VER SACRUM,
Buchschmuck
v. J.HofFmann.
= FLOXBLÜTEN. = STUDIE
VON J. STANISLAWSKI.
BUCHSCHMUCK.
W as verstehen wir unter Buchschmuck? Seltsam
naiv, wie die Frage erscheint, ist sie dennoch be
rechtigt, doppelt berechtigt vom Standpunkt un
serer heutigen, unendlich sensiblen und verfeinerten Kunst
empfindung. Das Wort an sich ist ja allerdings in seiner
synthetischen Kürze so klar bezeichnend, wie kaum ein
zweites. Es handelt sich um den Schmuck des Buches,
zum Unterschied von seinem eigentlichen Zweck und In
halt. Wir wollen unsere Bücher „schmücken“ — von
innen und aussen—damit sie uns nicht nur „klug“ machen,
belehren oder schlechthin die Zeit vertreiben, sondern auch
durch ihre blosse äussere Erscheinung erfreuen. Ihr An
blick soll in uns ein unmittelbares Wohlgefallen hervor-
rufen, ganz abgesehen von ihrem literarischen Inhalt.
Durch den Schmuck können und sollen unsere Bücher
erst zu einem unveräusserlichen Theil unserer täglichen
künstlerischen Umgebung gemacht werden.
Die Einsicht, dass die Schönheit endlich einziehen
muss in unser Heim, dass sie jedem zugänglich gemacht
werden soll, der sie in ihrer ganzen Reinheit und Würde
in sich aufzunehmen vermag, wird jetzt allgemein als eine
der besten Errungenschaften des so vielfach missdeuteten
demokratischen Zuges unserer Zeit empfunden. Kunst
gehört nicht mehr allein in die Paläste der grossen Mäcene
oder in die Riesenstapelplätze, Museen genannt; sie ist
Allgemeingut. Oder vielmehr, sie ist es nicht, noch lange
nicht! Aber sie muss es werden. Wir fühlen es alle, das
ist nur eine Frage der allernächsten Zeit. Schon klopft sie
draussen vernehmbar an die Thür unseres Hauses und
begehrt Einlass, immer lauter und dringender. Öffnen wir
ihr weit die Thüren! Sie kommt als Gast und möchte
doch in unserer Wohnung gern ein dauernd Unterkommen
finden. Und wahrlich, sie ist unseres Vertrauens würdig.
Reich und köstlich belohnt und beschenkt wird der sein,
der ihr freundlich Einlass gewährt. Denn die Kunst kommt
nie, um zu nehmen, sondern um zu geben! —
Ein Heim ohne Bücher gleicht in gewisser Hinsicht
einem Buch ohne Schmuck. Es ist leer, zierlos, unfreund
lich, geistlos. Wir können uns auch das W^ohnzimmer ohne
Bücherschrank gar nicht denken. Beim Buch sind wir
minder anspruchsvoll. Einen Hauptschmuck des Bürger
heims kann man jedenfalls die Bücher heute keineswegs
mit gutem Gewissen nennen. Dafür sind sie entweder zu
reizlos und farblos oder überhaupt ganz bunt und ge
schmacklos „gekleidet“. Man friert ja förmlich bei ihrer
papiermachenen Kaltheit und Dürftigkeit! Geben wir
ihnen ein Gewand, das sie gut kleidet und ihrem Wesen
angepasst ist, geben wir ihnen wieder Wärme und Zier
schmuck für ihre Umhüllung. Wir können unsere alte
Dankesschuld gegen „diese besten, treuesten der Freunde*
nicht schöner abtragen.
Wir wollen also unsere Bücher verschönern. Aber wie.
Da ist zunächst die Aussenseite, der Einband. Von
sämmtlichen Theilen des Buches gewährt vielleicht gerade
dieser die grösstmöglichste Freiheit für dasWalten des deko
rativen Geschmacks und der denkbar verschiedensten Ein -
bildungskraft des künstlerischen Geistes. Das für denBucn-
deckel verwendbare MATERIAL (Leder, Holz, Papier,
Metall) ist so vielseitig, dass darin schon allein eine unbe
grenzt herrliche Perspective für die kunsthandwerkliche
Thätigkeit nach jeder Richtung hin sich eröffnet. Wenn
unsere Künstler und Handwerker — und nicht zuletzt
auch Dilettanten — sich die mannigfachen Anregungen,
die in neuester Zeit das Ausland gegeben hat (Frankreich,
England, die Niederlande und Skandinavien, vornehmlich
das kleine, künstlerisch so autochthone Dänemark!), zu
Nutzen machen, so kann die Ernte eine reiche und schöne
werden. Der Bucheinband gewährt die denkbar wehge
hen dste Gelegenheit zur Bethätigung der modernen For
men- und Farbenempfindung.