haucht? Wir fahren auf einem Schiff; was ist
es» das uns dahin führt? Die Segel stehen ge
schwellt, die Welle rauscht sterbend unter uns —
nun ist es eine neue, die hinansteigt, es giebt den
selben Laut. Die Zeit ist der Wind, und sie
rauscht über unserem Haupte, aber das Schiff,
bewegt es sich so rasch wie sie? Steht es nicht
ganz stille, und wir wähnen bloss zu fahren, weil
der Schaum vorübergleitet? Leben wir, sterben
wir, oder ist es alles ein Trug, den wir träumen,
in dem Rauschen um unser Haar? Der Augen
blick wird von der Furcht zerstört, von der Angst,
dass etwas kommen könne, oder durch die Hoff
nung ; aber die Hoffnung in die Zukunft ist un
ruhig, sie auch. Nur das Verflossene ist ganz
hold und gross und ruhig in seiner Wehmut.
Sieh die Frauen dort im Stein an, du vernimmst
den Rhythmus ihrer Schritte, aber die Füsse regen
sich nicht, die Gewänder fallen nicht, das Haar
liegt stets gleich — sie sind die Stunden der Ver
gangenheit, die Unrast, die zu Grösse und Ruhe
erstarrt ist."
Leonzino erschauerte leicht, wie im Traume
des Morgens, wenn die leise Kälte des Tages
grauens heranstrich, duftlos und rein, aus der
Lauheit der Sommernacht, und ihn beinahe weckte,
so dass vor seinen Augen das erbleichende Licht
der Sterne zitterte.
„Und die Grösse und die Ruhe hast du jetzt,
und du bist damit zufrieden! Du entbehrst nichts,
bereust nichts?" Sie sah ihn an, mit einem matten,
milden Lächeln.
Er stand leicht vorgebeugt, in einer Stellung
weichen Flehens, die Hände gestreckt» den Blick
erhoben — die Haltung eines Jünglings, der seinem
Griff ein Glück entgleiten fühlt, das er nicht er
reicht, und das zu erreichen er sich unwert dünkt,
ein Leben, das er hätte leben, einen Schmerz, mit
dem er hätte ringen wollen. In seinem granat
roten Seidenrock brannte das Licht so warm,
dass selbst die Schatten in den Falten glühten;
die braune Haut glänzte wie Bernstein unter seinem
langen lockigen Haar.
Sie sprach: „Du hast mir den Schatten des
Lebens wiedergegeben und damit den Schatten
des Begehrens, den Schatten der Unruhe. Wenn der
Tod jetzt bald wiederkommt, wird er mir ein leises
Leid geben — schon fühl' ich es im Blumenherzen.
KATZEN
STUDIEN.