war, doch war mir diesmal der Zufall günstig-,
wie mich die heftigen Reden, die aus den geöff
neten Fenstern seiner Wohnung schallten, schon
von weitem’merken liessen. Als ich näher heran
kam, sah ich zu meinem Erstaunen, dass nach
einander eine Reihe von silbernen Tellern, Schüs
seln, Schalen und Kannen aus dem Fenster flogen,
zum Theil von ausserordentlicher Grösse und
Gewicht, so dass ich mich an den Mauern der
Häuser entlang drückte, um nicht getroffen zu
werden. Es waren nämlich dem edeln Manne
Sticheleien zu Ohren gekommen, dass seine eigene
Frau zu denen gehöre, die, während der Fromme
alles Irdische von sich thäte, mit unverminderter
Habgier auf dem Ihrigen sitzen bliebe und so,
auf lasterhaftem Reichthum thronend, ihren Mann
und seine Anhänger verlachte. Er hatte hierauf
seine Frau zur Rede gestellt und in allerlei Truhen
und Kisten den Schatz des Hauses entdeckt, den
er sogleich trotz des Tobens seiner Frau in wohl
gezielten Würfen auf die Strasse schleuderte. Er
liess sich auch durch meinen Eintritt nicht stören
und hörte erst auf, als ihm die schwachen alten
Arme erschöpft am Leibe herunterfielen, worauf
er sich zu seiner Frau wendete, um ihrem Schelten
Gehör zu schenken. „Du Geck, du Faselhans/' rief
diese, „was bist du mehr als ein einfältiger Tyrann,
der alle Menschen nach seinem zufälligen Masse
modeln möchte? Wärest du ein Tanzmeister,
würdest du alle tanzen lassen, wärest du ein
Todtengräber, würdest du sie verfluchen, wenn sie
sich nicht begraben liessen, und da du nun als
Gottesnarr und Jammerbold geboren bist, möchtest
du alle in ein Kloster sperren, die doch weit
nützlicher und erbaulicher leben als du." Ich
unterbrach die Frau, indem ich ihr bewies, dass
sie die Erhabenheit und Heiligkeit ihres Mannes
nicht zu fassen vermöge, dagegen hielt ich ihm
vor, dass es an der Zeit sei und er Ursache habe,
sich um seine Kinder zu bekümmern, deren
Seelen Gott ihm vorzüglich anvertraut hätte und
in Bälde von ihm zurückfordern würde. In dieser
Weise redeten wir abwechselnd auf ihn ein, bis
er mich mit demüthigen Worten bat ihn hinzu
führen wo seine Kinder wären, was ich sogleich
that, worauf seine Frau mit Hilfe des Dienst
mädchens das Silber, soweit es noch nicht fortge
tragen war, wieder auflas und ins Haus zurück
brachte. Unterwegs erzählte ich dem Alten was
sich in der letzten Zeit mit seinen Kindern be
geben hatte, wie sie, um doch einmal vor dem
Ende das schöne Erdenglück zu kosten, sich in
wilde, alberne Ausschweifungen geworfen hätten,
die sie aufzehrten, ohne ihnen Genüge zu geben.
Die Weltkinder glaubten, als sie des Jammerbolds
ansichtig wurden, nichts anderes als dass er sie
bekehren und bessern wollte, wovon sie sich eine
Hauptkomödie versprachen; aber der Anblick des
alten Mannes, als er seiner verlorenen Kinder
ansichtig wurde und die Arme zaghaft aus der
Entfernung nach ihnen ausstreckte, mit dem
kleinen weisshaarigen Haupte nickend, rührte das
leichtsinnige Volk, so dass einige sogar den Zwil
lingen Zeichen gaben, sie möchten ihren Vater
nicht so lange rufen und bitten lassen. Diese
starrten den Alten erst eine Weile erschreckt an,
dann fassten sie sich plötzlich bei den Händen
und liefen wie ein paar bei einem verbotenen
Streich ertappte Kinder spornstreichs in entgegen
gesetzter Richtung davon. Indessen liessen sie nicht
lange auf sich warten, denn sie waren eigentlich
froh, an der Fortsetzung ihres sinnlosen Treibens
verhindert zu werden, und müde und überdrüssig ge
nug, um das Ende ruhig über sich ergehen zu lassen.
Dieses kündigte sich denn nun wirklich durch
eine heillose Katastrophe an, die dem Weltunter-
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