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VER SACRUi SA( 
Buchschmuck 
v, J JHoffimann. 
Mittel dafür kann man jedem geben, z. B. Erlernen 
der historischen Entwickelung, Merkmale gewisser 
Hauptströmungen, Einblicke in die Technik etc. Vor 
denen, die nur von da aus verstehen, haben die Künst 
ler mit entschiedenstem Rechte einen horror. Sie 
schimpfen stets auf ihre Schulmeisterweisheit. — 
Wie man Kunstwerke gemessen soll, kann man 
nicht lehren. Man müsste es denn fertig bringen, 
das WESENTLICHSTE eines Kunstwerkes in 
Worte zu fassen. Das versagt aber stets, auch dem 
Besten, auch dem Künstler selbst. Oder gerade die 
sem. Das Wesentlichste kann nur GEFÜHLT wer 
den. Und vieles im Reiche der Gefühle bleibt uns 
dunkel. Wir stehen vor einem „Etwas“, das eine 
Wirkung auf uns ausübt. Hier freilich kann das Ver 
ständnis helfend beispringen, es kann die Gefühle zu 
einer etwaigen Klarheit steigern helfen, also, dass 
wir uns genauere Rechenschaft darüber geben können. 
(Beim Kritiker werden sich also beide vereinen; der 
Künstler selbst hat nach dem einen wenig zu fragen. 
„Bilde Künstler, rede nicht.“ AuchWAGNER macht 
keine Ausnahme, zeigt nur einen besonderen Fall...) 
Wer Kunst gemessen will, muss KÜNST 
LERISCH EMPFINDEN können, muss KÜNST 
LERISCHES GEFÜHL haben! 
Er muss diese nervöse Feinheit in sich tragen 
und diese feine Nervosität, die sofort erregt, in Stim 
mung versetzt wird und des Kunstwerks Innengehalt 
auf sich wirken fühlt. Er muss der Kunst gegenüber 
Medium sein. Aus der Stimmung heraus wird ihm 
der erste Genuss dunkel, unklar — und vielleicht ge 
rade darum von heimlichstem Reize. In der Stimmung 
wirkt das Mystische aller Kunst an sich ... 
Der Geniessende muss zugleich auch eine ge 
wisse Nachgiebigkeit und Entäusserungsfähigkeit 
haben, Femliegendes,Widersprechendes zu goutieren. 
In ihm müssen sich alle Richtungen eben in dem 
einen Mystischen, dem echten Kunstgehalt, den er 
wirkend fühlt, vereinen. 
DER GENIESSENDE MUSS SELBST 
KÜNSTLER SEIN, IN DEM SINNE, DASS ER 
KÜNSTLERISCH ERLEBT! Daraus schöpft er 
den höchsten Genuss, denn sein höchstes künst 
lerisches Erleben wird ihm durch das Kunstwerk. 
Dieses ist aus dem tiefsten und reichsten inneren Er 
leben geboren, es fasst oft eine ganze Kette von Er 
lebnissen zusammen, es ist selbst ein Erlebnis, das 
ein Inneres ganz wiederspiegelt. 
Das Kunstwerk versetzt uns in einen gewissen 
Rausch, in eine selige Erregung während des Ge 
nusses. Wir sind von ihm erfüllt. Vieles ward in uns 
gelöst und die suggerierte Stimmung beherrscht uns. 
Wir schwelgen — und nehmen alles in uns auf, was 
dasWerkzu geben vermag. Wir fordern nicht Rechen 
schaft von uns selbst, wir scheuen alles Fragen, wir 
geben uns nur hin. Wir gehen selbst im Kunstwerk 
auf und suchen uns nicht zu ihm in Beziehung zu 
setzen. Doch dies hält nicht an. Nach und nach klärt 
sich's in uns. Das morgen hat nur noch ein Nach 
zittern vom gestern. Es ist wie ein Duft, wie ein 
Hauch, wie ein Klang. Er RUHT in der Seele. Er 
hat sich darin behalten, wie das stille Wimpernheben 
eines Räthselauges. Es ist das Feinste des Kunstwerks, 
was nicht verwischt werden kann — sein Nachklang. 
DAS FEINSTE DES KÜNSTLERISCHEN GE- 
NIESSENS IST DER NACHKLANG!
	        
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