MAK
THEO VAN RYSSEL- 
BERGHE. AKT 
STUDIE ZU DEM 
BILDE = ABEND 
GLÜHEN = J897 
AUGUSTE RODIN 
Zur Ausstellung- seiner Werke in Amsterdam 
Von OSKAR FISCHEL 
E s war ein grosser Sprung, wenn man am stillen Rokin in Amster 
dam die Schwelle des Hauses „Arti et Amicitiae” überschritt, 
von Rembrandt und Hals zu Balzac und Baudelaire, freilich 
auch zu Dante. Nach allem, was von den Wänden des Rijksmuseums 
so frisch herableuchtet, in jahrhundertlanger Auswahl, will es nicht 
behagen vor blendend weisse Gypse zu treten, noch dazu Ausgüsse 
scheinbar unfertiger Formen, wie sie hier als Rodin - Ausstellung das 
Werk eines Künstlers zum ersten Mal übersehen lassen sollten. — 
Ueberhaupt, man findet sich auf Plastik nicht eingerichtet, wenn man 
in den Niederlanden reist, und besonders, wer kunstgeschichtlich gelernt 
hat, er sei hier im Land der ausschliesslichen Malerei. Diese Weisheit 
ist nur vorübergehend ein Trost, wenn man sich hülflos und etwas 
beschämt fühlt vor der überreichen plastischen Sammlung des Brüsseler 
Musee cinquentenaire — und von der Grossartigkeit der modernen 
Plastik auf den öffentlichen Plätzen Brüssels und Antwerpens nimmt 
man dann schon die Beruhigung mit, dass die Kunst sich zu ihrem 
Glück nicht immer nach der Kunstgeschichte richtet und mitunter die 
dankbare Rolle auf sich nimmt, zur kunstgeschichtlichen Regel die 
Ausnahme zu liefern. 
Rodin ist nun freilich in den Niederlanden nur Gast, wenn er 
auch lange in Brüssel thätig war und vielfach sogar als Carpeaux 
Schüler gilt, dessen Temperament seine vlämische Mischung nie ver 
leugnet hat. 
Wer Rodins Meister war? Sonst nennt man wohl noch Barye 
und den graziösen Carrier-Belleuse als die, deren Einfluss er erfuhr. 
Wer so stürmt und drängt wie Rodin wird immer ein undankbarer 
Schüler sein, und er ist einer von denen, die die Frage nach ihrer Her 
kunft unbeantwortet lassen. Wer war Donatello's Lehrer und was lehrt 
es uns, dass wir Michelangelo^ Meister kennen? — Man hat ihn ja 
den französischen Michelangelo genannt; der Name des Florentiners 
ist schon anderswo mit weniger Recht angewandt; man verschwendet 
doch gerne grosse Namen an kleinere Dinge und kennt sogar eine
	        
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