Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 1 (Heft 7)

VER  SACRUM.

Ist  die  Architektur  noch  eine  Kunst?  Fast  möchte
man  es  zu  verneinen  suchen.  Der  Architekt  hat  weder
innerhalb  der  Künstlerschaft  noch  im  Publicum  den  Stempel ­
  des  vollen  Künstlerthums.  Der  unbedeutendste  Maler,
er  kleinste  Bildhauer,  der  schwächste  Schauspieler  und
er  unaufg-eführteste  Componist  nehmen  uneingeschränkt
ie  Künstlerschaft  für  sich  in  Anspruch  und  dieselbe  wird
ihnen  von  der  Welt  auch  willig  gegeben.  Aber  der  Archi-.?
  , m “f s  schon  Hervorragendes  geleistet  haben,  ehe  man
ihn  in  die  Reihen  der  Künstler  aufnimmt.
<,  .  Factoren  haben  gearbeitet,  das  Prestige  der  Ar-5'
  /j ten A  2U  unter g r aben.  Der  erste  ist  der  Staat,  der  zweite
‘A.-^i'chitekten  selbst.  Der  Staat  hat  an  seinen  technien
  Hochschulen  Prüfungen  eingeführt  und  die  Prüflinge
s  au  en  sich  nun  berechtigt,  auf  Grund  der  mit  Erfolg  abgelegten ­

  Prüfung  den  Berufsnamen  Architekt  wie  einen  Titel
führen  zu  können.  Diese  Farce  gieng  sogar  so  weit,  dass  man
an  die  Regierung  mit  dem  Ersuchen  herantreten  wollte,  die
Bezeichnung  Architekt  als  Titel  für  die  absolvierten  Techniker ­
  der  Hochbau-Abtheilung  gesetzlich  zu  schützen.  Dass
damals  das  ganze  gebildete  Wien  nicht  in  ein  grosses,  befreiendes ­
  Lachen  ausgebrochen  ist,  zeigt  wohl  bereits  zur
Genüge,  wie  tief  schon  durch  diese  Prüfungen  die  Meinung
ins  Volk  gedrungen  ist,  als  ob  die  Architektur  eine  Sache
wäre,  die  man  erlernen  könnte  und  über  deren  Beherrschung ­
  man  sich  ein  Zeugnis  ausstellen  lassen  könnte.  Man
denke  sich  die  ganze  Bewegung  nur  auf  die  Musik  übertragen. ­
  Das  Componieren,  dem  Schaffen  des  Architekten
so  innig  verwandt,  sollte  nach  der  Meinung  der  Conservatoristen
  nur  jenem  gestattet  sein,  der  eine  Prüfung  am  Con-Arahitektoniache


Stadien  von  Job.
Hofftnann.  Aua
„Der  Architekt“.
Verlag  von  Ant.
Sohroll  &  Co.

19
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.