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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 4)

eine  Kunst  als  REINE
KUNST..neben  die  anderen ­
  Äusserungen
menschlichen  Dranges.
Darum  —  sind  die  Japaner ­
  Anhänger  des  Part
pour  Part?  Sie  würden
lächeln,  wenn  du  ihnen
sagtest,  was  das  bedeutet.
Man  hat  wohl  oft  sie
dazu  gestempelt.  Weil
dieses  Kunstvermögen  so
ungeheuer  war,  dass  man
das,  was  bei  diesem  Volk
selbstverständliche  Begleiterscheinung ­
  war,  als
Zweck,  als  einzigen
Grund  des  Seins  auffasste. ­
  Nein,  es  ist  nur
ein  Mittel.
Denn  dieses  Volk
versteht  wie  kein  anderes
zu  leben.
Und  was  diese  fast
mit  Zauberkraft  begabten ­
  Hände  berühren,  das
scheint  seltsam  zu  blühen. ­
  Mit  einer  geradezu
Erstaunen  erregenden
Sicherheit  gehen  sie
immer  gerade  bis  zu  der
Grenze,  wo  das  Unaufgeklärte ­
  beginnt.  Und
dann  tasten  sie  mit  divinatorischer
  Spürkraft
weiter,  eine  kleine
Strecke,  und  ihr  wunderbar ­
  feines  Gefühl  hat
ihnen  hier  und  da  rätselhafte ­
  Punkte  rätselhaft
beleuchtet.  Und  dann
ziehen  sie  sich  wieder
zurück  und  der  Schleier
fällt  und  es  ist  kein
Wunsch  in  ihnen,  weiter
zu  gehen.  Denn  ihr
unerhört  verfeinertes  Gefühl ­
  deutet  ihnen,  dass
ein  Weiter  das  Ende  ist
und  dass  das  Chaos  der

Vater  aller  Gedanken  ist.
Und  so  sinnen  sie  über
die  Unendlichkeit,  deren
Geheimnis  sie  ein  wenig
gelüftet,  vielleicht  nur
berührt,  nur  gestreift,
und  gehen  wie  selige
Kinder  weiter  und  fühlen
die  seltsamen  Schauer,
die  in  ihnen  wirken.
Und  diese  Wallungen
hegen  sie  mit  einer  zarten
abgöttischen  Liebe.
Das  ist  die  mystische
Seite  dieser  Kunst.
Und  ich  komme  zu
einem  anderen,  zu  der
Universalität  dieser
Kunst.  Wie  soll  man  dies
Gebiet  ganz  beschreiben!
Wenn  man  bedenkt,  dass
keiner  das  Leben  so  liebt,
wie  der  Japaner  und  dass
keiner  so  gerne  allen  Bedürfnissen ­
  nachkam,  die
sich  boten,  dann  wird
man  sich  eine  Vorstellung ­
  von  der  Allumfassenheit
  machen  können. ­
  Es  giebt  thatsächlich
  nichts,  was  nicht  die
Hand  des  Künstlers  verschönt, ­
  bearbeitet,  zweckentsprechend ­
  gestaltet
hätte.  Die  seidenen,  gestickten ­
  Gewänder  mit
ihren  prachtvollen,  in
allen  Nuancen  leuchtenden ­
  Farben,  die  verzierten
Kämme,  die  die  Frauen
im  Haar  tragen,  die
Netzkes,  die  zum  Durchziehen ­
  der  Seidenschnur
dienen,  die  die  Dosen  am
Gürtel  halten.  Sie  bestehen ­
  aus  Thon,  Metall,
Lack,  Holz.  Es  giebt
keinen  Gegenstand,  der
nicht  erst  wie  aus  künstlerischem ­
  Geiste  wieder-<s>


ENTWURF  FÜR
WEBEREI.  VIERFARBIG.
„DIE  ZERSCHNITTENEN
BLÄTTER.«
            
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