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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 1)

nicht  die  Fähigkeit.  (Auch  das  Gemessen
will  gelernt  sein.)  Durch  eine  gute  Mutter
waren  ihm  mehr  reinliche  Gewohnheiten ­
  anerzogen  worden,  als  dass  er  sich
dauernd  in  rohen  Genüssen  hätte  befriedigen ­
  können.  Und  zu  den  feineren  fehlten ­
  ihm  bei  aller  Sehnsucht  die  Schlüssel.
Er  verkehrte  mit  Malern  und  Dichtern. ­
  Er  kaufte  Bilder  und  Bücher
und  lud  zu  kostbaren  Diners.  Er  horchte
auf  Kunsturtheile  und  sprach  sie  nach.
Er  ging  fleissig  die  Galerien  ab  und
suchte  die  Nummern,  von  denen  man
ihm  geredet  hatte.  Aber  im  Grunde
blieb  ihm  alles  eine  grosse  Wirrniss.  Er
irrte  umher,  that,  wie  wenn  er  Freude
hätte,  und  quälte  sich  nur.
Er  gab  sich  blasirt,  ohne  genossen
zu  haben.

Und  gerade  diese  scheinbare  Blasirtheit
  war  das  Typische  an  ihm  für  unsere
sogenannten  Kunst-Enthusiasten.  Den
Grund  der  Blasirtheit  suchen  heisst  vielleicht ­
  Heilung  finden.
Der  Grund  liegt  vor  Allem  in  der
Rathlosigkeit  dieser  Durchschnittsmenschen ­
  vor  der  Kunst.  Sie  stehen  vor
der  Kunst  als  vor  den  sichtbaren  Zeichen ­
  einer  Leidenschaft  höchst  organisirter
  Individuen.  Finden  sich  nicht
gleich  zurecht  und  vergessen  in  ihrer
Rathlosigkeit  die  natürlichen  Fäden,  die
dennoch  von  ihrer  Seele  in  die  Kunstwerke ­
  hinüb  erführen.  Die  eine  grosse
Angst  des  modernen  Menschen:  vor  einer
Sache  als  Unwissender  zu  stehen,  „etwas
nicht  zu  kennen",  lässt  ihnen  nicht  Zeit
zum  eigenen  Suchen.  Ausserdem  wirkt
            
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