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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 6)

RUDOLF  JETTMAR.

Ueberall  —  wilde  Steingesellen  mit  lustigen
Köpfen  und  seltsamen  Gliedmassen  —  abenteuerliche ­
  tolle  Märchengeister.
Oefters  brummt  der  Fischbeinige:
„Krüppel!  Feine  Krüppel!"
Die  Lika  versteht  nicht,  was  er  damit  sagen
will.
VI.
Und  dann  sind  die  Beiden  wieder  in  der  freien
Welt,  draussen  unterm  blauen  Himmel.
Die  Morgensonne  lacht,  und  die  Lika  lacht  mit.
Auf  einem  stillen  Waldsee  sind  die  Beiden,  sie
freuen  sich  über  die  grünen  Bäume,  über  die  Wasserrosen ­
  und  über  die  weissen  Schwäne,  die  würdevoll
ihr  Haupt  umdrehen,  um  die  Lika  in  ihrer  Porzellanschale ­
  zu  sehen;  Lika  spannt  wieder  ihren
orangefarbigen  Sonnenschirm  auf.
Am  Ufer  blühen  dicke,  bunte  Blumen,  wilde
Enten  fliegen  hin  und  her,  Hirsche  kommen  und
trinken  Wasser,  sehen  die  Lika  und  laufen  fort  —
in  die  dunklen  Wälder,  durch  die  Niemand  durchblicken
  kann.
Es  ist  still,  es  bleibt  aber  nicht  still.
Von  einem  Birkenhügel  klingt  ein  sanftes  Saitenspiel ­
  hernieder.
Und  wie  sie  weiter  fahren,  ertönen  in  den  Wäldern ­
  harte  Hörner  und  dröhnende  Pauken  —  ganz
in  der  Nähe  hinterm  hohen  Schilf  wird  eine  Flöte
geflötet.

Der  Triton  sagt:
„Du,  das  ist  ein  Dudelsack!"
Aber  danach  hören  sie  einen  glockenhellen  Gesang ­
  —  viele  Mädchenstimmen!
An  den  Ufern  wird's  auf  allen  Seiten  immer
lauter—  Geigengesumm  und  Trompetengeschnatter
—  Trommelgerassel  und  Harfengeklimper!
Musik  überall!
Und  es  klingt  so  fein  zusammen.
Die  Lika  lauscht  und  lächelt  und  bewegt  im
Takte  die  zarten  Finger.
Vorsichtiger  bewegt  der  Triton  seine  glitzernden ­
  Fischbeine,  damit  man  ja  die  Lika  Alles  hören
kann  —  all  die  vielen  Jubelstimmen,  die  dem  Morgen ­
  „guten  Morgen"  sagen.
VII.
Plötzlich  —  auf  allen  Bergen  ein  wüstes  Geschrei! ­

Alle  Instrumente  kreischen  durcheinander  —
und  es  erscheinen  die  Bocksbeinigen  —  tolle  Weiblein ­
  und  noch  tollere  Männlein.
Die  Musiker  sind's!
Sie  begrüssen  den  fidelen  Triton  und  die  drollige ­
  Lika  mit  graulichem  Gejohle.
„Wo  ist  die  Heimath?"  fragt  der  Triton.
Da  wird's  mit  einem  Male  wieder  still,  und  die
Bocksbeinigen  singen  im  grossen  Chore:

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