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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 11)

a

THEO  VAN
RYSSELBERGHE

E s  könnte  mich  locken,  mit  Hintansetzung  der
Anekdote  und  aller  oberflächlichen  Einzelheiten ­
  die  Natur  dieses  Malers  direct  zu
studieren.  Leichtigkeit,  Fülle,  Raschheit  des  Entwurfes ­
  und  Gewandtheit  der  Ausführung,  eine
immerwache  Unmittelbarkeit  und  eine  ganz  unbestreitbare ­
  Eleganz  characterisieren  seinen  Anfang.
Er  triumphierte  im  Augenblick,  wo  er  erschien;
doch  alsbald  begreift  er,  dass  ein  solcher  Triumph
gemein  ist,  und  sein  Glück  und  sein  Erfolg  bringen
ihn,  anstatt  ihn  zu  befriedigen,  zum  Nachsinnen.
Schon  die  erste  Ueberschau  seiner  selbst  zügelt  in
ihm  diese  gefährliche  Mühelosigkeit,  alles  zu  malen,
ohne  jemals  zu  missfallen.  Er  begiebt  sich  mit
Eifer  an's  Studium;  er  wird  in  der  Zeichnung  straffer; ­
  er  erwirbt  sich  eine  fast  tadellose  Technik.
Er  macht  gute  Malerei.
Ein  Anderer  hätte  sich  damit  begnügt.  Theo
van  Rysselberghe  thut  das  nicht.  Da  seine  Leidenschaft ­
  für  die  Kunst  ihn  mehr  und  mehr  befeuert,
setzt  er  sich  die  Aufgabe,  sein  Studium  des  Lichtes
und  des  Umrisses  bis  zur  Spitze  zu  treiben.  Der

Impressionismus  hatte  ihn  gewonnen.  Er  versteht
sofort  alle  dessen  Hilfsquellen.  Zum  erstenmal  wird
das  Weltall  in  seinem  hellen,  beweglichen,  lebenden ­
  Aussehen  betrachtet.  Die  Stunden,  von  denen
man  bloss  das  Erscheinen  im  Frühlicht  und  das
Verschwinden  in  der  Dämmerung  kannte,  sie  werden
nun  eine  um  die  andere  studiert  und  die  Atmosphäre ­
  wird  in  ihren  tausend  zarten  Wandlungen
wiedergegeben.
Was  Theo  van  Rysselberghe  an  diesem  neuen
Bemühen  der  Kunst  um  den  aufrichtigen  Ausdruck
der  Dinge  gelockt  hatte,  das  war,  glauben  wir,
die  Freude.  Manet,  Monet,  Renoir  erleuchten  die
Natur  und  machen  .'sie  vor  Lustigkeit  schreien.
Theo  van  Rysselberghe,  indem  er  sich  zu  ihnen
wendet,  gehorcht  also  dem  Grunde  seines  Wesens.
Er  hatte  sich  selbst  schon  zu  sehr  überwacht,  um
auf  diesen  neuen  Weg  nichts  anders  mitzubringen
als  nur  Feuer  und  Flüchtigkeit.  Der  Impressionismus, ­
  der,  nicht  bei  den  Meistern,  aber  bei  ihren
Nachahmern,  häufig  im  Entwurf  und  der  Skizze
stecken  bleibt,  und  nichts  als  unfertige  und  keim-0


            
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