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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 4)

geboren  erschiene.  Es  ist  überflüssig,  die  Reihenfolge ­
  vervollständigen  zu  wollen,  denn  das  hiesse
das  ganze  Leben  des  Japaners  schildern.  Denn
das,  was  der  japanischen  Konst  den  grandiosen
Zog  giebt,  das  ist  die  Einheitlichkeit.  Es  ist  keine
Lücke  gelassen.  Ob  wir  eine  Malerei  betrachten,
eine  Schnitzerei,  einen  gestickten  Wandschirm  des
Innern  eines  Haoses,  ja  das  Haos  selbst,  es  ist
alles  von  einem  ond  demselben  Geiste  gefügt.
Sehen  wir  die  Architektor  an.  Mit  welch
feinem  Geschmack  sind  die  kleinen  Holzgebäode
in  die  Landschaft  gesetzt,  als  wäre  aoeh  diese  nor
dazo  da,  dem  Konsttrieb  der  Bewohner  ein  Mittel
zo  sein.  Wie  zweckmässig  ist  der  Bao  durchgeführt!
  Leicht,  graziös  heben  sie  sich  von  dem
donklen  Hintergründe  eines  Waldes  ab.  Das  Dach
ragt  weit  über  zum  Schutze  gegen  Wind  ond
Wetter.  Gewöhnlich  ist  nor  eine  Wand  fest  angelegt; ­
  bei  heiterem  Wetter  fallen  alle  anderen
Wände,  werden  zur  Seite  geschoben  oder  heruntergelassen
  ond  das  Innere  liegt  frei  vor  uns.
Wir  sehen  in  das  bescheidene,  raffiniert  einfache
Zimmer.  Ein  Schrank,  eine  Matte,  ein  Kakemono,
  das  an  der  Wand  hängt,  ein  kleiner  winziger
  Tisch.  Und  diese  Gegenstände  stellt  der
Bewohner  des  Haoses  bald  so,  bald  so,  immer
seiner  augenblicklichen  Laune  folgend.
Wenn  man  die  Konst  dieses  feinen  Volkes
kennt,  kennt  man  ihr  Leben.
Denn  so  unerschöpflich  dieses
ist,  eben  so  unendlich  reich
spiegelt  es  sich  in  der  Konst
wieder.  Hier  vielleicht  wie
nirgends.  Denn  die  Japaner
haben  alles  in  ihren  Bereich
gezogen.  Es  existiert  nichts,
was  sie  nicht  künstlerisch
verwertet  hätten.  Der  Japaner ­
  lebt  in  der  Natur  wie
kaum  ein  anderes  Volk.  Sie
ist  ihm  Lehrmeisterin,  ond
nicht  nor  das;  wie  er  sich  zu
ihr  stellt,  hat  es  den  Anschein,
als  hegte  er  eine  zärtliche  Liebe  zu  ihr,  wie  wir
es  nirgends  sonst  sehen.  Es  hat  etwas  unsagbar
Rührendes,  wie  er,  der  dank  seiner  virtuosen  Begabung ­
  zur  Willkür,  zur  Beugung  des  Gegebenen
nach  seinem  Willen  wie  geschaffen  wäre,  gar
nicht  daran  denkt,  abzuweichen  von  dem,  was  er
so  innig  verehrt.  Und  es  ist  immer,  als  ob  er  mit

zitternden  Lippen  von  seiner  Liebe  spricht.  Und
darum  lässt  er  den  Schleier  gern  darüber  fallen,  nur
andeutend,  nur  grüssend  mit  glücklichen  Augen.
Alle  seine  Formen,  alle  die  kühnen  Kombinationen ­
  lassen  sich  zurückführen  auf  die  Vorbilder ­
  in  der  Natur.  Und  diese  Hegemeister  der
Technik  werden  nicht  müde,  all  ihr  Können  zu
lassen  und  immer  wieder  in  die  Lehre  zu  gehen.
Tage-,  monatelang  können  sie  im  Walde  sitzen,
den  Käfern  zuschauen,  die  Grashalme  betrachten,
die  Berge,  die  unter  ihnen  liegen,  den  rätselhaften ­
  Formen  des  Abendnebels  mit  trunkenem  Auge
folgen,  die  Linien  auf  dem  sich  kräuselnden  Wasser ­
  festzuhalten  versuchen.  Dieser  Dienst,  den
der  Japaner  der  Natur  weiht,  hat  etwas  tief
Religiöses  und  es  ist  berechtigt,  wenn  man  behauptet, ­
  DIE  JAPANISCHE  KUNST  TRAEGT
IN  SICH  EINE  WELTANSCHAUUNG.  Es
ist  etwas  Pantheistisches  darin,  der  Mensch  verschwindet ­
  vollkommen;  keine  Kunst  lehrt  so  wie
die  japanische  die  Kleinheit  des  Daseins,  die
Grösse  dieser  Kleinheit  und  die  Hingebung  an
etwas,  das  ausser  mir  ist,  das  mich  überwältigt,
dessen  Kind  ich  bin,  dessen  Spuren  ich  selig  und
zitternd  folge.
Diese  rührende  Inbrunst  hat  etwas  Erhabenes,
Einsames,  Weitabgewandtes.  Nie  hat  diese  Liebe,
die  alles  Seiende  mit  kindlicher  Verehrung,  wie
etwas,  das  es  nicht  fassen
kann,  anstaunt,  sich  mit
einem  gleich  grandiosen
Können  gepaart,  wie  hier.
Es  ist  bekannt,  dass  der  Japaner ­
  dank  seiner  scharfen,
peinlich  genauen  Beobachtung ­
  Bewewegungen  wahrnahm, ­
  die  uns  völlig  entgingen, ­
  die  wir  erst,  nachdem
wir  sie  anfangs  für  übertriebene ­
  Verzerrung  hielten,
durch  kontrollierendes  Sehen,
durch  langes  Gewöhnen  als
richtig  feststellten.  Ja  der
Japaner  sieht  Augenblicksstellungen  in  der  ganzen
Schnelligkeit  des  Vorübergangs,  denen  wir  auch
jetzt  noch  nicht  folgen  können,  die  wir  aber  als
beglaubigt  hinnehmen  müssen.  Sie  erscheinen
uns  wohl  als  willkürliche  Verrenkungen.
Diese  beiden  Eigenschaften  des  empfindungstiefen ­
  Gestalters  und  des  genauen  Beobachters

ENTWURF  FÜR  BODENBELAG ­
  IN  MEAU-QUETTES
  -WEBEREI.
            
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