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aus der falschen Begeiste 
rung- ein Funke ins Herz 
und zündet ein rechtes Feuer 
an. Und wenns nur brennt! 
Dann ist es gleich, ob das 
Holz aus dem eigenen Wald 
kommt. 
So werden wir für die 
Kunst UNSERER Zeit — 
und das müsste man ihnen 
auch noch recht deutlich 
machen, dass wir anders 
fühlen als unsere Grossvä 
ter, dass die Renaissance 
menschen anders fühlten, 
als die Griechen, und dass 
sich daraus für jede Zeit 
auch ein neuer Ausdruck 
ihres neuen Gefühls, eine 
neue Kunst von selbst er- 
giebt — so werden wir für 
die Kunst UNSERER Zeit 
zwar keine wahren Jünger gewonnen haben, aber 
doch Menschen, die es aus gutem Willen sein 
möchten. 
So denk ich am Morgen. Aber wenn ich 
nach dem Mittag im Wald liege, wo die Bienen 
an den Blüten hängen und bunte Käfer Gras 
stengel für hohe Bäume halten, sage ich mir: 
Wozu all die Quälerei? Die Kunst ist weder 
Zum Erziehen da, noch zu sonst einem guten 
Zweck. Also lassen wir die Menschen damit in 
Ruhe. Sie ist notwendig. Gut! Eine Thatsache. 
Dann kommt es wie bei allen Dingen, so auch 
bei ihr darauf an, dass sie Freude macht. Was 
sollen wir da gewaltsam zerren? In unserer son 
derbaren Welt ist nun einmal alles in einer son 
derbaren Ordnung. Wo ein Künstler in Farben 
oder Worten oder Tönen etwas Neues sagt, da 
sind auch immer Ohren, die hören wollen, und 
Herzen, die sich nach neuer Botschaft sehnen. Dass 
es zunächst nur wenige sind, mag dem betreffenden 
Messias ein Trost sein, wenn er an alte Wahr 
heiten denkt — was sagte doch jener vom Beifall 
klatschen der Athener — und den Jüngern eine 
Freude. Sie feiern nachher das Pfingstfest um 
so stolzer. 
Dass Kunst und Volk noch nie soweit aus 
einandergekommen sind, als in unserer Zeit, ist 
eine gern und oft ausgesprochene Behauptung. 
Freilich, wenn man die Summe aller Krämer 
seelen für das Volk nimmt! Aber, wer nach 
Jahrhunderten unsere Zeit aus ihren Büchern, 
Zeitschriften, Briefen und Tagebüchern sieht, ob 
der nicht die Wellen aller grossen Werke erkennt? 
Ich denke, die Menschheit hat noch immer einen 
so grossen Magen, dass sie auch ihre Künstler 
verdaut. 
JOHANN 
V. KRÄMER. 
STUDIEN ZU 
EINEM 
PHARISÄER 
UND ZUR 
KREUZ 
ABNAHME. 
WILHELM SCHÄFER. 
JOSEF 
HOFFMANN.
	        
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