schreibt, dem Unkundigen nur tote Schnörkel, zu
lebendigen, bedeutungsvollen Hieroglyphen, die
sich klingend und flammend von selbst zu wundervollen
Landschaften zusammenfügen.
Die Landschaftsmalerei stellte er am höchsten
und als die Meister derselben verehrte er Salvator
Rosa und Claude Lorrain. Er selbst, abgesehen
davon dass er ein geschickter Dekorationsmaler
gewesen sein soll, hatte natürliche Begabung nur
für die Karrikatur, und wenn er sich ernstlich auf
die Malerei verlegt hätte, wäre es ihm wohl so
ergangen wie seinem Berthold in der „Jesuiterkirche”,
dem zwar in inneren Traumgesichten
das heimliche Wesen der Natur herrlich auf geht,
dem aber die Schöpferkraft sie so darzustellen
gebricht. Denn auch in seinen Dichterwerken
treffen wir ebensowenig jemals die reine schöne
Natur wie die Liebe. Liebe hatte er lebenslang
ersehnt, aber niemals schön in sich erlebt und auch
nicht dargestellt. An Heissblütigkeit glich er einem
Italiener, wie er auch äusserlich, wenn er seine
Dienstuniform trug, einem italienischen oder französischen
General ähnlich gewesen sein soll. Er
selbst klagt, dass die Heftigkeit, vielmehr Raserei
seiner Empfindung, stets sein Glück zerstört habe.
Man weiss aber, dass, je sinnlicher ein Volk, desto
niedriger die Stellung seiner Frauen und sein
Begriff von Liebe ist, und wenn nun auch Hoffmanns,
als eines so aufmerksamen und idealistischen
Mannes, Begriff der Liebe ausserordentlich hoch
war, so war er doch nicht im Stande, ihn auf der
Erde unter wirklichen Menschen unterzubringen.
Eine Frau anders als vom geschlechtlichen Standpunkte
aus anzusehen war ihm unmöglich; handelte
es sich auch nur um ein flüchtiges Gespräch
oder um einen Tanz, so musste er selbst für diese
kurze Dauer wenigstens die Möglichkeit sich zu
verlieben sehen, wenn er sich unterhalten sollte.
Er gab zwar zu, dass eine ältere Frau, wenn sie
Geist besitzt, das jüngste Mädchen an Anmuth
und Reiz übertreffen könne, aber sein Temperament
zog ihn doch immer unwiderstehlich zu diesen
jüngsten Mädchen hin, die er hernach verspottete.
Für seine Freunde war es ein Aergemiss mit anzusehen,
wenn er, als reifer Mann, sich für irgendein sechzehnjähriges
Mädchen aufs Aeusserste erhitzte, was
um so peinlicher war, als er sich selbst dabei lächerlich
vorkam und der innere Zwiespalt ihn hässlich
verzerrte. Auch in seinen Liebesgeschichten ist die
Heldin ein „liebes Engelskind” oder „holdes Himmelsbild”
von sechzehn Jahren, deren Erscheinung aber
in den meisten Fällen eine leise Ironie begleitet,
so dass man spürt, die thörichte Verherrlichung
gehe eigentlich nicht vom Dichter, sondern von
seinem verblendeten Liebhaber aus, den er sogar
zuweilen noch zu retten für gut findet. So schliesst
die Brautwahl damit, dass der Maler Edmund seine
Braut Albertine, um deren Besitz sich die ganze
Erzählung gedreht hat, verlässt, um eine Kunstreise
nach Italien zu machen, und der Leser wird
mit der frohen Ueberzeugung entlassen, dass er
sich ganz von ihr losmachen und nur der Malerei
leben wird. In der „Jesuiterkirche” wird ein verwandter
Gegenstand behandelt, dass nämlich ein
von hoher Liebe Begeisterter, namentlich ein Künstler,
niemals sein Ideal als Frau heimführen und
dadurch in den Kreis des Alltäglichen herabziehen
dürfe. Berthold heiratet die herrliche Geliebte,
die ihn eigentlich zum Künstler gemacht hat, indem
er sein Genie in der Bemühung ihr Ebenbild wiederzugeben
entdeckte; und von dem Augenblick an
erlahmt seine Kraft, er sieht den überirdischen
Schimmer nicht mehr, der sie früher umgab, der
Aufschwung, den seine Liebe ihm sonst verlieh
und der ihn zu grossen Leistungen befähigte, stellt
sich nicht mehr ein, er fängt an als hemmend
zu empfinden, was ihn sonst beflügelt und seine
Frau, trotzdem er sie innigst bemitleidet, zu hassen,
bis er sie schliesslich in der Raserei der folternden
Qualen ermordet. Die erschütternde Tragik, die
in dieser Verwickelung liegt, hat Hoffmann allerdings
nicht gestalten können. Seine Kraft liegt
im ironischen Humor, den er im Artushof so
allerliebst spielen lässt; dort rettet er den kunstbegabten
Traugott erst vor der häuslichen, ganz
prosaischen Christine und dann vor deren Gegenstück,
der geheimnissvollen Felicitas, die er eigentlich
nur als Bild kennen und lieben lernt. Denn
als er hört, dass das hohe Ideal, das er nie zu
gewinnen dachte, aber auch nie verlieren zu können
glaubte, Kammerräthin Mathesius in Marienwerder
geworden ist, erlöscht die Schwärmerei in seiner
Brust, und wenn Hoffmann ihn doch noch in
eine in der Zukunft liegende Verlobung einmünden
lässt, so ist das wohl mehr ein Zugeständniss an
das Publikum oder der Wunsch die Geschichte
mit einer hübsch beleuchteten Gruppe zu schliessen.
Im „Klein Zaches” ist man jeden Augenblick
darauf gefasst, dass Hoffmann seinen dichterischen
Balthasar noch, eh es zur Hochzeit kommt, der