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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 4)

cs  ist  nichts  von  Zufälligkeiten  daran,  was  abstossen
  könnte.  Und  es  ist  merkwürdig,  diese
wahrhaft  bescheidenen  Künstler,  die  sich  nicht
mit  grossen  Problemen
abgeben,  die  nie  grösste
Rätsel  lösen  wollen,  die
nie  „Ewiges”  geben  wollen, ­
  haben  dann  etwas  geschaffen, ­
  das  alle  Zeiten
überdauert.
Die  Japaner  geben  nie
das  Ganze  einer  Erscheinung. ­
  Man  sieht  das  am
besten  in  der  Malerei.
Ihr  Prinzip  ist  das  der
Flüchtigkeit.  Das,  was
ihnen  eine  Stunde  der
Wallung  gegeben,  suchen ­
  sie  nie  voll  auszuschöpfen. ­
  Sie  schweben
über  der  Erscheinungen
Schwere.  Es  hat  den  Anschein, ­
  als  würde  alles,
was  in  ihre  Hände
kommt,  leichter,  lachender. ­
  Sie  befreien  das  Einzelne ­
  von  seiner  zufälligen
Schwere.  Das  Objekt,
das  ihnen  vorliegt,  wirbeln ­
  sie  so  lange  in  ihrer
Betrachtung  hin  und  her,
bis  sie  sozusagen  die
Körperlichkeit  heraus  destilliert ­
  haben.  Sie  geben
daher  den  Extrakt,  das
eigentlichste  Wesen  einer
Erscheinung.  Man  sieht
das  am  besten  an  ihren
berühmten  Darstellungen
der  Pflanzen.  Da  setzen
sie  nie  peinlich  Strich  neben ­
  Strich  —  es  ist  der
Duft,  der  Hauch  der
Pflanze,  der  sie  gefangen
nimmt,  —  den  suchen
sie  zu  bannen.  Und  so
wird  es  ein  Gedicht  über  ihre  Schönheit.  So
leicht,  so  von  aller  Körperlichkeit  befreit  und  so
wahr,  dass  unsere  Seele  zittert.  Es  ist  nur  ein
Bild  des  Augenblicks,  aber  voll  von  der  ganzen

Liebenswürdigkeit  und  Schönheit  des  künstlerischen ­
  Geistes,  voll  von  Sehnsucht  und  inniger
Kraft.  Es  ist  mehr,  es  ist  wahrhaftig  mehr,  als  was
die  Wirklichkeit  ihnen
bietet  —  ein  Klang,  als
hörten  wir  ferne  Melodien, ­
  und  ehe  wir  ihren
Zauber  recht  begriffen,
schweigen  die  Töne  —
nur  andeutend  —  nur  hinwehend. ­
  Nirgend  sonst
erscheint  uns  die  Welt  so
schön,  so  erlöst.
Oder  ich  denke  an  die
zahllosen  Landschaften,
über  deren  Mannigfaltigkeit ­
  in  der  Auffassung
wir  staunen  müssen,  zumal ­
  die  Motive  nicht
häufig  wechseln.  Wir  ersehen ­
  daraus,  wie  sehr
der  Japaner  Wert  legt
auf  das  „Wie”  und  dass
Seele,  Empfindung  bei
ihm  alles  ist.  Jene  Landschaften, ­
  wie  sie  Hiroshige
  malte.  In  einem
kleinen  Blatt  die  Unendlichkeit. ­
  Wer  wollte  beschreiben, ­
  welch  unsagbarer ­
  Zauber  in  ihnen
liegt.  Wie  ist  alles  Kleinliche ­
  entfernt.  Von  einem
Hügel  sieht  man  hinab;
unten  liegen  am  Ufer
einige  kleine  Häuser,  halb
versteckt  am  Walde.  Und
eine  einzige  zarte  Linie
fliesst  aus  dem  Pinsel  und
bildet  das  verlassene  Ufer,
das  den  See  einrahmt,
der  sich  weit  ausdehnt,
auf  ihm  schweben  einige
schwach  angedeutete
©  Punkte,  Striche  —  die
—  Segel  der  Schiffe.
Oder  „die  Brücke  von  Jedo”.  Wieder  diese
verlassenen  Ufer,  wie  sie  nur  Hiroshige,  dieser
Meister  in  der  Wiedergabe  der  Stimmung,  geben
kann.  Und  über  den  breiten  Fluss  spannt  sich

ENTWURF  FÜR
WEBEREI.
„BLUM  EN  -  ERWACHEN".
            
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