Darauf schwamm der Triton — die Porzellanschale
mit der Lika vor sich herschiebend — gradaus.
Die Lika liess sich das gern gefallen.
II.
Als sie nun so eine gute Strecke gefahren
waren, sahen sie einen kleinen Thurm am Horizonte.
Die Lika frug:
„Was ist denn das da?”
Und der Triton sagte Wasser prustend:
„Das ist ein Leuchtthurm!”
Als sie ziemlich nahe daran waren, beugte sich
ein riesiges Sprachrohr vom Thurme hinunter, und
die beiden Kinder des Meeres hörten eine laute
Stimme — die frug dumpf:
„Wer bist Du?”
Der Triton versetzte mit schallendem Gelächter:
„Ich bin doch der Triton — der fidele Triton!”
„Wen aber hast Du,” kam's nun wieder aus
dem Sprachrohr, „in der Porzellanschale?”
„Das ist doch,” gab da der Triton zurück,
„die kleine Lika — die will wissen, wo ihre Heimath
ist und ihr Glück.”
„Ist das Kind sehr klug?”
Also hörten anitzo die Beiden fragen, und die
Lika gab zur Antwort:
„Ich hab's gamicht nöthig, sehr klug zu sein,
wenn blos mein Triton sehr klug ist.”
Langes Schweigen.
Dann aber brummte es im Sprachrohr:
„Die Lika ist thatsächlich das klügste Kind
der Welt. Ihr könnt in den Hafen fahren.”
Da klatschte die Lika vergnügt in die Hände
und that ganz stolz.
Der Triton jedoch brüllte laut:
„Blase die Zwerge zusammen! Blase! Blase!”
Und es geschah.
Im nächsten Augenblick fingen tausend Blasen
auf den Molen und am Ufer zu blasen an.
Das Blasen erschütterte die ganze Luft, so dass
sich die Lika ihre beiden kleinen Ohren mit den
Zeigefingern zuhalten musste.
III.
Die Zwerge kamen eiligst herbei.
Die Lika fuhr mit ihrem Triton in den Hafen
und ward dort von den Zwergen herzlich begrüsst;
sie schwenkten mit ihren riesigen gelben Strohhüten
fröhlich in der Luft herum.
Und dann setzte sich der Triton mit seinen Fischbeinen
bei der Feuerschänke auf den Hafenrand.
Der fidele Triton trank ein paar Eimer Jammerschnaps
und erklärte den Zweck seines Besuchs
— er liess sich dabei gemüthlich von den Zwergen
das Kreuz reiben.
Die Zwerge rauchten fast sämmtlich gute Cigarren
und sahen in ihren buntdurchwebten Schlafröcken
ausserordentlich gutmüthig aus, obgleich
sie sich eigentlich nicht wenig einbildeten, denn
sie waren Maler — echte Künstler — und wussten
das sehr genau.
Wie daher der Triton beim zehnten Eimer
fragte: „Wo ist das Glück?” — riefen alle Zwerge
sofort:
„Wo man Tag und Nacht Künstler sein kann.”
Und als der Triton beim zwölften Eimer fragte:
„Wo ist die Heimath?”— riefen die Zwerge abermals:
„Wo man Tag und Nacht Künstler sein kann.”
Die Lika unter ihrem orangefarbigen Sonnenschirm
graute sich hinter den Ohren, kniff dem
Triton in die Schuppen des linken Fischbeins und
sagte:
„Na, dann wollen wir nur das Land suchen.”
Die Zwerge thaten sehr erstaunt, und ein Dickkopf
meinte:
„Lika, eigentlich hätte ich Dich für klüger
gehalten.”
Der Triton lachte, Lika verstand das aber nicht.
Und so verabschiedeten sich die beiden Kinder
des Meeres, denn die Lika hatte es furchtbar eilig.
Die Zwerge bedauerten, dass der Besuch so
kurz bemessen gewesen sei, Hessen wieder alle
Blasen blasen, dass die Molen bebten — und dabei
fuhr die Lika mit ihrem Triton am Leuchtthurm
vorbei wieder in's Meer hinaus, allwo es etwas
dunkler wurde.
IV.
Es war Nacht.
Die Sterne gingen auf und der grosse Mond.
Der grosse Mond beleuchtete das grosse Meer, und
die Lika freute sich an dem blitzenden Wellenglanz.
Der Triton lenkte die Porzellanschale allmählich
einem anderen Lande zu; einem grünen Lichte,
das nur schwach am Horizonte vorschimmerte, kam
er langsam näher.
Die Lika machte den Sonnenschirm zu, bog
den Stock nach vom, so dass die Spitze sich auf
den krausen Rand der Schale legte, und schlief
ein bischen ein.
Als sie wieder erwachte, sah sie vor sich ein
grosses schwarzes Gebirge.