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cs auch nicht dieselben Vögel. 
Und auf den Stangen wehten 
nicht dieselben Flaggen. 
Er selber fühlte instinktiv, 
dass er aus seinem Naturzu 
sammenhang herausgerissen war, 
er hatte vielleicht einmal in einer 
fernen Vergangenheit einer frem 
den Welt in weiter Ferne ange 
hört, — so sollte denn der Sohn 
auf demselben Fleckchen Erde, 
das er während seines Daseins 
hier auf Erden bestellt und dessen 
Ertrag er geerntet hatte, leben 
und streben. 
-j- 30° Celsius. 
Er merkt mit Entsetzen, dass 
die Kälte zunimmt, und dass 
alles Leben auf dem Felde er 
stirbt. Sein Fenster liegt nach 
dem Walde hinaus, und nach dem 
breiten Wege, auf dem sich die 
Menschen von und zur Stadt 
bewegen. Kein Blatt zittert 
mehr, die Tannennadeln sind 
wie Pfriemen, und es liegt Reif 
auf allen Bäumen. Eine arme 
kleine Meise hat noch Kräfte 
genug, um die Flügel zu bewe 
gen; da, wo sie geflogen ist, 
sieht man in der Luft einen dün 
nen Dampfstreif. Die Natur hat 
keinen Atemzug, sie ist ganz 
still und kalt, kein Wind bewegt 
die Luft, alles ist steif und weiss 
wie Talg. 
Da ertönt Schellengeklingel 
unten auf dem Wege, ein Schlit 
ten zieht vorüber, in dem Schlitten 
sitzen ein Herr und eine Dame. 
Ueber dem Pferd und den bei 
den Menschen lagert während 
der ganzen Zeit eine weisse 
Wolke, die sich fortwährend er 
neuert. Dieser Herr und diese 
Dame haben wohl niemals in 
ihrem Leben eine Weintraube 
wachsen sehen, vielleicht haben 
sie auch noch niemals eine ge 
kostet. In ihren Mienen gewahrt 
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man keine Unzufriedenheit mit 
dem Wetter, sie fahren dahin, um 
ihr kleines Anliegen in der Stadt 
zu erledigen, und sie rufen von 
Zeit zu Zeit dem Pferde zu, 
wenn sie meinen, dass es sich in 
dem wunderlichen Talg zu lang 
sam bewegt. Ein Mensch aus 
dem Sonnenlande würde sich 
über diesen Aufzug totlachen. 
Ihre Augen sehen ganz offen und 
ohne Verwunderung dies entsetz 
liche, kalte Rätsel an, das sie an 
allen Seiten umgiebt, und sie 
opfern ihm keinen Gedanken, 
weil sie selber Kinder des Schnees 
und im Schnee aufgewachsen 
sind. 
Er sieht seine kleine Tochter 
draussen auf dem Hof vor den 
Fenstern spielen. Sie ist von 
oben bis unten in dicke, wollene 
Kleider gehüllt, nur unter den 
langen Strümpfen aus Ziegen 
haaren liegen lederne Sohlen. 
Ihre Schritte knirschen schmerz 
lich im Schnee, wenn sie den 
Schlitten zieht. Bei diesem An 
blick fangen seine Schultern an 
zu zucken, er schliesst die Augen, 
als wenn er ermattet ist, seine 
wunderliche Qual treibt ihm den 
kalten Schweiss auf die Stirn. 
Das Kind ruft zu ihm her 
auf, sie wendet ihr rotwangiges 
Antlitz unbefangen nach oben 
und klagt, dass der Strick an 
ihrem Schlitten zerrissen ist. Er 
geht sogleich hinunter und 
knüpft den Strick wieder zu 
sammen, und er hat keinen Hut 
auf und keine dicken Kleider 
an. „Friert dich nicht?” fragt 
das Kind. Ihn fror nicht, seine 
Hände waren warm, nur einen 
stechenden Schmerz verursachte 
die eisgesättigte Luft in seiner 
Kehle. Aber ihn fror nie. 
Er bemerkt, dass die grosse, 
alte Birke vor der Hausthür ihr 
PATRONIERTER 
WANDDEKOR. 
TEIL EINER 
SAALAUS 
SCHMÜCKUNG. 
J
	        
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