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ENTWURF FÜR 
WEBEREI. VIERFARBIG. 
„DIE SCHWARZEN 
TULPEN.« 
weichen vor dieser Auf 
lösung alles Bestehenden 
und muss doch endlich 
kapitulieren. Denn was 
den Zauber dieser Kunst 
ausmacht, das ist die 
absolute Sicherheit. Wir 
streben nach Einheit — 
hier ist die Einheit. 
Der innerste Grund 
dieser überraschenden 
Wirkung liegt in dem 
Organischen. Ich weiss 
nicht, wie es kommt, 
aber seit ich die japani 
schen Künstler kenne, 
muss ich immer mit 
Schmerz fühlen, wie wir 
alle entwurzelt sind. Es 
scheint mir immer, als 
wären wir irgendwie von 
der geraden Entwicke 
lung abgewichen und 
irrten nun ratlos hin und 
her, einen verlorenen 
Weg suchend. Und es 
will mich oft bedünken, 
als hätte der GEDANKE 
uns zu sehr gemeistert 
und unsere Instinkte, 
unsere Triebe, das, wo 
mit wir uns verbunden 
fühlen mit dem dunkel 
sten Grunde des Seins, 
das wäre verkümmert. 
Es will mir scheinen, 
als sässen die Japaner 
am nächsten dem wir 
kenden Geiste. Denn 
wenn wir auch auf unsere 
sogenannte „grosse 
Kunst" weisen und sehen, 
wie sich Künstler bei uns 
mit Weltproblemen ab 
mühen — ist diese Kraft 
anwendung nicht eine 
vergebliche? Bedeutet es 
nicht eine Verkennung 
der Aufeinanderfolge des 
Geschaffenen, wenn ich 
DENKE? War ich nicht 
Stoff, war ich nicht 
Chaos, ehe ich mir klar 
wurde? Und kehre ich 
nicht dahin wieder zu 
rück, wenn ich schaffend 
in die Tiefen steige. 
Man sieht bei uns eine 
Gedankenkunst. Aber 
es ist eine furchtbare 
Tragik, dass, je näher 
ein Gedanke seiner Voll- 
endung reift, er an Le 
benswucht und -Tiefe 
verliert — und verlieren 
muss, soll das Leben ein 
Drang sein und kein 
Exempel. 
Wenn ich an die wun 
derbaren Formen all der 
tausend Gerätschaften 
denke, die die Japaner 
geschmückt, wenn ich 
an ihre eigenartigen reiz 
vollen Farbenkomposi 
tionen mich erinnere, 
dann ist es mir, als wäre 
das alles nur ein Symbol, 
als hätten diese Künstler 
viel tiefer gesehen. Sie 
hätten es sicher nicht 
sagen können, was sie 
erreicht, sie hätten ihre 
Wirkungen nicht defi 
nieren können — es wäre 
ihnen auch sehr gleich 
gültig gewesen. 
Und darum meineich, 
diese Kunst ist wie jede 
eigentliche Kunst — soll 
sie nicht von anderen 
Kräften borgen oder von 
ihrem Pfade abweichen 
— eine weisende, hin 
deutende Kunst. Wohin? 
Wer sagt es?! Ist nicht 
alles Ahnung, Insichver- 
sunkensein, Tasten, 
Zurückweichen, Auf 
lösung?! Nur so tritt
	        
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