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VER SACR1
Buchschmuck
v. J.Hofl'mann.
bei den suggestivsten
Künstlern — die Per
sönlichkeit und ihre
Wirkung uns nurDUN
KEL im Gefühl liegen,
dass uns aber ihre Nähe
zu einer sicheren Ge
wissheit schon gewor
den sein kann.
Mit derPersönlichkeit
zusammen fiele denn
der Hauptsache nach
auch vieles von all dem,
was man noch über
Richtung,Milieu,T ech-
nik, Anschauungen der
Zeit, die imKunstwerk wiederklingen,Zukünftiges, von dem
uns ein Hauch entgegenweht, sagen wollte. Manches davon
gehört ins Gebiet der Erkenntnis und ist vor allem dem
Kunstgelehrten wichtig, greift aber auch insofern in das
Gebiet des Fühlens über, als es diesem zur Klarheit ver-
hilft, es stärkt und unterstützt. Im übrigen findet alles in
der überragenden künstlerischen Persönlichkeit seinen Ein-
klang* Sie findet zu der Tiefe ihres Inhalts kraft ihrer
Schöpfergabe die adäquate Form, sie macht sich alle Mittel
unterthan und geht ihren eigenen Weg trotz Schule und
Richtung, sie bewahrt den Stil — so einer vorhanden —
und drückt ihm ihren persönlichen Stempel auf, sie schafft
einen neuen Stil, unbewusst, indem sie sich selbst gibt, sie
steht in ihrer Zeit und trägt doch die eigene Welt in sich,
sie thut nur das eine: sie gestaltet und geht in die Zukunft.
Denn alle grossen Künstler sind Pfadfinder und — Erfüllen
Ihr reifstes Können aber ist Zukunftskunst...
Erhebend wird dem Geniessenden auch davon ein
Schein aufgehen, wenn er dem Kunstwerke EIGNEN
LEBENSINHALT entgegenbringt. Hier schliesst sich der
Ring. Ausgang und Ende. Die Schlange, die sich in den
Schwanz beisst. Aus diesem Ring werden wir in der Kunst
nie kommen. Werden wir nie kommen WOLLEN. Er
umzirkt Gegenwart und Zukunft, um nicht von Zeit und
Ewigkeit zu reden .. .
Vom eignen Lebensinhalte aus muss alle Kunst genos
sen werden. Jahre bringen ihn nicht, äussere Geschehnisse
auch nicht. Ein künst
lerisches Gemüth er
wirbt ihn von Augen
blick zu Augenblick.
Die Jahre machen ihn
reifer und tiefer, aber er
bewahrt sich seine Ju
gend. So ist er Alter und
Jugend zugleich. Neue
Thore thun sich auf,
neue Perspectiven er
öffnen sich.DerSchmerz
trägt eine Stille in sich
nach der Überwindung
und gelassen liegt alles
Schwere und Dunkle T ~~ „ „ f ...
daneben. Alle Sehnsucht und Hoffnung, alles Verfehlte
undUnerreichte, es ist INHALT geworden. Es liegt in der
Seele wie ein Traum. Es ist das Leben selbst. Und alles
Lebens klingt ein sanfter Nachklang ...
So vereinigen sich Leben und Kunst wunderbar zum
Kunstgenuss. Man soll nicht dabei alt geworden sein, nicht
alt dabei werden. Unverkümmert die Freude, in hingeben
der Liebe immer wieder verjüngt. Das Alter ist die schwere
Tragödie des Künstlers, es gebiert dem Geniessenden kein
Leben mehr ...
Und nun noch einen Schritt und das Feinste des
Genusses fienge an, das Gemessen des Gourmet, das Nuan
cierteste, das Nervöse, Decadente, Raffinierte, Sensible.
Ich glaube, es ist gut und recht, den Genuss in uns so weit
zu steigern, als möglich, unserem Lebensinhalte, dem IN
DIVIDUELLEN in uns Rechnung tragend, ihm genügend.
Dann ist ja freilich zum Krankhaften oft nur ein kleines
Schrittchen. Wir mögen es streifen, — es ist oft schwer zu
beurtheilen, wo und wann wir es streifen aber wir wollen
uns nicht ermüden. Wir wollen uns den gesunden Rem
bewahren. Wir wollen nicht die Schwester der Kunst ver
gessen, die uns neu stärkt und erquickt, deren Schalen
immer fliessen und verjüngenden Heiltrank spenden, wenn
wir in den Armen der Kunst uns vergessen haben: UIC.
NATUR! Es gilt den Geniessenden, immer — aber es hat
auch immer den Künstlern gegolten .. •
WILHELM HOLZAMER.