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STUDIEN. 
der sagte, was ich nicht 
war. Non bin ich Staob 
im Staube, Licht im Lich 
te; die Stimme, die du 
hörst, ist nicht meine 
eigene, sondern das Echo 
von aller Zeiten toten 
Winden, aller Zeiten toten 
Stimmen. Ich lebte....” 
Sie verstummte in noch 
weiterem Traum, und 
nur die Lippen bewegten 
sich unbewusst. 
„Und du warst glücklich?” 
Sie fand die Stimme wieder und schien wun 
dernd ihren eigenen Worten zu lauschen: „Ja, 
ich glaube, man nannte es so. Ich starb ja jung. 
Ich hoffte und sah vorwärts, und das, dem ich 
entgegensah, kam nie heran, denn wenn es da 
war, war es schon vorbei und flüsterte hinter 
mir. Ich träumte auch oft zurück, wenn die 
Dämmerung einfiel, tiefgrün und klar, wie sie 
jetzt bald wieder kommen wird, und die Magno 
lienblüten versanken wie tote weisse Schmetter 
linge im Dunkel; alle meine Tage dünkten mir 
damals teuer. Alles war schön.” 
„Und hast du nie gehandelt, lebtest du nie 
wirklich?” 
„Gehandelt, doch, doch, oft, viel. Etwas trieb 
mich, bald hin, bald her, ich nannte es Wille. 
Da waren viele Stimmen in meinem Innern, aber 
eine war am stärksten und bezwang die anderen, 
wie die grosse Woge schwellend die kleinen er 
würgt, aber ob sie mehr als die übrigen mein 
war, was weiss ich? Ich fühlte Liebe, ich fühlte 
Hass, und ich gebot über viele, und Liebe und 
Hass wurden zur That, doch sie glitten aus 
meiner Hand wie zerstiebende Blasen, und während 
sie brachen, verstand ich sie nicht. Männer wähn 
ten mich zu besitzen, und ich wähnte mich glück 
lich darüber und brannte 
in Sehnsucht und Hoff 
nung und lächelte Er 
innerungen zu, während 
Dämmerung sich über 
roten Mohn senkte. End 
lich hatte ich bloss eine 
Sehnsucht, in der alten 
Vase hier unter meinen 
Füssen zu ruhen, die ich 
vor mir hatte, in meines 
Gartens Sonne, und an 
sah, bis die Gedanken 
erstarrten und ich ein 
schlummerte inV dem 
Schatten der Arkaden, 
von dem Murmeln des 
rieselnden Wassers ein 
gewiegt. Einmal ent 
schlummerte ich in 
grossem Schmerz und 
erwachte und rang mit 
dem Schmerz, und er 
verschwand in meinen Armen, und ich mit 
ihm. Da legte man meinen jungen starren Leib 
auf einen Scheiterhaufen, und auch er ward um 
fangen und erhoben von den roten Armen der 
Flammen und verschwand, aber dem weissen 
Staube, der zurückblieb, bereitete man die Ruhe 
dort, wo ich es bestimmt. Da verschlug auch 
dies mir nichts, da war auch dies Ersehnte an 
mir vorbei, indem es kam. Aber ich hatte einen 
Traum. Mir dünkte, dass die drei Frauen dort 
mir ihre Hände reichten, um mich in ihrem Tanze 
mitzuziehen, ich nahm sie, ich stand wie sie mit 
flatterndem Haar und Gewand, aber ich wusste 
nicht, ob ich mich bewegte und umherwirbelte, 
oder ob ich Stein war wie sie.” 
Leonzinos Blick hatte während ihrer Worte 
dieselbe träumende Tiefe bekommen wie der ihre. 
„Diese Frauen,” sagte er, „was sind sie, was be 
deutet ihr Tanz. Warum wolltest du in ihrem 
Kreise ruhen?” 
„Darum, weil sie alles innen umschliessen. 
Unsichtbar umtanzen sie uns, unser ganzes Leben 
lang, unhörbar schweben ihre Schritte, ihre Ge 
wänder wehen kalt um deine Hände, ihr Haar 
streicht flatternd an deiner Wange vorbei. Sie 
sind die Horen, sie tanzen den Tanz der Zeit. 
Ich konnte lange Stunden liegen und sie sich 
regen sehen, wenn ich 
die Augen halb schloss, 
aber wie ich den Blick 
aufschlug, standen sie 
still. Und ich grübelte: 
die Zeit, die Zeit, was 
ist sie? Versinkt sie 
hinter uns, oder fliegt sie 
vorbei, nachdem sie kalt 
auf unseren Mund ge*
	        
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