Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 5)

%

Sie  gewahrte  ihn  nicht.  Wie  für  sich  fuhr  sie  fort:
„Es  ist,  als  dampfe  es  um  mich.  Als  müssten
die  Leidenschaften,  die  hier  verschüttet  worden
sind,  sich  noch  einmal  aus  dem  Boden  heben  in
einer  Flackersäule,  höher  als  die  Flammen  des
Vesuv  in  jenen  Unglücksnächten  gestiegen  sind.“
„Um  Gottes  Willen!  Hätte  ich  geahnt,  Du
wirst  Dich  so  aufregen,  ich  hätte  Dich  niemals
hierher  gebracht.“
Seltsam  sah  sie  ihm  in  die  Augen.  „Und  wie
denn?  Oder  können  alle  die  Gluthen  weggefegt
sein?  Wirklich  ausgelöscht  für  immer,  wie  das
Feuer  auf  dem  Herd,  wenn  man  erst  einmal  Asche
darüber  geworfen  hat?  Und  sie  sind  in  ihren
rothen  Sünden  dahin  gegangen  und  sie  meinten
sich  unsterblich,  wie  wir  uns  dafür  halten.  Was
ist  denn  an  uns  unsterblich,  wenn  nicht  das,  was
wir  begehren?“
„Du  musst  nicht  so  grübeln,  Herz.“  Sein  Ton
hatte  etwas  Ueberlegenes,  Belehrendes,  das  sie  an
ihm  gewöhnt  war.  Nun  empörte  es  sie.

„Ich  grüble  nicht,  ich  empfinde.  Ich  empfinde
die  Einsamkeit.  Sie  hat  sich  um  die  tote  Stadt
geschlungen  in  weiten  Ringen.  Und  kommt  wer
in  ihren  Bann,  so  hebt  sie  den  klugen  Schlangenkopf ­
  und  zischt  ihn  an  mit  einem  leisen  und  schrecklichen ­
  Zischen,  dass  man  erschrickt  und  sie  umwindet ­
  ihn,  kalt,  fröstelnd,  tötlich.“
„Beruhige  Dich,  Liebchen,“  wollte  er  trösten.
„Und  die  Springbrunnen  springen  noch,  wie
einmal.  Und  es  ist  wie  eine  Muschel.  Noch
schimmert  das  Gehäuse.  Nur  das  Thier  ist  tot,
das  in  ihr  gehaust.  Und  ich  mag  so  etwas  nicht
mehr  sehen  und  kommen  wir  heim,  so  muss  aus
meiner  Wohnung  Alles  fort,  was  wir  haben  von
derlei  Sachen.  Es  muss,  sag'  ich.“
„Es  soll  auch,  wenn  Du  willst.“
„Und  ich  sah  das  Forum  voll  von  Menschen.
Und  sie  deuteten  mit  den  Händen  und  ihr  Mund
war  offen.  Aber  kein  Laut  war  da  zu  hören.
Und  ich  bin  im  Hause  des  Bettius  gestanden.  Der
hat  sich  doch  auch  eingerichtet  gehabt,  für  ewig.

©
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.