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ENTWURF FÜR 
VORSATZPAPIER. 
Es ist dies nur ein kurzer Abriss; von der 
Fülle der Gestalten wird er vielleicht einen Be 
griff geben, wenn man bedenkt, dass dies nur ein 
Gebiet ist. Aber es giebt kein Feld der künst 
lerischen und gewerblichen Thätigkeit, das unbe 
nutzt liegen geblieben wäre. Und da bietet sich 
ein Reichtum klangvollster Namen, der unüber 
sehbar, unfassbar ist. Die Geschichte des japa 
nischen Holzschnittes von den einfachsten An 
fängen ausgehend, birgt eine gleiche Fülle. Und 
gehen wir dann auf die anderen Gebiete der 
Keramik, der Ciselierkunst, der Schmiedekunst, der 
Stickereien, der Lacke, der Muster- und Vorlagen 
bücher, der Holzschnitzereien, ... 
es ist ein überwältigender An- fj 
blick, dem kein Land, keine 
Kunst in dieser Einheitlichkeit 
und Mannigfaltigkeit an die 
Seite treten kann. Es giebt dort 
keinen Gegenstand, der nicht 
künstlerisch bearbeitet wäre, der J 
nicht künstlerischen Geist in 
sich trägt. Was ist nun das 
Wesen dieser hohen Kunst? 
Wir haben den einzelnen 
Wirkungen, die von den Wer 
ken ausgehen, nachgespürt. . 
Aber woraus ist diese Kunst ge- 
boren? Ist sie eine Verstandes 
kunst wie die europäische? 
Das hat man von vornherein 
zurückgewiesen und daher 
kommt auch die instinktive 
Abneigung und das Sichver- 
schliessen dieser Kunst gegen 
über. Ja man hat ihr einen 
Vorwurf daraus schmieden wol 
len, sie sei keine grosse Kunst, 
sie habe einen engen Horizont 
— so vermisste man die Ideen. 
Aber man kam nicht auf 
den Kernpunkt. 
Die JAPANISCHE KUNST ist wie keine 
andere so absolut und so rein, so unbeeinflusst, 
eine GEFÜHLSKUNST oder naturwissenschaft 
licher ausgedrückt eine’NERVENKUNST. Sie 
baut sich vollkommen auf diesem Grunde auf; 
darum schied sie so instinktiv alles Störende aus, 
darum ist sie so organisch gewachsen, wie keine 
andere. Denn nichts ist sq fein wie das Gefühl. 
Ich meine: Nervenkunst; aber nicht in jenem 
spielerischen Sinne, in dem man es vielleicht auf 
fassen könnte. So wie die europäische Kunst eine 
Schöpfung des Gehirns ist, so die japanische eine 
Schöpfung der Nerven. Und darum vermisst 
man dort das „Grosse", weil ja das Gefühl nur 
reagiert, nicht schafft — oder richtiger gesagt 
nichts Alleiniges, Gültiges hinstellt, von dem für sich 
wieder eine Welt ausgeht. Aber doch scheint mir, 
die Japaner sässen näher am Grunde der Welt, wie 
das Gefühl ja dem Begriff vorhergeht. Und darum 
weisen sie immer zurück auf etwas anderes, das 
sie verdolmetschen wollen, ein unerklärliches Et 
was, das sie treibt, das ihr 
Schaffen lenkt und sie konse 
quent jene Wege gehen hiess, 
die sie gegangen sind. 
Das Leben der Japaner geht 
dahin, wie das einer Pflanze. 
Sie scheinen ihre Existenz an 
etwas Ewiges anzuknüpfen und 
dann ist ihr Wille dunkel. Sie 
werden sich nicht über den 
Sinn klar. Vielen wird es ein 
tönig erscheinen; es hat etwas 
Verschleiertes für uns, wir kom 
men nicht dahinter. Wir kön 
nen nicht das Vergnügen an 
den kleinsten Dingen haben 
wie die Japaner. Wir sind da 
zu zu robust. Und dann will 
bei uns jeder sein Leben leben! 
Und denkt das wäre etwas 
Grosses. 
„Ich gehe in den Wald, be 
trachte die Käfer im Grase und 
die seltsam geformten Wolken 
und wie sich unter mir im Thal 
der Nebel zwischen die Zweige 
schiebt" — sagt der Japaner — 
„und fühle meine Seele er 
zittern." 
Gefühl das Höchstpersönliche 
ist, darum stellt sich die japanische Kunst als die 
einzig-individuelle dar. Man muss den Reichtum, 
mit dem die Künstler uns überschütten, kennen 
und man wird sagen: Sie haben eine zweite Welt 
geschaffen. Denn das ist das Wunder. Während 
sie am weitesten sich entfernen von Ewigkeits 
bestrebungen und immer am Anfang ihrer Bahn 
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