscheinen,  in
Wahrheit  aber  nur  natürliche,  nothwendige  und  wohlthuende
  Gegensätze  sind.  Und  nur  darum  kennt  sie  keine
Wiederholungen,  weil  nicht  irgend  eine  äusserlich  wahrnehmbare ­
  mechanische  Gesetzmässigkeit,  eine  willkürliche
ästhetische  Theorie,  sondern  der  unerforschliche  Wesens-
            
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