MAK
m SACRUM. 
Tempera. Unter einem bor 
stigen, entzweigestrichenen 
Schnauzbart aber glüht die 
lange Virginiercigarre. Sie 
hindert ihn nicht an lusti 
gem Reden; an sehr lusti 
gem, denn Hans Schwaiger 
istvollursprünglicherLaune. 
In seinem harten Deutsch, 
i ff- y das w ‘ e e ‘ n czec hischer Dia- 
lect khngt, kommt alles, was er spricht, 
doppelt schnurrig heraus. Er übersprudelt 
davon, wie die tüchtigen Herzen pflegen, 
die voll sind mit der freien Natur, in der 
sie leben. Aber er kann auch zuhören und 
zuschauen. Ja, das ist ein Beobachter; näm 
lich unter den Leuten, die er mag. Wenn 
« Wdn , e geht ' sitzt « gewiss in der 
„Schwemm'“, unter möglichst unqualificier- 
baren Leutchen. Vor ihm genieren sie sich 
auch nicht. Als er in die Gegend kam, war 
das anders. Da glaubten 
die Herren Schmuggler, 
Wilddiebe und Land 
streicher, er sei von amts- 
wegen hergeschickt — 
exmittiert, sagt der juri 
stisch Gebildete —, um 
sie zu überwachen und 
auszuspähen. Aber sie 
merkten bald, dass er aus 
anderen Gründen ihre 
Gesellschaft suchte. Sie gefielen ihm halt. 
Und das gefiel wieder ihnen. Da wurden sie 
mm unmenschlich gut und haben ihn seit 
dem schrecklich gern. Es trifft sich sogar, 
dass ihm das sehr zupass kommt. Zum 
Beispiel, wenn er sich einmal nachts in der 
Schwemm' verspätet und sich dann allein, 
unsicheren Schritts, durch den verhexten 
Wald nach seiner Hütte durchtasten soll. 
Nebel im Kopf, Nebel im Wald, ... da 
? e ht eins leicht irre. Aber plötzlich langt 
eine unsichtbare Hand aus 
dem Dickicht, fasst ihn an, 
und eine unbekannte Stim 
me raunt: „Dort hinaus, 
Herr, geht der Weg.“ Oder 
der Unsichtbare nimmt ihn 
ganz und gar unter den Arm 
und führt ihn heim, und 
taucht wieder zurück in die 
Waldnacht. Nicht jeder 
Wanderer im Walde hätte 
sich des Unbekannten so zu 
beloben, wie Hans Schwai 
ger, den sie lieben. Er denkt 
sich dann, der Hoppeding 
habe ihn heimgebracht, oder 
das Huckemännlein. Denn 
die und dergleichen sieht 
er überall. Eines Nachts 
geht er frühmorgens von 
einer Kirchweih heimwärts und findet un 
terwegs am Fuss eines Weidenstrunkes einen 
Musikanten schwer im Thran liegen. Ein 
gefundener Bissen für ihn. Sofort setzt er 
sich hm und zeichnet eine ausführliche 
m ie \.r e ef aber 2eichne t, fällt ihm un 
willkürlich ein: was werden die Wichtlein 
sagen, wenn sie aus ihren Erdhöhlen schlu 
pfen und den da finden? Und daraus entstand 
\Y/ S £ d f ! " ElI J Menscil ist da!“ mit den 
Wichtelmännchen, die auf den schlafenden 
Mann stossen. Ein andermal 
hört er in Holland im Wirts 
haus Kartenspieler fluchen: 
„Hol mij de Duivel“ u. dgl., 
was ja dabei immer von 
Nutzen ist. Und da fällt ihm 
ein: wie, wenn der Teufel 
nun wirklich hereinführe 
und den Kerl beim Wort 
nähme! Und daraus ent 
stand das Bild, wo der Teu 
fel im Wirtshaus erscheint und den, der ihn 
gerufen, packen will. 
4 t S °wT f [ k Y en Skh bei ihm die Bilder aus 
derber Wahrheit und luftigem Hirngespinst. 
Der Aberglaube des Volkes ist bei ihm 
künstlerische Phantasie geworden. Er ist 
auch kein Mensch von heute, obgleich sein 
/_ ca T‘ Ssen wiI1 ' dass er am 28. Juni 
1854 zu Neuhaus in Böhmen geboren sei. 
Ensteiner aus dem Sechzehntenjahrhundert 
wo nicht gar aus dem fünfzehnten. Einer 
aus der Zunft der Fahren 
den: Spielmann, Zauber 
student, Rattenfänger 
oder dergleichen. Hat sich 
auch wirklich einmal als 
Rattenfänger dargestellt, 
in dem Cyklus von sechs 
Rattenfängerbildern, die 
er in junger Zeit seinem 
edlenGönner,demGrafen 
== Das Ideal. = 
Zierleiste. Gez. v 
H.Sehwaigerl898. 
Fragmente aus 
dem Rahmen der 
Illustrationen zu 
Canterburytales. 
Gezeichnet von 
H. Schwaiger
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.