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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 5)

GIOVANNI  SEGANTINI.
HEILIGE  MALEREI.

ÜBER
KUNST.

D ie  Geschichte  ist  das  Verzeichniss  der  Zufrühgekommenen.
  Da  wacht  immer  wieder
Einer  in  der  Menge  auf,  der  in  ihr  keine
Ursache  hat  und  dessen  Erscheinen  sich  in  breiteren
Gesetzen  begründet.  Er  bringt  fremde  Gebräuche
mit  und  fordert  Raum  für  unbescheidene  Geberden.
So  wächst  eine  Gewaltsamkeit  aus  ihm  und  ein
Wille,  der  über  Furcht  und  Ehrfurcht  wie  über
Steine  schreitet.  Rücksichtslos  redet  Zukünftiges
durch  ihn;  und  seine  Zeit  weiss  nicht,  wie  sie  ihn

werthen  soll,  und  in  diesem  Zögern  versäumt  sie
ihn.  Er  geht  an  ihrer  Unentschlossenheit  zu  Grunde.
Er  stirbt  wie  ein  verlassener  Feldherr  oder  wie  ein
voreiliger  Frühlingstag,  dessen  Drängen  die  träge
Erde  nicht  begreift.  Aber  Jahrhunderte  später,
wenn  man  seine  Standbilder  schon  nicht  mehr
bekränzt  und  sein  Grab  vergessen  ist  und  irgendwo ­
  grünt,  —  dann  wacht  er  wieder  auf  und  geht
näher  und  als  Zeitgenosse  durch  den  Geist  seiner
Enkel.

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