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pflegten; derselbe war nebst einem stattlichen 
Herrenhause von seinen heiligen Besitzern ver 
schmäht und der Verwilderung preisgegeben. Mit 
grossen Anstrengungen wurde denn das schwere 
Bildwerk auf einen künstlichen Hügel im Parke 
gebracht, von wo aus man einen Ausblick über 
den Strand und das Meer hatte, und angesichts 
einer grossen Menschenmenge feierlich enthüllt. 
Im ersten Augenblick sah man nichts als einen 
blendenden, im Glanze der Mittagssonne nach 
allen Seiten Strahlen schiessenden Goldkoloss, so 
dass der Eindruck ebenso heiter wie erhaben war; 
erst bei längerem 
Schauen offenbarte 
das Idol die böse 
Natur, die der Mei 
ster mit staunens 
werter Kunst hin 
eingebildet hatte. 
Die ganze Figur des 
Ungeheuers liess 
sich etwa mit einem 
Nilpferd verglei 
chen, soweit sie breit 
und ungeschlacht 
war, doch lag in 
dem prallen Leibe 
bei aller Plumpheit 
etwas Elastisches 
und den säulen 
dicken Beinen die, 
sich gegen den 
Fuss zu noch be 
trächtlich verbrei 
terten, sah man an, 
dass sie sich wie der 
Blitz aufheben und 
ihr Opfer in den Staub zusammenstampfen könnten. 
Was aber vorzüglich mit Schrecken erfüllte war das 
Antlitz mit den grossen vorquellenden Augen, die 
dumm, grausam und tückisch, nach allen Seiten 
zugleich zu blicken schienen. Das weite Maul hatte 
einen zweideutigen Ausdruck, so dass man nicht 
wusste, ob es in thierischer Weise lachte, oder sich 
zum Geheul oder zu mörderischem Biss öffnete. In 
der Haltung des Ungethüms war etwas, als lauerte 
es auf den Augenblick, wo es sich auf das Volk, 
wenn es mit gesenkten Köpfen zur Anbetung 
niederkniete, herunterlassen könnte, um es zu 
zermalmen und zu fressen. So verschieden nun 
auch jeder das Götzenbild betrachten und auslegen 
mochte, flösste es doch allen Abscheu und 
Grauen ein und es verbreitete sich bald allerlei 
abenteuerliches Gerede, wie zum Beispiel, dass man 
der Bestie nicht grade ins Auge sehen dürfe, da 
sie einen sonst behexe und nicht mehr losliesse, 
ferner dass sie Nachts, wenn der Mond ihren 
glatten Goldrücken beschiene, lebendig würde, zu 
welcher Zeit viele ein kicherndes Heulen, wie von 
hungrigen Hyänen, gehört haben wollten. Dies 
aber sowie die Zerstampfung des Bodens umher, 
die man wohl des Morgens wahrnahm, mochte 
von dem ausgelassenen Toben der Weltkinder 
herrühren, die, ob 
wohl es meistens 
arme Schelme wa 
ren, unter Scherz 
und Jubel um das 
Scheusal herum - 
tanzten. Ihr An 
führer zu allem war 
der Lustbold, der 
allmählich immer 
mehr ausartete, sich 
Baalspriester nen - 
nen liess und, das 
graue Haupt mit 
Blumen geputzt, 
dem Götzen schmei 
chelte und opferte. 
Als ein denken 
der Betrachter der 
menschlichenThor- 
heit mischte ich 
mich unter die Got 
teskinder wie auch 
unter die Weltkin 
der, öfter aber unter 
die letzteren, und zwar hauptsächlich aus väter 
licher Zuneigung für die Zwillinge, deren Zustand 
ich aus des Tröpfchens zutraulichem Sprudeln und 
Plätschern erfuhr. Dass es eben die Kinder des 
Jammerbolds waren, die zu den gefährlichsten 
Unholden zwischen den Weltkindern zählten, 
erregte natürlicherweise grosses Befremden und 
Aergerniss, aber weniger deswegen als aus Theil- 
nahme für die hilflos in der Irre tappenden 
Kinder und ihren Vater, meinen Freund, machte 
ich mich eines Tages auf, um ihm die Augen 
über ihre Lage zu öffnen. Man fand Pastor 
Wolke damals selten zu Hause, weil er stets mit 
Predigen, Lehren, Trösten und Helfen beschäftigt 
© 
Der 
Landsknecht.
	        
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