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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 1)

Bild  ist  Besitz.  Darum  sind  Kinder ­
  so  reich.
Ihr  Reichthum  ist  freilich  rohes
Gold,  nicht  übliche  Münze.  Und  er
scheint  immer  mehr  an  Werth  einzubüssen,
  je  mehr  Macht  die  Erziehung ­
  gewinnt,  die  die  ersten
unwillkürlichen  und  ganz  individuellen ­
  Eindrücke  durch  überkommene ­
  und  historisch  entwickelte
Begriffe  ersetzt  und  die  Dinge,  der
Tradition  gemäss,  zu  werthvollen
und  unbedeutenden,  erstrebenswerthen
  und  gleichgiltigen  stempelt.
Das  ist  die  Zeit  der  Entscheidung.
Entweder  es  bleibt  jene  Fülle  der
Bilder  unberührt  hinter  dem  Eindrängen ­
  der  neuen  Erkenntnisse,
oder  die  alte  Liebe  versinkt  wie
eine  sterbende  Stadt  in  dem  Aschenregen ­

  dieser  unerwarteten  Vulcane.
Entweder  das  Neue  wird  der  Wall,
der  ein  Stück  Kindsein  umschirmt,
oder  es  wird  die  Fluth,  die  es
rücksichtlos  vernichtet.  D.  h.  das
Kind  wird  entweder  älter  und  verständiger ­
  im  bürgerlichen  Sinn,  als
Keim  eines  brauchbaren  Staatsbürgers, ­
  es  tritt  in  den  Orden  SEINER
Zeit  ein  und  empfängt  ihre  Weihen,
oder  es  reift  einfach  ruhig  weiter
von  tiefinnen,  aus  seinem  eigensten
Kindsein  heraus,  und  das  bedeutet,
es  wird  Mensch  im  Geiste  ALLER
Zeiten:  Künstler.
In  diesen  Tiefen  und  nicht  in
den  Tagen  und  Erfahrungen  der
Schule  verbreiten  sich  die  Wurzeln
des  wahren  Künstlerthums.  Sie
wohnen  in  dieser  wärmeren  Erde,
in  der  niegestörten  Stille  dunkler
Entwicklungen,  die  nichts  wissen
von  dem  Maass  der  Zeit.  Möglich,
dass  andere  Stämme,  die  aus  der
Erziehung,  aus  dem  kühleren,  von
den  Veränderungen  der  Oberfläche
beeinflussten  Boden  ihre  Kräfte  heben, ­
  höher  in  den  Himmel  wachsen
als  so  ein  tiefgründiger  Künstlerbaum. ­
  Dieser  streckt  nicht  seine
vergänglichen  Aeste,  durch  welche
die  Herbste  und  Frühlinge  ziehen,
zu  Gott,  dem  Ewigfremden,  hin;
©
            
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